Google zeigt PDFs in Google docs an

Freitag, 24. Juli 2009 | Von: | Kategorie: Google allgemein, Suchmaschinenoptimierung | 1 Kommentar

Habe ich da etwas verpasst? Wenn ich in einer Resultateliste von Google ein PDF entdeckte, konnte ich bisher wahlweise eine HTML-Version im Browser betrachten oder das File mit dem Acrobat Reader öffnen.

Neuerdings aber gibts in den meisten, wenn auch nicht in allen Fällen die Option «Anzeigen», mit der man das PDF in der Umgebung von Google docs öffnen kann:

PDFs mittels \

Jenes «Anzeigen» führt dann hierhin:

Medienpolitisches Manifest des Verbands Schweizer Presse als Google doc

Und hier habe ich dann sämtliche Optionen: Runterladen, Ausdrucken oder in die HTML-Ansicht wechseln. Verblüffend auch, wie schnell diese Dokumente auf dem Bildschirm erscheinen.

Praktische Sache. PDFs, die ich via Google finde, werde ich künftig sicher öfter anschauen. Bisher dauerte mir das vielfach zu lange, und die HTML-Ansicht verschränzte die Files sehr oft bis zur Unkenntlichkeit. Und das bedeutet gleichzeitig, dass die Optimierung von PDFs für Suchmaschinen nochmals ein kleines Stückchen wichtiger geworden ist.

Link Building: Bündner, Google und Rassismus

Mittwoch, 10. Juni 2009 | Von: | Kategorie: Google allgemein, Suchmaschinenoptimierung | 3 Kommentare

Link Building ist ein Saukrampf. Und ein vollkommen unverzichtbarer Teil der Suchmaschinenoptimierung: Schliesslich landet – stark abgekürzt ausgedrückt – jener weiter oben bei Google, der über die robustere externe Verlinkung verfügt. Was erlaubt ist und was nicht, ist hingegen unklar: Google selber praktiziert mitunter Methoden, für die es andere bestraft.

Kaum hatte Google eine kritische Grösse erreicht, wurden Links zur Handelsware, und mit immer wieder neuen, mehr oder minder kreativen Methoden versuchen Suchmaschinenoptimierer und Website-Betreiber Links zu generieren.

seo-link-building-chart3

«Link Building 101» (RedAlkemi).

Hierzulande gibt etwa das Bündner Modell derzeit viel zu reden, auf dessen Erfinder begeistert eingedroschen wird – zu begeistert, wie manche finden. Aber wer Links mit irreführenden Behauptungen sammeln will, darf sich über die Haue wohl kaum beklagen.

Android.com: 50’000 zusätzliche Links binnen Stunden

In den USA sind aktuell die Link-Building-Methoden von jemand ganz anderem in der Kritik: Google.

Google?

Google. Denn anlässlich seiner I/O Conference in San Francisco verschenkte Google 500 Android-getriebene HTC Magic an die anwesende Entwicklerschar. Nebst anderen drolligen Folgen führte das (laut Michael Gray von ViralConversations) zu rund 50’000 zusätzlichen Links zu Googles Android-Website, was im hochkompetitiven Telco-Umfeld keine Kleinigkeit ist.

Das Problem dabei: Plattformen, über die Unternehmen Sampling betreiben können, mit deren Hilfe man also nichts anderes machen kann, als Google an seiner I/O Conference getan hat – solche Plattformen also betrachtet Google mit Stirnrunzeln.

Der Service ViralConversations beispielsweise wurde von Google aufgefordert, bei ihren Reviewers nur noch nofollow-Links zuzulassen; das Schweizer Unternehmen Trigami nahm zum selben Thema 2007 proaktiv Stellung, verteidigte zunächst seine Policy, Links ohne nofollow zu tolerieren, rückte aber später davon ab.

Das könnte man dann wohl als Doppelmoral seitens Google bezeichnen: Wenn Google Handys verschenkt, sind die kollateral zustandekommenden Links legitim; wenn andere Unternehmen für derlei eine Agentur bemühen, setzts eine PageRank-Strafe.

Link Building wäre in dieser Sichtweise also dann böse, wenn es von einem Suchmaschinenoptimierer betrieben wird, nicht aber, wenn sich ein Unternehmen selber darum bemüht. Die ansonsten äusserst lesenswerte Lisa Barone verglich diese Haltung in ihrem Zorneseifer gar mit Rassismus.

Widget Baiting: Darf man das jetzt oder nicht?

Weiter zurück liegt der Fall des Mathew Inman: Der Betreiber einer Dating-Plattform schuf kleine, lustige Widgets, die von buchstäblich hunderttausenden Webmastern auf deren eigenen Sites eingebaut wurden und gut sichtbar auf Inmans Dating-Plattform verlinkten. Ein schon etwas kreativerer Ansatz, doch Google schoss Inman ab, wie sich bei SEOmoz nachlesen lässt.

Das ist insofern etwas ironisch, als etwa Google Gadgets genau den gleichen Effekt haben:

google-gadget

Diese Gadget-Links sind keineswegs auf nofollow gesetzt, und bei einer Suche nach [gadgets] nimmt Google unter der Kleinigkeit von 247’000’000 Treffern den – wen wunderts – ersten Platz ein.

Auch hier also scheint nicht mit dem gleichen Massstab gemessen zu werden.

«Google doesn’t think about getting links.»

Gleichzeitig finde ich vollkommen glaubhaft, was Googles Chef-Spam-Jäger Matt Cutts im Zusammenhang mit der Android-Geschichte äusserte:

«The reason people got the free Android phones was because they had paid 2-3k to attend the event and they were the perfect demographic to be developing Android applications. Google wanted the applications developed, not links. Google doesn’t think about getting links.» [via Outspoken media]

Das glaube ich sofort. Und nur nebenbei: Als Google Japan schlankweg Links einkaufte, wurde dessen PageRank manuell herabgestuft. Google muss sich nämlich gar nicht um Links kümmern – die kommen ganz von allein, nämlich immer dann, wenn Google «piep» sagt. Und genau das ist eben nicht so lustig: Googles Services greifen immer weiter aus, geraten in Konkurrenz mit immer mehr Branchen und Unternehmen, und dank seiner Suchmaschine und dessen linkbasiertem Algorithmus hat Google stets von Anfang an einen Wettbewerbsvorteil.

Überspitzt gesagt: Würde Google morgen einen Online-Schuhladen starten, wäre der unter anderem dank unweigerlich starker Verlinkung schnell die Nummer 1. Und das dürfte ein viel grundsätzlicheres Problem darstellen als Googles (angebliche?) Feindseligkeit den SEOs gegenüber.

SearchWiki von Google: «Diese Hinweise weitergeben»

Samstag, 6. Juni 2009 | Von: | Kategorie: Google allgemein | 0 Kommentare

Im November 2008 lancierte Google sein so genanntes «SearchWiki», womit ich als eingeloggter User munter in den Trefferlisten rumfuhrwerken darf (Das lustige Google-Logo rührt übrigens vom Tetris-Geburtstag am 6.6.09 her):

searchwiki-dylan-serp

Soweit ja ganz hübsch – nur wirds kaum genutzt. Beispiele:

  • Ein Keyword wie [ferien] beispielsweise hat bis heute bei Google.ch gerade mal 2 derartige User-Handlungen ausgelöst (1 Listing wurde mal hochgeschoben, ein anderes von einem User gelöscht).
  • Die Trefferliste für [ubs] – immerhin 300’000 Mal pro Monat in der Schweiz gesucht – wurde 23 Mal manipuliert.
  • [air france]: 125 Mal.
  • [twitter] 1’723
  • [google]: 23’526

Das ist angesichts der Google User Base mehr oder weniger null Aktivität. Die Daten sind zudem schwierig zu finden, nämlich via Link am Seitenende:

searchwiki-alle-eintraege

Und derzeit versucht Google, die Sache mit einem neuen Feature zu boosten. User können nämlich einen Permalink auf die von ihnen manipulierte Trefferliste generieren und verschicken:

searchwiki-hinweise

Das sieht dann so aus.

Ich sehe offen gesagt den Anwendungsfall nicht. Damit liessen sich ja allenfalls Tipps für spezifische Websites weiterreichen – doch dafür habe ich andere Möglichkeiten (delicious.com, Blog Roll, was auch immer). Warum ich eine SERP weiterreichen sollte, wüsste ich jetzt wirklich nicht zu sagen.

Möglicherweise handelt es sich bloss um einen Test, denn unter Google.com finde ich es nicht, und viel Resonanz gabs bisher auch nicht.

Auch mit dieser Erweiterung: Den richtigen Dreh, Google-Suche und Mitmach-Web zu verknüpfen, hat Google wohl noch nicht gefunden.

Google Suggest: Schon jetzt ein bedeutender Traffic-Faktor

Donnerstag, 4. Juni 2009 | Von: | Kategorie: Google AdWords, Google allgemein, Suchmaschinenoptimierung | 3 Kommentare

Im April 2009 lancierte Google «Google Suggest» endlich auch in der Schweiz. Seither kriegen User, die Google.ch nutzen, gleich beim Eintippen laufend verfeinerte Suchvorschläge eingeblendet:

google-suggest

Praktische Sache. Bei Website-Marketing drüben kündigte ich vollmundig an, wir würden die Sache mal testen. Zu vollmundig, wie ich jetzt zugeben muss: Die Messung mit Google Analytics ist zwar problemlos zu bewerkstelligen (mehr dazu etwa beim SEO Punk), aber die Aussagekraft der Daten ist aus verschiedenen Gründen limitiert:

1. Wenn jemand direkt in der SERP selber das Suchfeld nutzt, gibts keine Suggestions:

    google-serp-no-suggest

    2. Suchabfragen etwa mittels Google Toolbar oder Firefox-Suchfeld generieren zwar auch Vorschläge, aber erstens andere, und zweitens nur in Ausnahmefällen solche, die Google Analytics messen kann:

      google-toolbar-search-no-suggest

      3. Verwendet jemand Google Suggest, klickt aber nicht auf mein Listing, kriege ich das gar nicht erst mit.

        Das heisst: Unser Messlauf (anhand eines Schweizer Online Shops durchgeführt) liefert letztlich eine Minimalaussage. Doch die hats bereits in sich:

        Mindestens 13% aller Organic-Klicks laufen heute bereits über Google Suggest.

        google-suggest-yes-or-no

        Ein Drittel aller User, die wir messen konnten, hatten also eine Suggestion vor sich, und davon nutzten 40% einen der Vorschläge, anstatt ihre Suche selber fertigzutippen.

        Und das übrigens in begrifflich sehr grosser Breite: Via Suggest kamen in 7 Tagen 2’023 Klicks für 1’256 unterschiedliche Keywords zusammen.

        Wenig erstaunlich ist, dass die zuoberst eingeblendeten Suggestions am meisten Traffic generieren:

        google-suggest-positione

        Selbst eingedenk aller Messbeschränkungen zeigt sich jedenfalls: Google Suggest ist auf Anhieb ein bedeutender Traffic-Faktor. Und das hat Implikationen fürs Suchmaschinenmarketing:

        • Schlägt Google Begriffe vor, die für mich relevant wären?
        • Bin ich dafür in den Organic Listings sichtbar?
        • Bin ich dafür mit einem AdWord sichtbar?

        Was für den User eine bequeme Hilfe darstellt, bietet einem Unternehmen also eine neue und potenziell wertvolle Datenquelle für die begriffliche Optimierung sowohl der AdWords-Kampagne als auch des Website-Contents.

        So. Und ab heute messen wir zusätzlich noch folgendes:

        • Wie viele Klicks liefert Google Suggest für AdWords?
        • Wie konvertieren Suggest-Klicks im Vergleich zu den übrigen Google-Klicks?

        Ergebnisse gibts dann in einer Woche.

        Harvard-Prof: Google Chrome is evil

        Donnerstag, 14. Mai 2009 | Von: | Kategorie: Google allgemein | 1 Kommentar

        Ben Edelman, unermüdlicher und mit Harvard-Weihen versehener Kämpfer gegen unsaubere Praktiken im Internet, hat wieder zugeschlagen: Im April 2006 erregte er mit einem Frontalangriff gegen Yahoo! erstmals weltweit Aufsehen, jetzt hat er eine Attacke unter anderem gegen Googles Browser namens Chrome lanciert.

        Edelmans steile These: Mit der sogenannten Omnibox-Funktion von Google Chrome, die URL-Zeile und Suchfeld in einem darstellt, dränge sich Google zwischen User und Websites, kassiere damit potenziell mehr Werbegelder und blase die Effektivität seines AdWords-Programms künstlich auf, was letztlich zu ungerechtfertigten Investitionen in Google AdWords führe:

        Benjamin Edelman: How Google and Its Partners Inflate Measured Conversion Rates and Increase Advertisers’ Costs

        Knackig, medial dankbar aufgenommen («Google bescheisst» zieht immer), und alles in allem derart falsch, dass nicht einmal das Gegenteil stimmt. Denn Edelmans Beweisstück sieht so aus (mehr hat er nicht zu bieten, ich schwörs):

        chrome-expedia-051209-1-markup

        Erstaunlich, wie viele Fehlinformationen in einem so kleinen Screenshot untergebracht werden können.

        Erstens: Der Default ist keiner

        «Search Google for expedia» (Edelmans Kernfund) wird von der Omnibox nur dann zuerst angeboten, wenn ich die Expedia-Website noch nie besucht habe. Existiert expedia.com in meiner Browser History, wird der Link zu www.expedia.com als erstes aufgelistet.

        Vielleicht löscht Edelman regelmässig seine History, weshalb er das nicht weiss, oder aber er hat es – horribile dictu – schlicht nicht überprüft. Und offenbar weiss er auch nicht, dass der User die Suchmaschine, die Google via Omnibox anbietet, frei wählen kann.

        Zweitens: User wollen sich auch über Brands informieren

        Wenn ich «expedia» einzutippen beginne, ist noch überhaupt nicht gesagt, dass ich die Website besuchen will. Vielleicht interessieren mich ja Erfahrungsberichte oder Ähnliches.

        Nach unseren Messungen klicken fallweise bis zu 40% aller User nach einer Brand-Suche weder aufs Organic Listing noch aufs AdWord – offenbar liegen oft andere Interessen vor.

        Drittens: Die Error Page ist eine Help Page

        Der zweite in Edelmans Screenshot aufgeführte Link («expedia/») liefert folgenden DNS-Error:

        expedia-ups

        Da liesse sich nun tatsächlich fragen, weshalb Google via Omnibox diese Möglichkeit pusht: Im Grunde handelt es sich hier nur um einen Zusammenzug der ersten und dritten Option in Edelmans Screenshot. Nur lässt sich angesichts der Grössenverhältnisse zwischen dem Link zu Expedia und der dazu passenden Google-Suche kaum behaupten, dass einem die Suche aufgedrängt würde; ausserdem lässt sich das in den Chrome-Optionen deaktivieren.

        Viertens: Zahlen?

        Edelman liefert keinerlei Zahlen, die seine These stützen könnten. Unsere – statistisch nicht signifikanten – Messungen für die Chrome-Nutzung 2009 in der Schweiz zeigen jedenfalls ein anderes Bild:

        • 0.7% Marktanteil von Google Chrome
        • 0.2% aller AdWords-Klicks via Google Chrome
        • 0.1% aller Klicks auf Branded AdWords via Google Chrome

        Chrome User klicken also erstens viel seltener auf AdWords als andere, und zweitens praktisch nie auf Branded AdWords. Mit anderen Worten: Gerade Chrome User machen fast nie das, was Edelman Google als Absicht unterstellt.

        Zugegeben, das könnte sich ändern, falls Chrome Marktanteil gewänne: Derzeit sind Chrome User wohl noch überdurchschnittlich tech savvy und werberesistent. Aber vorderhand stimmen Edelmans Argumente auch zahlenseitig kaum.

        Diskutabel: Google behält immer mehr Traffic bei sich

        Dass ein derart schlampig recherchiertes Aufsätzchen zum Harvard-Report mutiert und als professorale Weisheit in den Medien rumgeboten wird, ist ärgerlich. Denn in der Tat läge hintendran eine wichtige Diskussion: Eine wachsende Zahl von Google Services und -Features sorgt dafür, dass Google anderen Websites Page Views entzieht; Omnibox, Google Suggest, Google News, Search Box, Sitelinks oder das angekündigte Google Squared ermöglichen entweder zielgerichteteres Navigieren oder machen ein Weitersurfen überflüssig und reduzieren somit die potenzielle Zahl von Page Views. Und das hat selbstverständlich Folgen für die Refinanzierungsmodelle vieler Websites, die ihren Werbekunden die Page Views verkaufen.

        Da aber die User Experience – Googles heilige Kuh – dadurch meines Erachtens wirklich nur gewinnt, liegt das Problem wohl weniger bei Google als vielmehr bei einblendungsbasierten Refinanzierungsmodellen. Und bei dieser Diskussion helfen Screenshots mit bestenfalls halbwahren Sprachblasenbehauptungen wenig.

        Die wahren Übeltäter lauern im Content-Netzwerk

        Durchaus überzeugender scheinen mir Edelmans Vorwürfe an verschiedene Google-Partner im Content-Netzwerk zu sein: Was da mit Toolbars und AdSense-Schleudern alles angestellt wird, geht auf keine Kuhhaut. Bloss: Das ist altbekannt, und Edelman bietet nichts Neues.

        Über diese Tricksereien im AdSense-Bereich mehr zu erfahren, Zahlen und auch eine umfassende Darstellung zu kriegen, weshalb Google im Content-Netzwerk derart viel Blödsinn toleriert (den ich als Werbekunde übrigens einigermassen problemlos unterbinden kann) – das wäre spannend gewesen.

        Schade drum.

        Google und der Datenschutz

        Freitag, 24. April 2009 | Von: | Kategorie: Google allgemein, Off Topic | 3 Kommentare

        Die Printmedien haben den Begriff der «Datenkrake Google» prima verankert (eins, zwei, drei). Selbst der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte verwendet ihn. Dabei ist das Thema schlicht zu bedeutend, als dass man es mit so monströsen Begriffen erwürgen dürfte.

        [UPDATE, 7.5.2009: Der Datenschutzbeauftragte hat geantwortet]

        Wann immer bei Referaten oder Schulungen die Frage gestellt wird, was denn von diesem Datenkraken-Vorwurf zu halten sei (gerade kürzlich wieder passiert, deshalb komme ich darauf), gebe ich ein paar beruhigende Geräusche von mir und verweise abschliessend darauf, wer «Datenkrake» schreie, gebe in der Regel via Facebook viel Bedenklicheres preis, ganz ohne Privacy-Ängste.

        Das Argument ist immer ein Winner: Die Zuhörerschaft schmunzelt zustimmend, und man kann flott zur nächsten Frage übergehen. Aber es ist – ich gebs zu – gar nicht von mir (von Google schon gar nicht), sondern bloss denkfaul nachgeplappert. Als ichs das letzte Mal gebracht hatte, setzte plötzlich – davor ist man ja nie ganz gefeit – ein Denkprozess ein, an dessen Ende die Diagnose stand: Dieser Facebook-Verweis ist eigentlich billig und zynisch.

        Denn Google sammelt Daten im grossen Stil, schafft damit unausweichlich Gefahren, und diesen Gefahren müssen Google und Gesetzgeber Rechnung tragen. Punkt. Ob ich meinen nackten Hintern in Facebook zu präsentieren beliebe oder nicht, ändert daran nicht das geringste. Dazu kommt – und darin liegt der Zynismus des Facebook-Arguments – dass ich immer noch selber entscheiden kann, wie blöd ich mich auf Facebook gebärden will; was aber Google mit meinen Such-, Mail-, AdWords-, Traffic- und anderen Daten anstellt, ist meiner Entscheidung weitgehend enthoben.

        Googolopoly board 500px

        Die Krakenangst generiert auch Kreativität: «Googolopoly», das herunterladbare Brettspiel von box.net.

        Die beliebtesten Schreckensszenarien lassen sich problemlos googlen und sollen hier nicht aufgewärmt werden, aber die reine Menge von Google Services (der Google Services Guide nennt nicht weniger als 126) sowie die damit generierbaren Daten (SEOmoz hat im Juni 2008 die Sache mal auf 9 A4-Seiten aufgelistet) sind beeindruckend.

        Google ist nicht böse – reicht das?

        Dabei soll nicht jenen das Wort geredet werden, die Google für grundsätzlich böse halten. Das tue ich keineswegs. Aber ich finde, die gängigen Argumente, weshalb von Google keine Gefahr ausgehe, schaden der Datenschutzdiskussion nicht weniger als der pauschale Krakenvorwurf. Und zwar weil sie zu kurz greifen.

        Erstens: «Google muss sich an Gesetze halten.»

        Gewiss – und zwar an jene des jeweiligen Landes: Im Internet gilt das Prinzip der Territorialität. Aus der Schweiz heraus lässt sichs da bequem argumentieren: Wir geniessen den Schutz eines Rechtsstaats. Der ist aber nicht gegeben, sondern eine historisch gesehen blutjunge Errungenschaft, in deren Genuss zudem nur ein Teil der Erdbevölkerung kommt. In China beispielsweise hat ein Google-Konkurrent durchaus schon mal mithelfen müssen, einen Dissidenten zu enttarnen und ins Gefängnis zu bringen, Privacy Policy hin oder her.

        Der Verweis auf die Gesetze ist deshalb nur so gut wie die Gesetze (und deren Einhaltung) selber.

        Zweitens: «Google hat kein unternehmerisches Interesse daran, mit den Daten Schindluder zu treiben.»

        Stimmt, hat es nicht: Datenschindluderei würde zu Vertrauens-, User- und Umsatzverlust führen, was in einer Branche, bei der die Konkurrenz gerade mal einen Klick entfernt ist, ziemlich schnell gehen kann.

        Dennoch ist dieses Argument nicht wirklich beruhigend:

        • Es soll durchaus schon vorgekommen sein, dass Unternehmen Entscheidungen getroffen haben, die nicht in ihrem Interesse lagen, sondern im Gegenteil. Nur weil etwas dumm ist, wirds noch lange nicht vermieden.
        • Datenschindluderei kann geschehen, ohne dass die Öffentlichkeit davon etwas mitkriegt. Kleines, rein spekulatives und zufälliges Beispiel: Google steigt dieser Tage ins Venture-Capital-Geschäft ein und holt sich so einen Interessenskonflikt mit dem Kerngeschäft ins Haus. Soweit die Fakten. Spekulation: Wer würde es schon bemerken, wenn die von Google Venture mitfinanzierten Unternehmen vom Ranking-Algorithmus bevorzugt würden oder Business-Daten der Konkurrenz – etwa aus Google Analytics extrahiert – unter dem Tisch rübergereicht erhielten? Ich glaube nicht, dass Google das tun wird. Aber ich weiss, dass es grundsätzlich möglich und kaum zu kontrollieren wäre.

        Drittens: «Wer nichts Unrechtes tut, hat sowieso nichts zu befürchten.»

        Ein oft gehörtes und zweifellos strohdummes Argument. Erstens stimmt auch das nur im Rahmen eines Rechtsstaats einigermassen, der nach demokratischen Prinzipien festlegt, was Recht und Unrecht sei; zweitens verneint dieses Argument das Recht auf Privatsphäre und somit ein zentrales Element just jener Rechtsstaatlichkeit, auf der es überhaupt erst fusst; und drittens können Unternehmen und Individuen mittels Datenmissbrauch selbstverständlich übervorteilt werden, ohne ein Unrecht begangen haben zu müssen.

        Datensammlungen verbessern das Web

        Letztlich kann man den Begriff der Datenkrake zwar für übertrieben polemisch halten, aber am Sachverhalt ändert das nichts: Google verfügt über einen Datenschatz, mit dem irgendein Dr. Evil so mancherlei anzustellen wüsste.

        Gleichzeitig ist es ohne Zweifel so, dass Google das Web zu einem besseren Ort gemacht hat – gerade dank der Datensammlerei. Und das weist darauf hin, dass die Gefahr strukturell bedingt und nicht von Google geschaffen ist: Das Internet funktioniert nunmal bedeutend besser, wenn ich andere Unternehmen mit meinen Daten arbeiten lasse. Besorgte User und Firmen stehen somit vor einer Alternative, die keine ist: Entweder überantworten sie Daten in mehr oder minder grossem Ausmass Dritten wie Google und hoffen, dass dank Gesetzen, Datenschutzbestimmungen und Unternehmensinteressen nichts schiefgeht – oder sie verzichten aufs Internet, was aber gar nicht mehr möglich ist.

        Die Angst vor der Datenkrake lässt sich also nicht wegargumentieren, mit Facebook-Verweisen schon gar nicht. Den einzigen Schutz vor Missbrauch dürften in der Tat die Gesetzgebung und die demokratisch zu legitimierende, aber schwer zu bewerkstelligende Kontrolle bieten. Doch da die Gesetzgebung stets nur reagieren kann und der entsprechende Time Lag in einem so dynamischen Gebiet wie dem Internet gross sein muss, hechelt der Gesetzgeber stets hinter der Realität her: Im Vergleich mit dem Internet rennt der Gesetzgeber auf einem Bein.

        EDÖB: Liegt die Verantwortung beim User?

        Interessant ist auch, was der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) kürzlich auf seiner Website publiziert hat: Unter dem Titel «Informationen und Tipps zum Umgang mit Suchmaschinen» finden sich die wichtigsten allgemeinen Richtlinien, die es beim Umgang mit Suchmaschinen zu beachten gilt, wenn man sich von vornherein ein bisschen schützen möchte. Was aber nicht auf der Website steht: wie die Eidgenossenschaft sicherstellt, dass der Datenmissbrauch unterbleibt. Auch hier also, im Rahmen amtlicher Publikationen, scheint man die Verantwortung in erster Linie beim User zu platzieren – und folgt damit dem Muster des Facebook-Arguments.

        Per Kontaktformular fragte ich den EDÖB (der im Zusammenhang mit Google Street View nicht überall gut weggekommen ist), wie ers mit Google denn so halte. Eine Antwort steht bislang aus. Falls sie folgt, werde ich sie gerne nachliefern. Die Antwort findet sich in den Kommentaren [EDIT, 7.5.2009].

        Ich befürchte aber, dass mans drehen und wenden kann wie man will: Ganz zuletzt reduziert sich die Frage wohl auf ein moralisches Konzept, das schon beim Start des Web 1.0 uralt war (solche Dinge gibts), sich nur zu oft als total unzuverlässig erwiesen hat, und von dem man bloss hoffen kann, dass es Google («Don’t be evil») anwendet:

        Anstand.

        Google Profile: Lassen Sie sich anschauen

        Mittwoch, 22. April 2009 | Von: | Kategorie: Google allgemein, Suchmaschinenoptimierung | 0 Kommentare

        «When I look at the television I wanna see me staring right back at me» sangen die Counting Crows 1994. Im Internet, das damals noch nicht so in Schwung gekommen war, kann man sich dieses Erlebnis problemlos selber bereiten.

        Neuerdings auch bei Google: Wer sich ein Google Profile einrichtet und nach sich selber sucht, darf sein Bildli am unteren Rand der Trefferliste angucken (funktioniert erst in Google.com):

        Google Profiles in der Trefferliste

        Die Links, die man im Profil platzieren darf, sind übrigens nicht auf nofollow gesetzt. Mal schauen, wie schnell die internationale SEO-Schurkenbande die Sache zupflastert. Zudem findet keine Validierung meiner Daten statt, da wird man künftig wohl noch ein paar Dinge von falschen Profilen vernehmen, wie das ja auch in Social Networks immer wieder geschieht. Ich frage mich, was passiert, wenn irgendein fieser Kerl meine Identität klaut, und ob das bereitgestellte Formular («Report this profile») dann wirklich hilft. Und ich frage mich auch was geschähe, wenn ich selber ein anderes Profil in böswilliger Absicht melden und der «Impersonation» bezichtigen würde.

        Upside: Google Profiles geben dem Einzelnen eine leicht erhöhte Kontrolle darüber, welchen Eindruck man via Google erweckt – den letzten Eintrag auf Seite 1 kann ich jetzt immerhin ganz allein definieren.

        Die Google Sitelinks haben Nachwuchs gekriegt

        Samstag, 18. April 2009 | Von: | Kategorie: Google allgemein, Suchmaschinenoptimierung | 0 Kommentare

        Bei einem sogenannten «Navigational Search» – wozu vor allem die Suche nach konkreten Brands gehört – blendet Google in vielen Fällen und seit längerem die sogenannten Sitelinks ein, jene Deep Links, die dem User beim Ansteuern der gesuchten Inhalte einer Website unter Umständen Umwege ersparen:

        SBB: Beispiel für Sitelinks

        Generiert werden diese Sitelinks (die ich nicht mehr missen möchte) automatisch, basierend vor allem auf interner und externer Verlinkung. Deshalb kann nicht auf Knopfdruck bestimmt werden, wie die Sitelinks inhaltlich aussehen sollen. Man kann bloss nachträglich Sitelinks entfernen, und zwar in den Google Webmaster Tools:

        Sitelinks blockieren mit Google Webmaster Tools

        Soweit, so bekannt.

        Jetzt hat Google das Konzept ausgeweitet und blendet fallweise auch sogenannte «One-Line-Sitelinks» ein:

        One-Line Sitelinks (Beispiel: lastminute reisen)

        Die Suchabfrage lautete hier: «lastminute reisen» – also so ziemlich das Gegenteil eines Navigational Search. Stellt sich die Frage: Welche Websites kommen in den Genuss jener One-Liner? Und bei welchen Suchabfragen wird das eingesetzt? Antwort: Keine Ahnung. Zufällige Testabfragen führen zu den unterschiedlichsten Ergebnissen, und fallweise kriegt Platz 1 keine One-Liner (obwohl der Brand selber Sitelinks hat), die Plätze 2 und 3 dann aber schon. Der Grund scheint darin zu liegen, dass nur die Listung von Homepages mit One-Line Sitelinks verziert werden.

        Wie die One-Liner inhaltlich definiert werden, ist hingegen simpel: Es werden jeweils die 3 oder 4 ersten Sitelinks verwendet, die bei der Suche nach dem entsprechenden Brand auch aufgetaucht wären:

        Wie aus Sitelinks One-Line-Sitelinks werden Beispiel Mobiliar)

        Und das heisst: Mit der konkreten Suchabfrage haben diese One-Liner eigentlich gar nichts zu tun. Ob das die User Experience wirklich verbessert? Und die Darstellung finde ich in der jetzigen Form ein bisschen gar sardinenbüchsenhaft.

        Separat verwalten kann man die One-Liner übrigens (noch) nicht, sagt der offizielle Blog-Eintrag bei Google.

        Studie: Grossfirmen machen in Google eine schlechte Falle

        Mittwoch, 8. April 2009 | Von: | Kategorie: Google allgemein, Suchmaschinenoptimierung | 0 Kommentare

        Brands gehören zu den meistgesuchten Begriffen in Google überhaupt: Sei es aus Navigationsfaulheit, aus Adressunsicherheit («Wie lautet die URL von Kühne & Nagel schon wieder?») oder aus Informationsbedürfnis: User tippen Brands in grosser Zahl in Google ein – oftmals sogar häufiger als generische Begriffe:

        Brands-Suchpopularität

        Grund genug also, seinem Erscheinungsbild in Google ausreichend Pflege angedeihen zu lassen. Doch das geschieht bloss selten – man vergleiche nur mal die Einträge der Roche-Gruppe und von Jelmoli:

        Brands-Roche-Jelmoli

        Im Rahmen einer Studie haben wir nun untersucht, wie sich die 100 grössten Schweizer Unternehmen in Google präsentieren und haben dabei eine ganze Reihe von Kriterien überprüft und bewertet:

        Das Ergebnis ist einigermassen ernüchternd:

        • 4 der 100 grössten Schweizer Unternehmen tauchen bei der Suche nach ihrem Brand nicht einmal auf Platz 1 auf.
        • 6 Unternehmen erwähnen ihren Brand im Pagetitle nicht (s. obiges Roche-Beispiel).
        • 10 Unternehmen geben sich damit zufrieden, dass ihre Trefferbeschreibung aus dritter Quelle stammt (nämlich DMOZ) statt von ihnen selber.
        • Nur gerade 13 Unternehmen ergreifen die Gelegenheit, ihren Brand zusätzlich via AdWord zu positionieren.
        • 66 Unternehmen liefern in der Trefferüberschrift keinerlei Informationen zu ihren Dienstleistungen und Angeboten.
        • 32 Unternehmens-Websites weisen eine so unklare Struktur auf, dass Google keine Sitelinks definieren kann.

        Testsieger: Die Basler Kantonalbank.

        Brand-BLKB

        Testverlierer: Die Banca della Svizzera Italiana (wer findet sie im folgenden Screenshot?).

        Brand-BSI

        Die Zusammenfassung der Studie lässt sich kostenlos herunterladen, die Vollversion kann zum Preis von CHF 150.- plus MWST. bezogen werden.

        Und als kleiner Sneak-A-Peek hier noch die dazugehörige Präsentation:

        Google bestraft Google

        Donnerstag, 12. Februar 2009 | Von: | Kategorie: Google allgemein | 1 Kommentar

        Google hat seine japanische Website, Google.jp.co, abgestraft und deren PageRank von 9 auf 5 zurückgestuft. Das liess Matt Cutts via Twitter verlauten. Grund für die Strafaktion: Google Japan hatte via CyberBuzz, eine Art Japanisches Trigami, Blog Posts – und somit Links – eingekauft.

        Google Japan: PageRank 5

        Auf den ersten, zentraleuropäischen Blick wirkt das etwas selbstreferentiell: Verliert Google jetzt Google-Traffic? Auf den zweiten Blick hingegen siehts etwas anders aus: In Japan heisst der Marktführer Yahoo. Also unternimmt Google dort Marketing-Anstrengungen, die etwa hierzulande überflüssig sind.

        Aber warum die öffentliche Selbstgeisselung mittels PageRank-Abwertung? Hätte ein simples Sorry nicht genügt? Oder, wenn wir schon dabei sind, ist nicht schon das Sorry übertrieben? Denn grundsätzlich ist es doch völlig ok, seine Website im Internet bezahlterweise zu promoten, oder nicht?

        Eben nicht immer. Google hat den Linkkauf nämlich verboten – was nachvollziehbar und begründet ist, aber den schalen Beigeschmack hat, dass Google damit dem Rest der Welt vorschreibt, welche Geschäftsmodelle im Internet ok sind und welche nicht. Zwar mag man jetzt begrüssen, dass Google eigene Standards auf sich selber anwendet; gleichzeitig aber würde man sich wünschen, Google würde diese Standards vorrangig auf andere anwenden. Dort hätte die Sache nämlich Wirkung.

        Ob aber Google Japan einen PageRank von 5, 9 oder Pi hat, spielt nun wirklich keine Rolle.

         
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