Die jüngste Ausgabe der WOZ samt Google-Beilage war in Neu-Oerlikon nicht gerade einfach zu ergattern (das PDF ausdrucken mochte ich nicht), aber zum Schluss klappte es dann doch.
Zum Glück: Das Google-Spezial «Dein grosser Bruder» ist absolut lesenswert. Das Phänomen Google wird im besten Sinne kritisch aus verschiedenen Winkeln beleuchtet (nicht aus allen: das Thema Klickbetrug etwa bleibt erstaunlicherweise ausgespart). Google als Arbeitgeber, der Einfluss der Suchmaschine aufs Privatleben oder die journalistische Tätigkeit, Ranking-Mechanismen und deren Implikationen, Googles Business-Modell: durchwegs wird selbst Komplexes sauber und unaufgeregt auf den Punkt gebracht. Und Googles Verschwiegenheit wird dort thematisiert, wo es nötig ist, ansonsten zur Kenntnis genommen, ohne darob gleich in Spekulationen oder Leberwurstpolemik zu verfallen, wie das andernorts ab und an geschieht.
Mein Favorit: Das Interview mit Rudi Schmiede, Professor für Soziologie an der TU Darmstadt, der den Unterschied zwischen Wissen und Information elegant darlegt (wobei die zitierte Formel der «Demokratisierung des Wissens» nicht von Google stammt – Google selber spricht stets davon, «die Informationen der Welt zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen» und ist sich des Unterschieds folglich sehr wohl bewusst), und der den Interviewer Roland Fischer im Zusammenhang mit dem Thema Datenschutz und Behavioral Targeting zur bemerkenswerten Feststellung inspiriert:
Wir denken, Google sucht für uns etwas im Netz, doch tatsächlich sucht Google etwas über uns für das Netz.
Und das ist um einiges genauer und weitreichender als das etwas wohlfeile Bild der Datenkrake.
Nur zu einem Thema hätte ich mir von der WOZ mehr erhofft: China, wo sich der Text mit Zensurbeispielen begnügt. Mir will scheinen, es gehe dabei eben gerade nicht um Beispiele, sondern ums Ganze. Die Meinung der WOZ zu Googles Argument, mit dem der dortige Markteintritt begründet wurde (der chinesischen Bevölkerung sei mit einem zensierten Google besser gedient als mit gar keinem; Offizielles hier), hätte mich weit mehr interessiert.
Aber alles in allem und wie eingangs gesagt: wirklich empfehlenswert.