Gratis in Google dank Yellow Publishing Ltd.?

Freitag, 12. März 2010 | Von: Lukas Stuber | Kategorie: Google allgemein, Off Topic, Online Marketing | 0 Kommentare

Ich kann mich noch gut an die Wochen nach der Gründung unserer Firma erinnern: Stapelweise schleppte der Pöstler Einzahlungsscheine von Verzeichnisschwindlern an, die mit handelsregisterartigem Anstrich von unserem jungunternehmerischen Drive zu profitieren trachteten.

Im Internet gibts das natürlich auch. Hier wollen die Schelme allerdings nicht mit dem Handelsregister verwechselt werden. Sondern mit Google. Besonders hartnäckig: Die Yellow Publishing Ltd. Eine Website führen die Leute nicht, aber sie schicken uns  – und nicht nur uns – mit schöner Regelmässigkeit ein Fax mit einem tollen Angebot:

«Datenmeldung an www.google.ch». Beizeile: «Ohne zusätzliche Kosten für registrierte Unternehmen.»

Yellow Publishing Ltd.: Datenmeldung an www.google.ch

Nun gut, ein Eintrag bei Google kostet zwar sowieso nix, aber dafür beschert mir das Fax auch kaum Arbeit: Ich muss bloss meine Unternehmensdaten sowie die Suchbegriffe eintragen, mit denen ich gefunden werden will. Nur: Mit jenen Suchbegriffen werde ich anschliessend nicht unbedingt bei Google gefunden, aber dafür im bekannten und beliebten Verzeichnis namens made-in.cc. Und das kostet im Unterschied zum Google-Eintrag happig Geld: CHF 2’136.-, mindestens.

Zwar suggerieren sowohl die oben zitierte Beizeile als auch ein fettgedrucktes «kostenfreie Zusatzleistung» im kleingedruckten Lead (wo keineswegs fett auch steht: «Diese Anmeldung ist kein Angebot der Google Inc.»), die Dienstleistung sei gratis. Doch ganz unten, in einem grossen Textblock mit vielen kleinen Buchstaben, verbirgt sich folgende Information:

Yellow Publishing Ltd.: Das Kleingedruckte

«[Das Unternehmen] (…) erteilt hiermit den Auftrag zur Weitergabe der relevanten Informationen an Google und zur Eintragung dieser Daten in das Online-Branchenverzeichnis www.made-in.cc.» Und weiter: «[Die Eintragung] erfolgt für eine fest vereinbarte Vertragslaufzeit von 2 Jahren zu einer Gebühr von SFR 89.- per Monat. (…)».

Vielen Dank auch. Die beiden Tausender bezahle ich also für den Eintrag in made-in.cc. Dessen Claim lautet «for transparency», und die potemkin’sche Website macht sogar was her. Der Google-Eintrag hingegen, der ist tatsächlich gratis. Also ganz so wie versprochen. Man muss bloss richtig lesen.

Wie justiziabel sowas ist, weiss ich nicht, aber immerhin verurteilte das Bundesgericht letzten Oktober eine geistige Schwester der Yellow Publishing Ltd.

Directories übrigens hat dankenswerterweise eine Liste von bekannten Adressbuchschwindlern publiziert, Yellow Publishing Ltd. inklusive – und in deren Fall prüfe Google, gab Sprecher Matthias Graf vergangenen Januar zu Protokoll, rechtliche Schritte.

Googles Geschäftsmodell ist illegal, sagt der NDR

Mittwoch, 3. März 2010 | Von: Lukas Stuber | Kategorie: Google AdWords, Google allgemein | 1 Kommentar

Vorgestern Montag wurde die CeBIT in Hannover eröffnet, und zwar gleich mit einem Rekord: So wenige Aussteller gabs seit 20 Jahren nicht mehr. Für Aufsehen sorgt aber ein prominenter CeBIT-Debütant: Google.

Die Messeleitung feiert die Anwesenheit der Suchmaschine als Erfolg, Holger Ohmstedt vom Norddeutschen Rundfunk hingegen gerät darob in Rage:

«tagesthemen» vom 1. März 2010: Eröffnung der CeBIT – Der Kommentar

Nach ca. 3 Sekunden entfährt Ohmstedt schon das Wort «Datenkrake», von da an gehts steil bergab: Zu Google Books und Google Street View gibts ein paar via Copy/Paste ergatterte Halbwahrheiten (Urheberrecht, Privatsphäre) zu hören, und den Schlusssatz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:

«In Hannover lässt sich also eine Firma feiern, deren Geschäftsmodell es ist, sich über geltendes Recht hinwegzusetzen.»

Moment – wie jetzt? Googles Geschäftsmodell ist es, Suchresultate mit relevanter Werbung zu ergänzen, was legal ist. Allenfalls können mittels Google Street View und Google Books via Werbung monetarisierbare Inhalte generiert werden, und falls «Books» oder «Street View» geltendes Recht verletzen sollten, dann würde das Geschäftsmodell zum Teil auf illegalem Tun basieren. Und dann wirds eine Sache der Gerichte. Bis dahin aber gilt schön brav die Unschuldsvermutung, auch für öffentlich-rechtliche Kommentatoren.

Eingescannte Bücher, fotografisch festgehaltene Strassenzüge, freiwillig preisgegebene Geo-Daten etc. etc. – all das gibts, und all das entfaltet im Internet Kräfte, die noch keiner so richtig einzuschätzen vermag. Simplifizierendes Google Bashing hilft da aber nicht weiter, sondern im Gegenteil: Was plump kritisiert wird, gewinnt an Immunität. Und just das darf nicht passieren.

[Update: Was «The Onion» zum selben Thema liefert, hat da schon weit mehr Substanz; via Netzwoche]

Über 50 Links pro Suchabfrage – Google übertreibt

Dienstag, 15. Dezember 2009 | Von: Lukas Stuber | Kategorie: Google allgemein | 1 Kommentar

In der Einleitung zum letzten Blog Post («Personalisierte Suche») tönte ich es verzweifelt an: Google lanciert derzeit so viele Neuerungen, dass man schon nur als Experte kaum mehr mitkommt. Die Frage ist: Wie kommen die User damit zurecht?

Wie eine Google-Trefferliste, im Fachjargon SERP genannt, zu lesen ist, habe ich mir über die Jahre hinweg angeeignet. Ich bin einigermassen in der Lage, anhand von Trefferüberschrift, -beschreibung und -URL zu entscheiden, wie relevant ein Resultat für meine Suchabfrage ist, und ob ich den Treffer anklicken will. Daran änderte auch der «Universal» oder «Blended Search» nichts, der im Mai 2007 eingeführt wurde – im Gegenteil: Bilder, Videos, Blogs u.v.m. wurden souverän eingebaut und bereicherten die Trefferlisten enorm.

Jetzt aber hat mir Google meine SERP binnen Wochen fast ein bisschen weggenommen. Wurden Trefferlisten früher als «10 blue links» apostrophiert, packt Google heute pro Suchabfrage mehr als 50 Links auf eine einzige Page, die Google-eigenen Service Links nicht einmal mit eingerechnet. Und das ist zu viel: Google liefert heute keine Trefferlisten mehr, sondern fast schon Portale.

Wohlgemerkt: Fast alle der Neuerungen begrüsse ich und finde sie sinnvoll. Ich würde sie umso freudiger begrüssen, wenn sie optional wären, und nicht integraler Bestandteil. Ich stelle nämlich fest, dass ich die Google-SERPs derzeit misstrauisch betrachte und nicht mehr sicher bin, ob meine längst ins Rückenmark gewanderten Entscheidungskriterien pro oder contra Klick noch etwas taugen. Ich bin quasi daran, Google neu zu erlernen, und zwar murrend, womit ich offenbar nicht allein bin.

Hier deshalb mal ein kleiner Überblick inklusive Datumsangaben – verglichen mit dem gemächlichen Tempo von einst ging das alles nämlich Schlag auf Schlag. Das Neuste zuerst, Änderungen mit Bart zuletzt.

Latest Results / Echtzeitsuche (lanciert am 07.12.2009)

Auf Google wars bisher ruhig. Nichts blinkte, nichts segelte vorüber, nichts lenkte mich von der Tätigkeit ab, um derentwillen ich Google benutze: Die Suche.

Jetzt aber scrollen Tweets, Facebook-Inhalte, News-Meldungen und noch so allerlei anderes vor dem Auge des Betrachters vorüber, in der Absicht, eine Echtzeit-Aufnahme bestimmter Themen zu liefern:

Latest Results: Echtzeitsuche in Google

Ein unglaublicher Wechsel. Ich kann mich noch daran erinnern, wie Altavista mal 6 Monate brauchte, um seinen Index zu erneuern. Diese Latest Results werden Folgen haben, kein Zweifel. Noch aber ist das ein unausgereiftes, Spam-anfälliges und wenig aufschlussreiches Muskelspiel. Beeindruckend ist vor allem die Technologie.

(Übrigens wird im obigen Screenshot eine Momentaufnahme zu goo.gl gezeigt, dem heute, am 15.12. lancierten URL Shortener von Google. Den erwähne ich hier nicht gesondert, ebensowenig wie die Fade In Homepage, die am 02.12.2009 offiziell live ging.)

Personalisierte Suche (lanciert am 04.12.2009)

Im Augenblick für mich die verwirrendste Neuerung. Auch wenn ich finde, der Trefferqualität werde das über kurz oder lang gut tun, blicke ich derzeit nach jeder Suche misstrauisch oben rechts auf den Bildschirm, ob dort der Link «Anpassungen anzeigen» eingeblendet werde, der mir die Personalisierung signalisiert:

Personalisierte Suche: Anpassungen anzeigen

Das Seltsame daran: Ich ertappe mich beim Gefühl, das «Big Picture» zu verpassen. Offenbar habe ich Googles Trefferlisten über die Jahre hinweg unreflektiert eine Art Objektivität zuzuschreiben begonnen, die ich jetzt ebenso unreflektiert vermisse. Ich klicke dieses «Anpassungen anzeigen» relativ oft an, um die «richtigen» Treffer zu sehen. Die personalisierten empfinde ich demnach – vorerst zumindest – als «falsch». Komischerweise stört mich der gleiche Effekt überhaupt nicht, wenn ich eingeloggt suche.

Länder-Zuordnung der Treffer (lanciert am 01.12.2009)

Vereinfacht gesagt: Bei Top Level Domains, die nicht länderspezifisch sind (zum Beispiel .com, .info, .org) zeigt Google so genannte «Region Tags» an:

Länderzuordnung einzelner Treffer

Über die Google Webmaster Tools können Site-Betreiber die Sache steuern. Gute Sache? Das Internet funktioniert bekanntlich ein bisschen grenzüberschreitend, und dass das Unternehmen, das hinter der Website zum Thema «Apple – Suisse/Schweiz» steht, in den Vereinigten Staaten daheim ist, stellt in diesem Zusammenhang keine sinnvolle Information dar.

URLs mit Pfadangaben (lanciert am 17.11.2009)

Fallweise zeigt Google nicht mehr die komplette oder mittels Auslassungen verkürzte URL eines Treffers an, sondern stellt eine Krümelnavigation dar:

Krümelnavigation / Pfadnavigation in Google-Trefferlisten

Auf den ersten Blick mag man zustimmend nicken: Treffer 1 sieht ansprechender aus, der Navigationshinweis bestätigt mir, auf der richtigen Spur zu sein, während die URL des zweiten Treffers direkt schmuddelig aussieht.

Nur: Die vollständige URL des ersten Treffers lautet in voller Pracht http://lastminute.travel.ch/lastminute_nurflug/korsika, und je nach Interessenslage ist dieses «lastminute_nurflug» eine wertvolle Zusatzinformation. Die Krümelnavigation unterschlägt das. Dazu kommt, dass jenes «Lastminute» zwar verlinkt ist, aber anders als die Trefferüberschrift. Mich verwirrt das.

Links zu Anchors in der Treffer-Page (lanciert am 25.09.2009)

Vom Erscheinungsbild her den etwas älteren One-line Sitelinks zum Verwechseln ähnlich (s. unten), strukturell ganz anders gelagert:

Named Anchor Tags: Verlinkung zu einzelnen Paragraphen innerhalb einer Treffer-Page

Hier hat Google Anchor Links identifiziert, die den User einen bestimmten Absatz direkt auf der Page ansteuern lassen, und verlinkt sie gleich in der Trefferliste. Potenziell hilfreich, aber ein arges Gedränge; und ich frage mich, wie der User darauf reagiert, wenn er klickt und mitten in der Page landet. Wird das verstanden? Google testet ja jede Neuerung ausgiebig anhand einer Portion seiner User, also kann man davon ausgehen, dass dieses Feature als nützlich empfunden wird.

One-line Sitelinks (lanciert am 16.04.2009)

Zusätzlich zu den normalen Sitelinks, die vor allem bei Brand-Suchen eingeblendet werden, kriegt man heute auch bei generischen Suchabfragen manchmal die «One-line Sitelinks» zu sehen:

One-line Sitelinks

Das kann nützlich sein (allerdings nur in dem Mass, in dem ein Website-Betreiber seine Sitelinks auch pflegt). Aber es ist ein Gedränge – meine Klickentscheidung muss sich da zwischen sehr eng gesetzten Buchstaben und Zeilen durchwinden. Subjektiver Eindruck: Ich klicke fast nie auf One-line Sitelinks (zugegeben: Das sagen die meisten Leute auch über AdWords…)

«Focus on the User»

Wie weiter oben erwähnt: Das mag alles wechselweise hilfreich, beeindruckend, zukunftsträchtig, nett oder alles zusammen sein – aber es ist zu viel aufs Mal! Google stand (und steht) unter anderem für einfache Bedienbarkeit. Mir will fast scheinen, es ertrage jetzt nicht mehr viel, und mit ebenjener Einfachheit sei es vorbei. Mehr Links, mehr Features sind nicht zwingend gleichbedeutend mit mehr Optionen. Das wären sie bloss dann, wenn sie tatsächlich optional wären.

«Focus on the user and all else will follow», lautet das erste der 10 Google-Gebote. Ich wollts bloss erwähnt haben.

Google Suggest: Wohin führt der Bauchnabel?

Donnerstag, 8. Oktober 2009 | Von: Lukas Stuber | Kategorie: Google allgemein, Off Topic | 0 Kommentare

Warum setzen gewisse Ärzte Maden in Wunden? Wo ist Spongebob? Wozu Literatur? Wohin führt der Bauchnabel?

Für diese und andere zentralen Fragen der Menschheit ist Google Anlaufstelle Nummer 1 geworden, und dank Google Suggest, seit April in der Schweiz aktiv, lässt sich bestens mitverfolgen, was die Menschen umtreibt: In die Vorschlagsliste gelangen nur Suchabfragen mit einer gewissen Popularität. Und wie das letzte Beispiel zeigt, kann man Googles Suchfeld nicht nur zur Suche verwenden, sondern um eine Message loszuwerden…

Viel Spass, und weitere Fundstücke sind herzlich willkommen.

Warum…

Google Suggest: Warum...

Wo ist…

Google Suggest: Wo ist...

Wozu…

Google Suggest: Wozu

Wohin führt…

Google Suggest: Wohin führt...

Google ist…

Google Suggest: Google ist...

Google Insights for Search: neu auch auf Deutsch

Mittwoch, 19. August 2009 | Von: Lukas Stuber | Kategorie: Google allgemein | 0 Kommentare

Seit gut einem Jahr gibts das Tool «Google Insights for Search», das im Vergleich zum herkömmlichen Google Keyword Tool zahlreiche weitere Informationen liefert:

  • Suchhäufigkeiten im Zeitverlauf
  • Regionale Verteilungen
  • Suchhäufigkeiten nach Themenkategorie («Virus» – Computervirus oder Schweinegrippe?)
  • Unterscheidung nach Suchplattform (Web-, Bilder-, News- oder Produktsuche)
  • Neu aufgetauchte Related Queries

Jetzt endlich ist Google Insights for Search auch mit deutschsprachiger Oberfläche lanciert worden, und den entsprechenden Datenbestand scheint man ebenfalls aufgebrezelt zu haben. Zusätzlich gibts neu die «animated map», die das An- und Abschwellen von Suchvolumen nach Zeit und Region visualisiert:

Michael Jackson: Suchhäufigkeit Mai/Juni 2009

[michael jackson]: Suchhäufigkeiten Ende Mai und um den 25. Juni.

Ebenfalls neu integriert: Die Prognosefunktion, mit der Google Insights for Search die Suchhäufigkeiten der kommenden 12 Monate zu errechnen versucht. Beispiel aus unserer eigenen Branche:

Suchmaschinenoptimierung vs. AdWords: Was wird in der Schweiz öfter gesucht?

[suchmaschinenoptimierung] vs. [adwords]: Rezession hin oder her – die PPC-Variante im Suchmaschinenmarketing, prognostiziert Google, wird weiterhin auf deutlich mehr Interesse stossen.

Wie stets bei all diesen Tools gilt: Ganz zum Nennwert lassen sich die Werte aus verschiedenen Gründen nicht nehmen. Aber ein wunderbares Instrument zum Rumspielen, Keywords testen und evaluieren ist Google Insights for Search allemal, und zudem kann das Tool gleich als Content-Baustein benutzt, die Trendgrafiken als Gadget in die eigene Website eingebettet werden. Mach ich gleich mal – denn ob obige Prognose eintreffen wird, interessiert mich denn doch:

Google zeigt PDFs in Google docs an

Freitag, 24. Juli 2009 | Von: Lukas Stuber | Kategorie: Google allgemein, Suchmaschinenoptimierung | 1 Kommentar

Habe ich da etwas verpasst? Wenn ich in einer Resultateliste von Google ein PDF entdeckte, konnte ich bisher wahlweise eine HTML-Version im Browser betrachten oder das File mit dem Acrobat Reader öffnen.

Neuerdings aber gibts in den meisten, wenn auch nicht in allen Fällen die Option «Anzeigen», mit der man das PDF in der Umgebung von Google docs öffnen kann:

PDFs mittels \

Jenes «Anzeigen» führt dann hierhin:

Medienpolitisches Manifest des Verbands Schweizer Presse als Google doc

Und hier habe ich dann sämtliche Optionen: Runterladen, Ausdrucken oder in die HTML-Ansicht wechseln. Verblüffend auch, wie schnell diese Dokumente auf dem Bildschirm erscheinen.

Praktische Sache. PDFs, die ich via Google finde, werde ich künftig sicher öfter anschauen. Bisher dauerte mir das vielfach zu lange, und die HTML-Ansicht verschränzte die Files sehr oft bis zur Unkenntlichkeit. Und das bedeutet gleichzeitig, dass die Optimierung von PDFs für Suchmaschinen nochmals ein kleines Stückchen wichtiger geworden ist.

Link Building: Bündner, Google und Rassismus

Mittwoch, 10. Juni 2009 | Von: Lukas Stuber | Kategorie: Google allgemein, Suchmaschinenoptimierung | 3 Kommentare

Link Building ist ein Saukrampf. Und ein vollkommen unverzichtbarer Teil der Suchmaschinenoptimierung: Schliesslich landet – stark abgekürzt ausgedrückt – jener weiter oben bei Google, der über die robustere externe Verlinkung verfügt. Was erlaubt ist und was nicht, ist hingegen unklar: Google selber praktiziert mitunter Methoden, für die es andere bestraft.

Kaum hatte Google eine kritische Grösse erreicht, wurden Links zur Handelsware, und mit immer wieder neuen, mehr oder minder kreativen Methoden versuchen Suchmaschinenoptimierer und Website-Betreiber Links zu generieren.

seo-link-building-chart3

«Link Building 101» (RedAlkemi).

Hierzulande gibt etwa das Bündner Modell derzeit viel zu reden, auf dessen Erfinder begeistert eingedroschen wird – zu begeistert, wie manche finden. Aber wer Links mit irreführenden Behauptungen sammeln will, darf sich über die Haue wohl kaum beklagen.

Android.com: 50’000 zusätzliche Links binnen Stunden

In den USA sind aktuell die Link-Building-Methoden von jemand ganz anderem in der Kritik: Google.

Google?

Google. Denn anlässlich seiner I/O Conference in San Francisco verschenkte Google 500 Android-getriebene HTC Magic an die anwesende Entwicklerschar. Nebst anderen drolligen Folgen führte das (laut Michael Gray von ViralConversations) zu rund 50’000 zusätzlichen Links zu Googles Android-Website, was im hochkompetitiven Telco-Umfeld keine Kleinigkeit ist.

Das Problem dabei: Plattformen, über die Unternehmen Sampling betreiben können, mit deren Hilfe man also nichts anderes machen kann, als Google an seiner I/O Conference getan hat – solche Plattformen also betrachtet Google mit Stirnrunzeln.

Der Service ViralConversations beispielsweise wurde von Google aufgefordert, bei ihren Reviewers nur noch nofollow-Links zuzulassen; das Schweizer Unternehmen Trigami nahm zum selben Thema 2007 proaktiv Stellung, verteidigte zunächst seine Policy, Links ohne nofollow zu tolerieren, rückte aber später davon ab.

Das könnte man dann wohl als Doppelmoral seitens Google bezeichnen: Wenn Google Handys verschenkt, sind die kollateral zustandekommenden Links legitim; wenn andere Unternehmen für derlei eine Agentur bemühen, setzts eine PageRank-Strafe.

Link Building wäre in dieser Sichtweise also dann böse, wenn es von einem Suchmaschinenoptimierer betrieben wird, nicht aber, wenn sich ein Unternehmen selber darum bemüht. Die ansonsten äusserst lesenswerte Lisa Barone verglich diese Haltung in ihrem Zorneseifer gar mit Rassismus.

Widget Baiting: Darf man das jetzt oder nicht?

Weiter zurück liegt der Fall des Mathew Inman: Der Betreiber einer Dating-Plattform schuf kleine, lustige Widgets, die von buchstäblich hunderttausenden Webmastern auf deren eigenen Sites eingebaut wurden und gut sichtbar auf Inmans Dating-Plattform verlinkten. Ein schon etwas kreativerer Ansatz, doch Google schoss Inman ab, wie sich bei SEOmoz nachlesen lässt.

Das ist insofern etwas ironisch, als etwa Google Gadgets genau den gleichen Effekt haben:

google-gadget

Diese Gadget-Links sind keineswegs auf nofollow gesetzt, und bei einer Suche nach [gadgets] nimmt Google unter der Kleinigkeit von 247’000’000 Treffern den – wen wunderts – ersten Platz ein.

Auch hier also scheint nicht mit dem gleichen Massstab gemessen zu werden.

«Google doesn’t think about getting links.»

Gleichzeitig finde ich vollkommen glaubhaft, was Googles Chef-Spam-Jäger Matt Cutts im Zusammenhang mit der Android-Geschichte äusserte:

«The reason people got the free Android phones was because they had paid 2-3k to attend the event and they were the perfect demographic to be developing Android applications. Google wanted the applications developed, not links. Google doesn’t think about getting links.» [via Outspoken media]

Das glaube ich sofort. Und nur nebenbei: Als Google Japan schlankweg Links einkaufte, wurde dessen PageRank manuell herabgestuft. Google muss sich nämlich gar nicht um Links kümmern – die kommen ganz von allein, nämlich immer dann, wenn Google «piep» sagt. Und genau das ist eben nicht so lustig: Googles Services greifen immer weiter aus, geraten in Konkurrenz mit immer mehr Branchen und Unternehmen, und dank seiner Suchmaschine und dessen linkbasiertem Algorithmus hat Google stets von Anfang an einen Wettbewerbsvorteil.

Überspitzt gesagt: Würde Google morgen einen Online-Schuhladen starten, wäre der unter anderem dank unweigerlich starker Verlinkung schnell die Nummer 1. Und das dürfte ein viel grundsätzlicheres Problem darstellen als Googles (angebliche?) Feindseligkeit den SEOs gegenüber.

SearchWiki von Google: «Diese Hinweise weitergeben»

Samstag, 6. Juni 2009 | Von: Lukas Stuber | Kategorie: Google allgemein | 0 Kommentare

Im November 2008 lancierte Google sein so genanntes «SearchWiki», womit ich als eingeloggter User munter in den Trefferlisten rumfuhrwerken darf (Das lustige Google-Logo rührt übrigens vom Tetris-Geburtstag am 6.6.09 her):

searchwiki-dylan-serp

Soweit ja ganz hübsch – nur wirds kaum genutzt. Beispiele:

  • Ein Keyword wie [ferien] beispielsweise hat bis heute bei Google.ch gerade mal 2 derartige User-Handlungen ausgelöst (1 Listing wurde mal hochgeschoben, ein anderes von einem User gelöscht).
  • Die Trefferliste für [ubs] – immerhin 300’000 Mal pro Monat in der Schweiz gesucht – wurde 23 Mal manipuliert.
  • [air france]: 125 Mal.
  • [twitter] 1’723
  • [google]: 23’526

Das ist angesichts der Google User Base mehr oder weniger null Aktivität. Die Daten sind zudem schwierig zu finden, nämlich via Link am Seitenende:

searchwiki-alle-eintraege

Und derzeit versucht Google, die Sache mit einem neuen Feature zu boosten. User können nämlich einen Permalink auf die von ihnen manipulierte Trefferliste generieren und verschicken:

searchwiki-hinweise

Das sieht dann so aus.

Ich sehe offen gesagt den Anwendungsfall nicht. Damit liessen sich ja allenfalls Tipps für spezifische Websites weiterreichen – doch dafür habe ich andere Möglichkeiten (delicious.com, Blog Roll, was auch immer). Warum ich eine SERP weiterreichen sollte, wüsste ich jetzt wirklich nicht zu sagen.

Möglicherweise handelt es sich bloss um einen Test, denn unter Google.com finde ich es nicht, und viel Resonanz gabs bisher auch nicht.

Auch mit dieser Erweiterung: Den richtigen Dreh, Google-Suche und Mitmach-Web zu verknüpfen, hat Google wohl noch nicht gefunden.

Google Suggest: Schon jetzt ein bedeutender Traffic-Faktor

Donnerstag, 4. Juni 2009 | Von: Lukas Stuber | Kategorie: Google AdWords, Google allgemein, Suchmaschinenoptimierung | 3 Kommentare

Im April 2009 lancierte Google «Google Suggest» endlich auch in der Schweiz. Seither kriegen User, die Google.ch nutzen, gleich beim Eintippen laufend verfeinerte Suchvorschläge eingeblendet:

google-suggest

Praktische Sache. Bei Website-Marketing drüben kündigte ich vollmundig an, wir würden die Sache mal testen. Zu vollmundig, wie ich jetzt zugeben muss: Die Messung mit Google Analytics ist zwar problemlos zu bewerkstelligen (mehr dazu etwa beim SEO Punk), aber die Aussagekraft der Daten ist aus verschiedenen Gründen limitiert:

1. Wenn jemand direkt in der SERP selber das Suchfeld nutzt, gibts keine Suggestions:

    google-serp-no-suggest

    2. Suchabfragen etwa mittels Google Toolbar oder Firefox-Suchfeld generieren zwar auch Vorschläge, aber erstens andere, und zweitens nur in Ausnahmefällen solche, die Google Analytics messen kann:

      google-toolbar-search-no-suggest

      3. Verwendet jemand Google Suggest, klickt aber nicht auf mein Listing, kriege ich das gar nicht erst mit.

        Das heisst: Unser Messlauf (anhand eines Schweizer Online Shops durchgeführt) liefert letztlich eine Minimalaussage. Doch die hats bereits in sich:

        Mindestens 13% aller Organic-Klicks laufen heute bereits über Google Suggest.

        google-suggest-yes-or-no

        Ein Drittel aller User, die wir messen konnten, hatten also eine Suggestion vor sich, und davon nutzten 40% einen der Vorschläge, anstatt ihre Suche selber fertigzutippen.

        Und das übrigens in begrifflich sehr grosser Breite: Via Suggest kamen in 7 Tagen 2’023 Klicks für 1’256 unterschiedliche Keywords zusammen.

        Wenig erstaunlich ist, dass die zuoberst eingeblendeten Suggestions am meisten Traffic generieren:

        google-suggest-positione

        Selbst eingedenk aller Messbeschränkungen zeigt sich jedenfalls: Google Suggest ist auf Anhieb ein bedeutender Traffic-Faktor. Und das hat Implikationen fürs Suchmaschinenmarketing:

        • Schlägt Google Begriffe vor, die für mich relevant wären?
        • Bin ich dafür in den Organic Listings sichtbar?
        • Bin ich dafür mit einem AdWord sichtbar?

        Was für den User eine bequeme Hilfe darstellt, bietet einem Unternehmen also eine neue und potenziell wertvolle Datenquelle für die begriffliche Optimierung sowohl der AdWords-Kampagne als auch des Website-Contents.

        So. Und ab heute messen wir zusätzlich noch folgendes:

        • Wie viele Klicks liefert Google Suggest für AdWords?
        • Wie konvertieren Suggest-Klicks im Vergleich zu den übrigen Google-Klicks?

        Ergebnisse gibts dann in einer Woche.

        Harvard-Prof: Google Chrome is evil

        Donnerstag, 14. Mai 2009 | Von: Lukas Stuber | Kategorie: Google allgemein | 1 Kommentar

        Ben Edelman, unermüdlicher und mit Harvard-Weihen versehener Kämpfer gegen unsaubere Praktiken im Internet, hat wieder zugeschlagen: Im April 2006 erregte er mit einem Frontalangriff gegen Yahoo! erstmals weltweit Aufsehen, jetzt hat er eine Attacke unter anderem gegen Googles Browser namens Chrome lanciert.

        Edelmans steile These: Mit der sogenannten Omnibox-Funktion von Google Chrome, die URL-Zeile und Suchfeld in einem darstellt, dränge sich Google zwischen User und Websites, kassiere damit potenziell mehr Werbegelder und blase die Effektivität seines AdWords-Programms künstlich auf, was letztlich zu ungerechtfertigten Investitionen in Google AdWords führe:

        Benjamin Edelman: How Google and Its Partners Inflate Measured Conversion Rates and Increase Advertisers’ Costs

        Knackig, medial dankbar aufgenommen («Google bescheisst» zieht immer), und alles in allem derart falsch, dass nicht einmal das Gegenteil stimmt. Denn Edelmans Beweisstück sieht so aus (mehr hat er nicht zu bieten, ich schwörs):

        chrome-expedia-051209-1-markup

        Erstaunlich, wie viele Fehlinformationen in einem so kleinen Screenshot untergebracht werden können.

        Erstens: Der Default ist keiner

        «Search Google for expedia» (Edelmans Kernfund) wird von der Omnibox nur dann zuerst angeboten, wenn ich die Expedia-Website noch nie besucht habe. Existiert expedia.com in meiner Browser History, wird der Link zu www.expedia.com als erstes aufgelistet.

        Vielleicht löscht Edelman regelmässig seine History, weshalb er das nicht weiss, oder aber er hat es – horribile dictu – schlicht nicht überprüft. Und offenbar weiss er auch nicht, dass der User die Suchmaschine, die Google via Omnibox anbietet, frei wählen kann.

        Zweitens: User wollen sich auch über Brands informieren

        Wenn ich «expedia» einzutippen beginne, ist noch überhaupt nicht gesagt, dass ich die Website besuchen will. Vielleicht interessieren mich ja Erfahrungsberichte oder Ähnliches.

        Nach unseren Messungen klicken fallweise bis zu 40% aller User nach einer Brand-Suche weder aufs Organic Listing noch aufs AdWord – offenbar liegen oft andere Interessen vor.

        Drittens: Die Error Page ist eine Help Page

        Der zweite in Edelmans Screenshot aufgeführte Link («expedia/») liefert folgenden DNS-Error:

        expedia-ups

        Da liesse sich nun tatsächlich fragen, weshalb Google via Omnibox diese Möglichkeit pusht: Im Grunde handelt es sich hier nur um einen Zusammenzug der ersten und dritten Option in Edelmans Screenshot. Nur lässt sich angesichts der Grössenverhältnisse zwischen dem Link zu Expedia und der dazu passenden Google-Suche kaum behaupten, dass einem die Suche aufgedrängt würde; ausserdem lässt sich das in den Chrome-Optionen deaktivieren.

        Viertens: Zahlen?

        Edelman liefert keinerlei Zahlen, die seine These stützen könnten. Unsere – statistisch nicht signifikanten – Messungen für die Chrome-Nutzung 2009 in der Schweiz zeigen jedenfalls ein anderes Bild:

        • 0.7% Marktanteil von Google Chrome
        • 0.2% aller AdWords-Klicks via Google Chrome
        • 0.1% aller Klicks auf Branded AdWords via Google Chrome

        Chrome User klicken also erstens viel seltener auf AdWords als andere, und zweitens praktisch nie auf Branded AdWords. Mit anderen Worten: Gerade Chrome User machen fast nie das, was Edelman Google als Absicht unterstellt.

        Zugegeben, das könnte sich ändern, falls Chrome Marktanteil gewänne: Derzeit sind Chrome User wohl noch überdurchschnittlich tech savvy und werberesistent. Aber vorderhand stimmen Edelmans Argumente auch zahlenseitig kaum.

        Diskutabel: Google behält immer mehr Traffic bei sich

        Dass ein derart schlampig recherchiertes Aufsätzchen zum Harvard-Report mutiert und als professorale Weisheit in den Medien rumgeboten wird, ist ärgerlich. Denn in der Tat läge hintendran eine wichtige Diskussion: Eine wachsende Zahl von Google Services und -Features sorgt dafür, dass Google anderen Websites Page Views entzieht; Omnibox, Google Suggest, Google News, Search Box, Sitelinks oder das angekündigte Google Squared ermöglichen entweder zielgerichteteres Navigieren oder machen ein Weitersurfen überflüssig und reduzieren somit die potenzielle Zahl von Page Views. Und das hat selbstverständlich Folgen für die Refinanzierungsmodelle vieler Websites, die ihren Werbekunden die Page Views verkaufen.

        Da aber die User Experience – Googles heilige Kuh – dadurch meines Erachtens wirklich nur gewinnt, liegt das Problem wohl weniger bei Google als vielmehr bei einblendungsbasierten Refinanzierungsmodellen. Und bei dieser Diskussion helfen Screenshots mit bestenfalls halbwahren Sprachblasenbehauptungen wenig.

        Die wahren Übeltäter lauern im Content-Netzwerk

        Durchaus überzeugender scheinen mir Edelmans Vorwürfe an verschiedene Google-Partner im Content-Netzwerk zu sein: Was da mit Toolbars und AdSense-Schleudern alles angestellt wird, geht auf keine Kuhhaut. Bloss: Das ist altbekannt, und Edelman bietet nichts Neues.

        Über diese Tricksereien im AdSense-Bereich mehr zu erfahren, Zahlen und auch eine umfassende Darstellung zu kriegen, weshalb Google im Content-Netzwerk derart viel Blödsinn toleriert (den ich als Werbekunde übrigens einigermassen problemlos unterbinden kann) – das wäre spannend gewesen.

        Schade drum.

         
        Google Adwords Certified Partner