Google macht vorwärts in Sachen Display

Donnerstag, 1. Oktober 2009 | Von: | Kategorie: Google AdWords, Online Marketing | 1 Kommentar

Neue Websites im Portfolio, neue Metrics im AdWords-Interface: Google macht sich fit für den Display-Markt.

Was die Konkurrenz als Kampfansage empfinden dürfte, stellt Google als Chance dar, den Display-Markt für alle zu vergrössern:

Official Google Blog: The DoubleClick Ad Exchange – growing the display advertising pie for everyone

Im Kern gehts darum, dass neuerdings das Website-Inventar von DoubleClick den Werbekunden von Google und ihren Agenturen offensteht. Damit können via Google nun Display Ads (die schon seit langem im Partnernetzwerk von Google distribuiert werden können) auf einer deutlich grösseren Zahl von Websites als bisher eingebucht werden, die qualitativ zudem das angestammte AdSense-Netzwerk klar übertreffen dürften. Für die Publisher im DoubleClick Ad Exchange bedeutet das umgekehrt, dass ihre Werbeplätze auf einen Schlag massiv besser ausgelastet sein dürften.

Display-Kampagnen ohne Planung und Beratung?

Dass der 3-Milliarden-Zukauf von DoubleClick früher oder später zu derlei Synergien führen würde, war zwingend. Aber die nahtlose Integration ist für die Bannervermarktungs- und -vermittlungszunft nicht unproblematisch:

  • Google-Kunden, die Display-Werbung streuen, können ohne jeglichen Zusatzaufwand ins erweiterte Portfolio einbuchen.
  • Mit den Tools von Google ist die Zielgruppenausrichtung denkbar einfach vorzunehmen.
  • Das Inventar ist gross und dem Vernehmen nach gut.
  • Die Preise sind transparent und lassen sich dank Echtzeit-Bidding ganz nach Performance ausrichten, wie bei AdWords auch.

Logische Folge: Der subjektiv wahrgenommene Bedarf nach Planung, Beratung und Vermittlung dürfte in jenen Märkten, in denen Google schon heute weit mehr verkauft als nur AdWords, stark sinken. Und genau das dürfte ein Fehler sein: Schon mit AdWords ist so manches Unternehmen voller Optimismus selfmade ins Schilf gesteuert. Erfahrungswerte und Planungswissen kann Google werder simulieren noch hinfällig werden lassen, auch bei Display-Werbung nicht.

Die Media-Zunft weiss noch nicht so recht…

Zwar ist der DoubleClick Ad Exchange keinesfalls der erste Exchange-Marktplatz im Display-Bereich. Aber dank dem Hebel, den Google mit seinen weltweit zahllosen Werbekunden ansetzen kann, zweifellos der aussichtsreichste von allen. Nach Google-Rhetorik wird das den Display-Markt entwickeln. Ob das Display-Primus Yahoo! mit seinem anfangs 2008 hinzugekauften (und nicht von allen geliebten) Right Media Exchange auch so sieht, sei mal dahingestellt.

Die Media-Zunft war zwar eilig bemüht, dem Google’schen Display-Schritt positive Seiten abzugewinnen, aber ein paar Caveats gabs zur Sicherheit auch schon.  Matt Spiegel etwa, CEO von OMG Digital, bezeichnete die Sache als «vorläufig gut»:

«(…) no one wants to see Google hold all the cards, but Google is innovating and we can’t give them anything but kudos from that perspective. For the moment, it’s good stuff.»

View-Through Conversions: Die neue Masszahl im AdWords Interface

Und seit gestern, 30. September, liefert das AdWords Interface eine neue Kennzahl, die mit diesem Launch in Zusammenhang steht: Die View-Through Conversions.

Klickt man derzeit auf jene blau versprochenen weiteren Informationen, kommt leider bloss eine Fehlerpage. Allerdings erklärt die Kurz-Info die Sache hinreichend:

  1. User betrachtet Display Ad (aka Banner).
  2. User klickt nicht auf den Banner.
  3. User besucht Website des Banner-Werbenden später doch noch…
  4. …und kauft ein.

Et voilà – das wäre dann eine View-Through Conversion. Auch das ist nichts Neues, auch das gibts bereits von Tracking-Anbietern im In- und Ausland zu kriegen. Doch sobald sowas im AdWords Interface auftaucht, geht halt plötzlich die Post ab. Und zwar dank der schieren Kundenmasse. Was Google hingegen noch nicht anbietet: Eine Funnel-Auswertung, wie sie beispielsweise Microsofts Atlas liefert (User sieht Banner, klickt später auf ein AdWord und kauft nach Brand-Suche und Organic Click ein).

Doch das wird mit Sicherheit kommen. Denn trotz so manchem Flakfeuer, das Google auf Grund zahlreicher Intransparenzen im AdWords-Programm immer mal wieder abbekommen hat, so hat Google etwas doch eindeutig begriffen: Je mehr Daten der Werbekunde kriegt, umso effizienter wird seine Werbung, und umso stärker wachsen die Budgets.

Mal sehen also, ob sich das auch im Display-Geschäft bewährt.

Media Focus: Online-Werbung legt zu, Rubrikenmarkt bricht ein

Donnerstag, 20. August 2009 | Von: | Kategorie: Google AdWords, Online Marketing | 0 Kommentare

Der jüngste Halbjahresreport von Media Focus ist da: Bereits zum dritten Mal liegt damit eine Online-Werbestatistik vor, die Display-Werbung, Suchmaschinenmarketing und Affiliate-Marketing zu erfassen versucht.

Media Focus: Online-Werbestatistik Report 2009/01 (PDF, ca. 104KB)

Die Diagnose bleibt Halbjahr für Halbjahr dieselbe: Online-Werbung wächst. Betrug der Anteil der oben genannten drei Disziplinen noch rund 4% am gesamten Schweizer Werbemarkt, so ist dieser Wert im ersten Halbjahr 2009 mit 93.7 Millionen Franken auf 5% gestiegen:

Online-Werbung 2009, 1. Halbjahr: 5% der Ausgaben gehen ins Internet

Im Vergleich mit dem ersten Halbjahr 2008 haben die drei Disziplinen somit um total 43% zugelegt, wobei erstaunlicherweise die Display-Werbung mit einem Plus von mehr als 60% den grössten Sprung hingelegt hat:

Online-Werbung 2009, 1. Halbjahr: Display und Suchmaschinen legen zu

Eine gewisse Verzerrung muss da allerdings eindeutig konstatiert werden:

  1. Seit April 2008 hat sich das Messuniversum in Sachen Display deutlich vergrössert, und damit auch das überhaupt messbare Volumen
  2. Die Zahl von 39.5 Millionen im Bereich Suchmaschinenmarketing halte ich definitiv für deutlich zu tief. Meine eigene Schätzung lag bei 55 Millionen Franken fürs erste Halbjahr 2009, was einem Wachstum von 86% entspräche. Angesichts der allgemeinen Beobachtungen, dass Suchmaschinenwerbung gegenüber Display stetig Boden gutmacht, dürfte diese auf den ersten Blick sehr hohe Zahl näher an der Realität liegen.

Aber gut, darin liegt halt die Crux von Expertenschätzungen: Wer recht hat, lässt sich nicht beantworten. Google wüsste es, aber sagt natürlich nichts.

Dass Affiliate-Marketing gemäss diesen Schätzungen sogar einen Rückschlag hinnehmen musste, ist gleichfalls erstaunlich. Und in weit grösseren Zusammenhängen alarmierend ist die Entwicklung in den Rubrikenmärkten:

Online-Werbung 2009, 1. Halbjahr: Rubrikenmarkt bricht ein

Ja was jetzt? Da klagen die Printmedien seit langem, das Internet absorbiere immer stärker die Ausgaben für Rubrikenanzeigen – und dann das? Letzten Mai gab etwa Tamedia-CEO Martin Kall der Handelszeitung zu Protokoll:

«Wenn wir nichts unternehmen, wird der Tages-Anzeiger bereits dieses Jahr in die roten Zahlen geraten. Der Grund ist die strukturelle Verlagerung der kommerziellen Werbeausgaben, aber auch der Rubrikanzeigen ins Internet.»

Und jetzt zeigen die Media-Focus-Zahlen einen diesbezüglichen Rückgang von total 16%? Hoppala. Weniger Jobs, weniger Inserate – die Logik ist simpel. Kein Wunder resümiert der Halbjahresreport:

«Von einem direkten Transfer von eingesparten Werbeetats in anderen Mediengruppen zu Online zu sprechen wäre demnach eine Fehlinterpretation der momentanen Situation im Schweizer Werbemarkt.»

Insofern gibts online gerade mal zwei Bereiche, die brummen: Display und Suchmaschinenwerbung. Der Rest, so legt es der Report nahe, darbt genauso wie die Print-Welt.

Unschön.

Google muss Twitter kaufen

Mittwoch, 25. März 2009 | Von: | Kategorie: Andere Suchmaschinen, Google AdWords, Online Marketing | 11 Kommentare

Twitter, dieses komische und schwer erklärbare Internet-Microblogging-Plauderdings, hat mit Suche auf den ersten Blick wenig zu tun. Dennoch wird Twitter immer öfter als Google-Übernahmekandidat gehandelt. Kein Wunder: In manchen Suchbelangen ist Twitter schlicht besser als Google.

Wann immer eine neue Suchmaschine am Horizont auftaucht, schalten viele Medienschaffende auf Autopilot und texten Headlines, in denen unweigerlich «Google-Killer» steht. Dass sich dahinter dann entweder gar keine Suchmaschine (Wolfram Alpha), keine gute Suchmaschine (Cuil) oder eine Suchmaschine mit strukturell bedingt langer Anlaufzeit verbirgt (Wikia Search), scheint jeweils keine Rolle zu spielen.

Medial derzeit ein Liebling, aber kaum je als Google-Killer apostrophiert:

Twitter.

Ich behaupte mal: Twitter – oder das Twitter-Konzept – ist die ernsthafteste Google-Konkurrenz seit Jahren.

twitter

Das folgende Beispiel mag anekdotisch sein und als Grundierung meiner These wenig taugen. Aber erstens scheint es mir ein paar fundamentale Punkte bezüglich Web Search zu berühren, und zweitens bin ich keineswegs der erste, der Twitter und Google in Beziehung setzt: Battelle und TechCrunch haben dazu mehr und Theoretischeres zu bieten als ich.

Twitter kann schneller Antworten liefern

Und aber es begab sich, dass ich kürzlich ein blödes Anfänger-Problem mit iTunes hatte, routiniert zu googeln begann – und nicht weiterkam: Die auf den ersten Blick allesamt relevant scheinenden Treffer schrammten haarscharf an meinem Problemchen vorbei.

Ganz anders bei Twitter: Dort setzte ich einen Tweet ab, der mein Problem beschrieb, kurz darauf rasselten mehrere Antworten rein, und in Facebook, wo meine Tweets ebenfalls aufscheinen, nahmen sich weitere hilfsbereite Seelen meiner an. Problem gelöst, ganz ohne Google – für mich ein ziemliches Novum. Zugegeben: Bis die Antwort-Tweets eintrafen, dauerte es länger, als ich für die Google-Suche aufgewendet hatte. Aber der eigentliche Zeitaufwand selber war für mich viel geringer.

Aus lauter Neugierde versuchte ich dann noch, ob ich allein mittels Twitter-Suche zum Ziel gekommen wäre, also ohne meine Twitter-Freunde. Ergebnis: Ja, geht, und zwar im ersten Anlauf, was bei Google nicht geklappt hatte. Bemerkenswert, finde ich.

Aber letztlich wenig erstaunlich: Denn Twitter, dieses endlose Gezwitscher von Nichtig- und Befindlichkeiten, Bonmots und Kalauern, Tech Slang und Ohmigods entwickelt sich allein dank schierer Masse zu einem riesigen Informationsbehälter, in dem dereinst alle erdenklichen Fragen schon einmal beantwortet sein werden. Und während Google die Weisheit der Massen über Verlinkungsstrukturen, Nutzungsdaten und semantische Analysen zu operationalisieren versucht, platzieren jene Massen ihre Weisheit munter in Twitter, und zwar 1:1. Operationalisierung überflüssig. Es reicht, eine simple Frage ins Twitterversum rauszuschleudern.

Der Vollständigkeit halber: Ja, in Facebook und anderen Social-Media-Plattformen geschieht das auch. Aber keine Plattform ist derart schlackenlos auf Informationsaustausch ausgelegt wie Twitter: Facebook kann viel zu viel, um ein Twitter-Ersatz zu sein, twitterisierte neue Facebook-Homepage hin oder her.

Conversational vs. Algorithmical Search

Das passende Buzzword dazu gibts natürlich auch schon: «Conversational Search» nennt sich das. Und einer algorithmischen Suche gegenüber hat jener Conversational Search einen massiven Vorteil: Ich kriege es mit Menschen zu tun. Die verzapfen manchmal zwar auch Mist, aber nicht systematisch-algorithmisch bedingt: Irgendeiner wirds dann schon wissen, während ich das Google-System der Relevanzbestimmung bloss nachvollziehen, aber nicht aufbrechen kann.

Ask, als es noch AskJeeves hiess, versuchte jahrelang, mit seinem Natural Search zu punkten: Statt abstrahierende Keyword-Ketten in den Suchschlitz füttern zu müssen, sollte man angeblich ganze Fragesätze formulieren können. Klappte nie so richtig. Bei Twitter schon. Und zwar deshalb, weil man keine Algorithmen rattern, sondern Menschen umstandslos miteinander kommunizieren lässt.

Sowas stellt für Google aller Wahrscheinlichkeit nach die viel grössere Konkurrenz dar als eine andere algorithmische Suchmaschine. Denn bezüglich algorithmischer Suche würde ich Google für mittelfristig unangreifbar halten: Google hat uns in Sachen Web Search alphabetisiert, und die an sich weit simpleren Trefferlisten etwa von Live Search kapiere ich längst nicht mehr auf Anhieb. Der Preis, mich an andere Darstellungsarten und Eigenheiten einer Suchmaschine zu gewöhnen, wäre mir persönlich zu hoch. Eine Suchmaschine, die ein bisschen besser wäre als Google, würde ich nicht verwenden. Sie müsste schon einen Quantensprung hinkriegen, und danach siehts derzeit nicht aus. Gut möglich, dass Google dank Erfahrung, User Base, Rechen- und Manpower die Grenzen des derzeit Machbaren in der algorithmischen (horizontalen) Suche bereits auslotet.

Ein Conversational Search hingegen stellt möglicherweise für viele Bereiche der Suche genau jenen Quantensprung dar. Und er ist algorithmisch nicht zu kontern.

Twitter Search: Wie lange geht das gut?

Dennoch wird Twitter früher oder später an seine Grenzen stossen, was den Search-Wert angeht: Freunde zu fragen – sowas skaliert problemlos; aber all die Tweets auch algorithmisch durchsuchbar zu halten, stellt ein ganz anderes Problem dar: jenes Problem nämlich, das Google seit langem so erfolgreich zu lösen versteht.

Die weiter oben verlinkte Suche via Twitter Search funktionierte unter anderem deshalb so reibungslos, weil die Datenmengen immer noch relativ überschaubar sind. Google jongliert mit einer ungleich höheren Menge von Daten, und das erst noch schneller: Twitter Search, den sich Twitter übrigens hinzukaufen musste, kann heute schon peinvoll langsam sein. Und ohne robuste Infrastruktur und Algorithmen hintendran könnte es bald einmal schwierig werden, im explodierenden Twitter-Fundus überhaupt noch etwas zu entdecken.

Google hingegen kann das leisten. Mit AdWords stünde zudem ein erprobtes Refinanzierungsmodell schon bereit. Umgekehrt aber fehlt Google bisher eine Plattform für Conversational Search: Orkut läuft eigentlich nur in Brasilien richtig gut, und Jaiku hat man unlängst abgeschossen.

Google müsste also, kurzum, Twitter kaufen.

Internet Briefing @ Bern am 1. und 2. April

Donnerstag, 5. März 2009 | Von: | Kategorie: In eigener Sache, Online Marketing, Suchmaschinenoptimierung | 0 Kommentare

Wie schon im letzten Jahr ziehts das Internet Briefing nach Bern: Am 1. und 2. April halten Schweizer Online-Profis in der BEA Expo Bern ein sattes Dutzend Referate zu Themen wie Viral Marketing, Facebook, Web 2.0, Behavioral Targeting und weiteren Themen, darunter auch – ja, genau – Suchmaschinenmarketing.

internet briefing logo

Und wie letztes Jahr sind die beiden Angelink-Häuser im Programm vertreten:

Blog-Leser von Angelink yourposition kommen übrigens in den Genuss spezieller Konditionen: Tragen Sie bei der Anmeldung fürs Internet Briefing @ Bern ins Kommentarfeld «Lukas Stuber» ein – und schon wirds billiger:

Für einen halben Tag bezahlen Sie so statt 280.- nur 180.-, für einen ganzen Tag 295.- statt 495.-.

Google und die Printmedien

Dienstag, 3. März 2009 | Von: | Kategorie: Google AdWords, Off Topic, Online Marketing | 1 Kommentar

Seit kurzem blendet Google auf news.google.com Textanzeigen ein.

Aha.

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[Screenshot via cnet news]

Auf den ersten Blick nur logisch. Auf den zweiten Blick ists ein weiteres Kapitel der unschönen Geschichte zwischen Verlegern und Google.

Google News ist schon lange Ziel von Verlegerkritik: In Belgien beispielsweise nahm die Sache ein juristisches Ende (und zwar zu Googles Ungunsten); hierzulande wurde der Verband Schweizer Presse zornig, desavouierte sich aber dummerweise selber, da er mit Muskeln spielte, die er gar nicht hat («Google hat Angst vor uns»); und in Deutschland platzte ob diesem Thema kürzlich Hubert Burda der Kragen.

Gratis-Traffic steigert nicht zwingend die Einnahmen

Google kontert jedesmal cool, mit Google News sorge man ja schliesslich für Gratis-Traffic auf den Portalen der Verlage. Völlig richtig – doch zugleich können die Verlage ihren Traffic immer schwerer monetarisieren. Und daran ist, zumindest aus Verlegersicht, eben Google schuld: Während Search Marketing vor allem mit AdWords munter wächst, ist in den USA Display-Werbung, mit der sich die Verlage ihre Online-Mühen refinanzieren wollen, im Jahr 2008 geschrumpft, zum ersten Mal in dieser Dekade. Während man also mit Google News Gratis-Traffic liefert, absorbiert man mit Google AdWords die Gelder, die diesen Traffic erst interessant machen würden.

Burdas Kragenplatzer ist so gesehen völlig berechtigt: Der Erfolg von Googles Werbemodell entzieht den Verlagen die Grundlage, auf der sich online etwas Schlaues machen liesse. Sicher: das liegt eher an der wackligen Grundlage als am bösen Google, das letztlich ja nichts anderes getan hat, als ein hochüberlegenes Online-Marketing-Modell zu entwickeln. Aber diese Grundlage auszutauschen braucht Zeit – und genau die galoppiert den Verlagshäusern angesichts erodierender Werbeeinahmen davon.

Ohne Content kein Google

Bleiben hier die Lösungen aus, sind letztlich nicht nur die Verlage die Leid tragenden. Sondern auch Google selber. Denn wenn die Verlage unter anderem Googles wegen ihre Online-Bemühungen einstellen, gibts weniger Qualitätscontent, den Google aggregieren könnte, worauf Google als Plattform für die User uninteressanter wird. Folge: Die Werbekunden wandern ab, und Google serbelt. Grund des Scheiterns: zu viel Erfolg.

Übertrieben? Vielleicht. Doch auch Google selber stellt ohne Zweifel Überlegungen in diese Richtung an. Das Gerücht, Google wolle die New York Times kaufen, machte bereits die Runde, wurde aber schnell dementiert. Im Zusammenhang mit dem Einstampfen von Google Print Ads aber versprach Google etwa:

«We remain dedicated to working with publishers to develop new ways for them to earn money.» [Quelle]

PPC mal andersrum: Google bezahlt die Verlage pro Klick

Dass jetzt AdWords auf news.google.com laufen, geht eigenartigerweise in die genau entgegengesetzte Richtung. Denn um zu verhindern, dass die Konkurrenz den Google News Traffic kriegt, wird man ihn dort mit AdWords vorsorglich wegkaufen müssen, ohne ein tragfähiges Business-Modell hintendran zu haben.

Da kann auch Google nicht helfen: «I wish I had a brilliant idea, but I don’t», gibt Schmidt zu. Und wenn nichtmal Google was Brilliantes einfällt – wem dann?

Vielleicht könnte Google ja mal sein PPC-Modell auf den Kopf stellen und für jeden Klick, der auf Google News passiert, dem angeklickten Verlagshaus ein paar Rappen bezahlen. Denn wie sagte Eric Schmidt anlässlich der NYT-Gerüchte:

«The good news is [...] we have the cash.»

Media Focus: Online-Werbung neu bei 4%

Donnerstag, 19. Februar 2009 | Von: | Kategorie: Google AdWords, Online Marketing | 1 Kommentar

Zum zweiten Mal publiziert Media Focus dieser Tage den Semester-Report «Online-Werbestatistik» (PDF, ca. 100 KB), der mehr enthält als nur Daten der Display-Werbung: Zahlen zu Suchmaschinen-Werbung, Affiliate Marketing und Classifieds werden ebenfalls präsentiert, basierend auf Expertenschätzungen (ja, auch wir schätzten mit).

Fazit:

  • Online-Werbung legt weiterhin stark zu und beansprucht einen wachsenden Anteil der gesamten Werbausgaben.
  • Wachstumstreiber Nummer 1 bleibt Suchmaschinenmarketing (SEO-Projekte sind da nicht einmal erfasst), das die Lücke zum Display beinah schon geschlossen hat – 2005 war man gerade mal halb so gross…
  • Bei den Classifieds ist das Wachstum regelrecht eingebrochen, vor allem im Bereich Jobs.

Insgesamt ein erfreuliches Bild: Online-Werbung wächst weiterhin prächtig, im letzten Jahr um 28.8%. Wachstumstreiber Nummer 1 ist weiterhin die Suchmaschinen-Werbung mit 55% Zunahme, aber auch Display (+43%) legte kräftig zu. Am anderen Ende des Wachstumsspektrums: Der Job-Rubrikenmarkt (+4%) sowie – was schon eher erstaunt – Affiliate Marketing (+11%).

In absoluten Zahlen:

Media Focus: Online-Trend nach Werbeformen 2008

Noch erfreulicher: Nach dem ersten Halbjahr 2008 entfielen rund 3% des gesamten Schweizer Werbekuchens auf Suchmaschinen-Werbung, Display und Affiliate Marketing – aufs ganze Jahr gerechnet beträgt dieser Wert bereits 4% (Classifieds nicht miteingerechnet):

Media Focus: Anteil der Online-Werbung am Gesamtmarkt

Noch nicht just Europäisches Top-Niveau, aber immerhin. Bestätigt hat sich (hurra) meine Vermutung anlässlich der letzten Ausgabe des Semester-Reports: Die damalige Interpretation der Presse, das Online-Wachstum kühle sich ab, war schlicht falsch. Die Classifieds nicht miteingerechnet, stieg das Wachstum von 31% (2007) auf 46% an (2008):

Media Focus: Online-Werbung - Wachstum pro Jahr und Werbeform

… ausser, man rechnet die Classifieds mit ein: Dann nämlich beträgt das Wachstum tatsächlich nur noch 29% (2007: 43%). Woran mag der Wachstumsrückgang bei den Classifieds liegen? Klar, dass es vor allem die Job-Ausschreibungen erwischt hat (2007: +73%, 2008: +4%!), leuchtet ein. Aber der Rest? Möglich, dass erstens die Gratis-Plattformen und zweitens die Social Networks in diesem Bereich zugelegt haben: Xing beispielsweise soll 2008 mit seiner Jobbörse bereits rund 4 Mio. Euro verdient haben. Nicht rasend viel, aber ein Anzeichen.

Burda: Banner gut, Google böse

Donnerstag, 5. Februar 2009 | Von: | Kategorie: Google AdWords, Online Marketing | 1 Kommentar

Verleger haben es schwer im Internet. Ihre herkömmlichen Werbemodelle begeistern heute niemanden mehr so richtig und werden in erster Linie von den Werbeangeboten Googles verdrängt, an denen die Verleger wiederum kaum etwas mitverdienen können – Google-Werbung ist schlicht zu günstig. Kein Wunder, wirds manchem eng um den Hals:

«Hubert Burda», notierte nämlich Spiegel Online anlässlich der DLD vom vergangenen Januar, «platzte regelrecht der Kragen: “Wir dachten alle, im Web gäbe es ein gutes Werbemodell”, sagte [Burda], “aber es hat nicht geklappt. Google hat alles verändert.”»

Denn aus Verlegersicht, so des Spiegels Einschätzung, «zerstört das Google-Imperium derzeit permanent Werte.»

Wie jetzt? Hat Google sämtlichen Werbekunden den Lauf an die Schläfe gedrückt und Bannerwerbung verboten? Wohl kaum. Stattdessen hat Google mit seinem Werbeprogramm (das Bannerwerbung übrigens auch anbietet, und zwar mit Erfolg) die herkömmliche Bannerwerbung stückweise verdrängt. Und warum? Weil der Markt fand, das Google-Zeugs sei besser.

Wer das lieber bildlich als wörtlich hat, dem mag folgende Grafik der jüngsten Absolit-Studie «Online-Marketing-Trends 2009» dienen:

Absolit-: Studie Online-Marketing-Trends 2009

Banner, so scheint es, machen unglücklich – Werbekunden nicht weniger als Herrn Burda.

Der Ordnung halber: Ja, Bannerwerbung ist je nach Zielsetzung zweifellos eine sinnvolle Sache. Gäbe es sie nicht, müsste man sie erfinden, und in der Tat gibt es ja auch Synergieeffekte zwischen Banner- und Such-Werbung, wie etwa Yahoo! nicht müde wird zu betonen. Den Bedeutungsrückgang der Bannerwerbung allerdings Google statt der Werbeform selber anzulasten – das ist denkfaul.

Google: Frühjahrsputz oder Krise?

Mittwoch, 21. Januar 2009 | Von: | Kategorie: Google AdWords, Google allgemein, Online Marketing | 0 Kommentare

Bei Google gehts gerade rund – oder vielleicht auch im Gegenteil: Die Meldungen von entlassenen Recruiters («Changes to recruiting»), geschlossenen Büros («Changes to engineering») und eingestellten Services überpurzeln sich. Und das – kaum zufällig – im Vorfeld der mit Spannung erwarteten Q4-Zahlen .

Hier die Liste jüngst eingestellter Google Services:

  • Google Catalog Search; stand Pate für den weit ambitionierteren Book Search.
  • Google Mashup Editor; AJAX Development Framework.
  • Dodgeball; ein Mobile Social Network, das seit seiner Akquisition durch Google still verdämmerte.
  • Jaiku; Microblogging-Service (ja, wie Twitter, aber unbekannt). Wird in die Open-Source-Welt verfrachtet und seitens Google nicht mehr weiter entwickelt.
  • Google Video; ab sofort können hier keine Videos mehr hochgeladen werden.
  • Google Notebook ; Surf-Zettelkasten und Social Bookmarking Tool.

Alles Gratis-Tools etwas abseits vom Kerngeschäft, gewiss. Aber manche dieser Tools hätten die User Base vergrössern, andere als Werbeplattform dienen und somit das Kerngeschäft so oder so stärken sollen.

Auch ein Werbeangebot selber hats jetzt erwischt: Google Print Ads, womit Werbekunden Print-Inserate in immerhin rund 800 US-Zeitungen und -Zeitschriften platzieren konnten, wird eingestellt. Hoppla – Google hat den Schritt in die Print-Welt eingestandenermassen nicht hingekriegt. Die Media-Branche wirds erleichtert zur Kenntnis nehmen – ob zu Recht, sei mal dahingestellt: Möglicherweise lag das Scheitern weniger an Google als viel mehr am Print…

Zu hoffen ist, dass all die Entlassungsmeldungen und Service-Stopps morgen Donnerstag nicht auch noch von schlechten Quartalszahlen ergänzt werden. Denn sonst würde das, was Zyniker als Google-Frühjahrsputz bezeichnen könnten, auf einmal als Google-Krise interpretiert. Und darauf könnten manche Werbekunden wiederum psycho- statt logisch reagieren und die weiss Gott überfällige Verlagerung der Werbegelder ins Internet nochmals überdenken.

Und das wäre falsch.

Media Focus: neue Zahlen zur Online-Werbung

Mittwoch, 3. Dezember 2008 | Von: | Kategorie: Google AdWords, Online Marketing | 3 Kommentare

Online-Werbeausgaben wurden bisher in der Schweiz bekanntlich höchst unzulänglich erfasst: beschränkt auf Bannerwerbung sowie ein bloss so ein bisschen repräsentatives Sample.

Dankenswerterweise unternimmt Media Focus nun einen Push, um den Missstand zu beheben: Basierend auf Expertenschätzungen (Full Disclosure: Wir haben mitgeschätzt) liegt erstmals ein Media-Focus-Bericht vor, der die Ausgaben für Online-Werbung in der Schweiz systematisch abzubilden versucht, Classifieds inklusive. Die erste Lieferung zeigt Zahlen von 2005 bis 2007 sowie fürs erste Halbjahr 2008:

media-focus-online-werbung-08-01

Demzufolge lägen also – wie im weiter oben verlinkten Blog Post bereits vermutet – die Ausgaben für Google AdWords und Ähnliches bereits auf Augenhöhe mit den Geldern, die für Display-Werbung ausgegeben werden. Erstaunlich ist das natürlich nicht, bloss hatte sich bislang noch keiner getraut, das in Ziffern hinzuschreiben.

Die Schätzungen laufen letztlich vor allem auf zweierlei hinaus:

Erstens: Selbst ohne Classifieds absorbierte Online-Werbung im ersten Halbjahr 2008 mit 65.5 Mio. CHF ca. 3% der Schweizer Werbebudgets. Immer noch wenig, aber immerhin deutlich mehr als etwa Kino (20.6 Mio.), und knapp vor Radio (64 Mio.):

media-focus-online-werbung-08-01-b

Zweitens: Die Schätzwerde lassen sich so interpretieren, als kühle sich das Wachstum 2008 ab (und die Presse rapportierte – 1, 2, 3 – entsprechend). Rechnet man das erste Halbjahr 2008 aufs ganze Jahr hoch, scheint das auch zu stimmen:

media-focus-online-werbung-08-01-c

Die Zahlen implizieren also, nur gerade Display erfahre 2008 ein gesteigertes Wachstum. Doch damit könnte man falsch liegen: Weihnachten liegt nämlich auch dieses Jahr in der zweiten Jahreshälfte.

Insgesamt aber vermittelt dieser erste Halbjahresbericht mit grosser Wahrscheinlichkeit ein genaueres Bild der Schweizer Online-Werbelandschaft als die bisherigen Versuche.

[Update: Der komplette Bericht zum Runterladen - PDF, ca. 99 KB]


Publicitas und der Feind namens Google

Dienstag, 30. September 2008 | Von: | Kategorie: Google allgemein, Online Marketing | 2 Kommentare

Unter dem Titel «Annäherung an Allmedia, das unbekannte Wesen» berichtete der Klein Report am 24. September vierteilig über das Publicitas Forum 2008 [1, 2, 3, 4].

In Teil 3 der Berichterstattung findet sich ein höchst bemerkenswertes Statement Thomas Bargetzis, CEO/Sales Director Schweiz der Publicitas: Er beruhigt die Mediaagenturen, die angesichts der Allmedia-Strategie der Publicitas mit den Füssen scharren, wie folgt:

«Wir wollen die Mediaagenturen leben lassen», betonte [Bargetzi], «unser gemeinsamer Gegner ist Google.»

Das ist zwar deutlich, aber dennoch schwer zu verstehen.

Erstens einmal verfügt die PubliGroupe mit eprofessional über einen gestandenen Suchmaschinenmarketing-Spezialisten, der sein Geld in allererster Linie mit – wem schon – Google verdient. Dort dürfte man ob solchen Feindschaftsbeteuerungen wenig glücklich sein.

Und zweitens läuft es den Interessen der Werbetreibenden frontal zuwider, wenn sich Mediaagenturen in Opposition zu Google begeben: Die Aufgabe einer Mediaagentur, so zumindest die gängige Auffassung, ist es, «Empfehlungen über die optimale Platzierung von Werbeformaten zu sprechen».

Nun hat sich bekanntlich herumgesprochen, dass so ein Google AdWord eine ziemlich optimale Platzierung darstellt, da effizient, effektiv, günstig, messbar, flexibel und mit Chance auf sehr hohen ROAS. Und da und dort soll es schon geschehen sein, dass auch andere Google-Anzeigenformate erfolgreich eingesetzt wurden.

Im Kern wird wohl genau hier das Problem liegen, weshalb Suchmaschinenmarketing in der Schweiz im Vergleich mit anderen Ländern (man betrachte sich nur mal die IAB-Zahlen) noch immer so rumblümelt: Media Spendings beginnen zaghaft zu Google rüberzuwandern, und prompt erklärt man es zum Feind, statt zu akzeptieren, welch hervorragende Werbemöglichkeiten dort geboten werden – und die Dienstleistungen und Geschäftsmodelle entsprechend zu modifizieren, so dass der Werbetreibende das erhält, worauf er ein Recht hat: Eine Platzierung nämlich, die das Optimum aus seinem Werbefranken herausholt.

 
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