Im Dezember 2007 kündigte Google das Projekt «Knol» an: Eine Plattform, die Wikipedia ähnelt. Die Hauptunterschiede: Erstens weniger Kollaboration, zweitens ist Google AdSense eingebunden. Und an den Klicks verdienen die Autoren mit.
Nach mehr als einem halben Jahr des geschlossenen Betriebs für Eingeladene ist Knol seit gestern für alle offen:
Knol – A unit of knowledge
1 Knol = 1 Wissenseinheit also.
Wie von Google gewohnt ist die Sache ausgesprochen benutzerfreundlich und auf den ersten Blick intuitiver zu bedienen als die (allerdings weitherum eingeübte) Wiki-Plattform. Ein höchst bedeutender Unterschied zu Wikipedia: Beiträge können nicht einfach so editiert werden – der Verfasser muss die Änderungen zuerst freigeben. Ein Mechanismus, der Manipulationen und Wiki-Vandalismus verhindern soll, das kollaborative Element aber stark einschränkt.
Die Autorenschaft verdient mit
Und anders als bei Wikipedia muss die Autorenschaft nicht darben: Statt ehrenamtlich Wissen zu verbreiten, kann man optional bei den eigenen Artikeln Google Ads einblenden lassen und an den Klicks mitverdienen.
Auf den ersten Blick scheint zudem das inhaltliche Konzept weniger lexikalisch als bei Wikipedia zu sein. So finden sich In Knol durchaus auch Editorials (Beispiel: A crisis in leadership) oder private, vom Kontext losgelöste Tipps (Things to do in Singapore), die in Wikipedia vermutlich früher oder später in einen übergeordneten Eintrag überführt würden («Singapore»).
Wie viele Knols bereits existieren, habe ich nicht herausfinden können. Google selber findet derzeit gerade mal rund 750 Pages, Deutschsprachiges ist bisher nicht zu entdecken.
Was macht Google mit den Wikipedia-Listings?
Mal sehen, welche Traktion das entwickelt. Aufgesetzt ist es jedenfalls clever:
- Dank AdSense-Beteiligung haben Autorinnen und Autoren einen erhöhten Publikationsanreiz.
- Das inhaltliche Konzept ist derart offen, dass in kurzer Zeit enorm viel Content zusammenkommen könnte.
- Google schafft sich ein weiteres und potenziell mächtiges Ad Outlet – und verfügt mit der Suchmaschine selber über das ideale Mittel, um Knol rasch mit einer kritischen Traffic-Masse zu versorgen.
Was den letzten Punkt angeht, wird zu verfolgen sein, wie stark einzelne Knols in den SERPs präsent sein werden, und ob das auf Kosten der omnipräsenten Wikipedia-Listings gehen wird.
P.S.: Ich bin sicher, diese eine Zeile auf der Knol-Homepage wird sich nicht lange halten, deshalb sei sie hier der Nachwelt erhalten:

Und das auf einem Google-Service…