Lustige Argumentation von Hans-Jürgen Jakobs, Online-Chefredakteur der Süddeutschen: Angesichts der offenbar erfolgreichen Suchmaschinenoptimierung seiner Kollegen der «Welt» fordert er
[...] eine Konvention über statthafte und unstatthafte Massnahmen [beim SEO].
Denn Herr Jakobs findet es unfair, dass Welt.de rund 50% seiner Besucher via Google generiert, die Süddeutsche hingegen bloss 15 bis 20%. Jakobs nennt das «journalistische Wettbewerbsverzerrung».
Ob die «Welt» spamt oder nicht, habe ich auf die Schnelle nicht geprüft, aber diese Konventionen, die Jakobs mit Verve einfordert, gibt es längst. Etwa in Form der Google-Richtlinien für Webmasters. Falls Welt.de sie verletzt, steht es der Süddeutschen frei, das entsprechende Meldeformular der Google Webmaster Tools zu nutzen.
Dem Jakobs’schen Ärger liegt wohl eher zu Grunde, dass die Süddeutsche wie so viele, viele andere News Sites das Potenzial von Google unterschätzt hat. (Hierzulande wollte man die Sache ja bekanntlich mit hilflosen Protesten wegreden.) Dass die «Welt» hingegen die Chance erkannt und gepackt hat, kann man ihr kaum verargen.
Diesem Wettbewerb nun einfach eine Verzerrung anzuhängen, ist deshalb ein bisschen wohlfeil.
[via OnlinePC]
Edit: Während die Süddeutsche am 24.6. ihren Wimbledon-Artikel mit «Hortensie sucht Zitronenfalter» betitelt, schreibt die Welt in wettbewerbsverzerrender Absicht «Wimbledon: Görges überrascht – Becker, Haas und Kiefer weiter». In der Folge davon ist die Welt bei Google.de prima sichtbar für «Görges», während die Süddeutsche einen stolzen 13. Platz für «Hortensie» ergattert. Dass der süddeutsche Titel hübscher klingt, nützt ihm da halt auch nicht viel.

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