Blekko: Neue Suchmaschine mit SEO-Daten

Dienstag, 2. November 2010 | Von: | Kategorie: Andere Suchmaschinen, Suchmaschinenoptimierung | 1 Kommentar

Blekko, die neue Suchmaschine mit Sitz in – wo denn sonst – Kalifornien, ist nach mehrmonatigem Closed Beta offiziell gestartet. Merkmal: die so genannten Slashtags, mit denen Suchanfragen bequem eingegrenzt werden können. Spannend für SEOs und Website-Betreiber: Blekko gibt ungewohnt offenherzig Einblick in seine Ranking-Algorithmen.

Das Unverwechselbare an Blekko sind die so genannten «Slashtags»: Das  etwas umständlich zu erklärende, aber erfreulich schnell zu erlernende Konzept stellt eine Mischung aus herkömmlichen Tags und Suchoperatoren dar, mit dem die Trefferhaufen (die in Blekko auf Anhieb eine ansprechende Qualität aufweisen) gebändigt werden können.

Slashtags: Treffermassen komfortabel eingrenzen

Wer etwa Blog Posts zu Google sucht, formuliert die Query «google /blogs», wer die republikanische Sicht auf Barack Obama nachvollziehen möchte, sucht nach «obama /conservative», und wer gerne Obama-freundliche Tweets sucht, wird mit «obama /twitter /liberal» fündig. Funktioniert ganz ordentlich, am nützlichsten finde ich bisher den Slashtag «/date», der die aktuellsten Treffer zuoberst listet. Bei Google geht das via Optionsspalte entschieden länger.

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Widgets erstellen mit Wolfram Alpha

Freitag, 30. Juli 2010 | Von: | Kategorie: Andere Suchmaschinen | 0 Kommentare

Mit Wolfram Alpha, der «Computational Knowledge Engine», verbindet mich seit dem Launch eine unglückliche Liebe: Ich finde die Plattform toll, kann sie aber überhaupt nicht gebrauchen. Denn die Fragen, die mir Wolfram Alpha beantworten könnte, stelle ich mir praktisch nie. Und bei der Betrachtung der Beispiele in der Visual Gallery überkommen mich trotz ästhetischem Genuss nagende Zweifel an meiner Bildung: Was ist ein Menger Sponge?  Wozu dient ein Haferman Carpet? Welche Absicht verfolgte Herr Dini?

Aber wer weiss, vielleicht finde ich nächstens einen Anwendungsfall, bei dem mir Wolfram Alpha täglich helfen könnte – und dann würde ich mir, was seit kurzem möglich ist, ein Widget bauen. Das folgende beispielsweise liefert Infos zu Hosting, Traffic-Daten und der HTML-Hierarchie beliebiger Domains oder Files:

Das Erstellen dieses Widgets dauerte gerade mal 5 Minuten. Die Ideenfindung ca. 5 Stunden, aber das ist – s. oben – mein Problem, nicht jenes von Wolfram Alpha.

Bing im Tagi: «Keiner sucht eine andere Suchmaschine»

Mittwoch, 24. Juni 2009 | Von: | Kategorie: Andere Suchmaschinen | 0 Kommentare

Der Multimillionen-Launch von Microsofts neuer Suchmaschine Bing hat massive Presseresonanz ausgelöst – angesichts der aufgewendeten Marketing-Gelder wäre alles andere auch überraschend gewesen.

Und alles in allem ist man sich einig: Bing ist die erste Suchmaschine aus dem Hause Microsoft, die einem Respekt abringt, auch wenn eine der beliebtesten Testabfragen überhaupt («miserable failure») dramatisch absäuft.

Beim BlindSearch-Experiment von Michael Kordahi – eine Art Pepsi-Test für Suchmaschinen – bewerte ich die Bing-Treffer fast so oft am höchsten wie die Google-Resultate. Yahoo-Treffer hingegen fand ich bisher kein einziges Mal überzeugend…

blindsearch

BlindSearch: Erst nach der Bewertung der Trefferlisten stellt sich heraus, von welcher Suchmaschine sie stammen.

Auch hierzulande hat die Pressewelt in aller Ausführlichkeit über Bing berichtet. Zuletzt – freundlicherweise mit Angelink-yourposition-Zitaten – der Tages-Anzeiger:

«Keiner sucht eine andere Suchmaschine» (Tages-Anzeiger, 19. Juni 2009)

Wie wahr, wie wahr: Zwar hat Microsoft dank dem Bing-Launch vorerst kräftig Marktanteile erobern können, mindestens im US-Markt. In der Schweiz hingegen hat man (bzw. haben wir) in den letzten 3 Wochen sehr wenig Bewegung gesehen (n = 65’000 Klicks):

marktanteile-ch-suchmaschinen

Zwar hat Bing letzte Woche bei dieser Messung [search.ch] überholt, aber das findet alles im Klein-Klein-Bereich statt und heisst noch gar nichts. (Google lieferte in diesen 3 Messwochen übrigens zwischen 96% und 97% aller Suchmaschinen-Klicks).

Vergleicht man die Konversionsraten, passiert ebenfalls nichts Aussergewöhnliches: Schon MSN und Live.com lieferten zwar sehr wenig, aber stets stark konvertierenden Traffic – und das hält an, wobei der Bing-Traffic grösstenteils Live-Traffic sein dürfte (s. unten):

cvr-by-searchengine

Auch diese Messung basiert übrigens auf rund 65’000 Klicks der letzten 3 Wochen.

Den Markt verändert hat Bing bisher also noch nicht. Aber es ist sicher der bedeutendste Anlauf, Googles Vorherrschaft anzugreifen, seit sehr langer Zeit.

Ach ja – wer hierzulande Bing in voller Pracht testen will, muss zuerst noch etwas arbeiten, sonst kriegt man nur die alte Live-Plattform im neuen Kleid vorgesetzt:

bing-change

Rechts oben «Schweiz» anklicken, in der nachfolgenden Liste «USA – Englisch» auswählen. Viel Vergnügen.

Wolfram Alpha: brillant gepimpter Brockhaus

Mittwoch, 20. Mai 2009 | Von: | Kategorie: Andere Suchmaschinen | 1 Kommentar

Wolfram Alpha ist live. Das Medienecho ist gewaltig, zahlreiche Anwendungsbeispiele sind umwerfend. Doch so beeindruckend die Plattform auch ist: Vorerst ist Wolfram Alpha bloss ein elektronischer, aber immerhin sehr schöner Brockhaus.

«Wolfram|Alpha isn’t sure what to do with your input.»

Dieser Satz hat sich mir unauslöschlich ins Gedächtnis eingebrannt, und daran bin ich ganz alleine schuld: Während den letzten beiden Tagen platzierte ich jegliche Query, die gerade anfiel, zunächst in Wolfram Alpha statt in Google: Ich wollte dieses neue Wundertier des WWW aus der Nähe betrachten. Und da ich gemäss meinem Google Account pro Arbeitstag rund 235 Queries durchführe, kenne ich Wolfram Alpha jetzt schon ziemlich gut.

Fazit: Wolfram Alpha ist manchmal begeisternd (daran halte ich fest), sehr oft frustrierend – und in der derzeitigen Form erstaunlich eigenbrötlerisch.

wolfram-alpha-logo

Zugegeben: Meine Herangehensweise war natürlich verkehrt. Wolfram Alpha ist keine Suchmaschine, sondern eine «Computational Knowledge Engine», und der Vergleich mit Google ist unzulässig.

Vielleicht aber war meine Herangehensweise ganz im Gegenteil genau richtig. Denn Wolfram Alpha hat das Problem, dass es sich den Vergleichen mit Google gar nicht entziehen kann: Ob sich etwas Suchmaschine oder Computational Dingsda nennt, ist dem User doch wurscht. Hauptsache, das Ding hat ein Suchfeld.

Das Wissen der Welt berechenbar machen

Dieser Ambivalenz sind sich die Leute hinter Wolfram Alpha natürlich bewusst. Deshalb ist dieses schwerhüftige «Computational Knowledge Engine» Teil des Logos. Und deshalb stutzt man auch beim Mission Statement von Wolfram Alpha: «Making the world’s knowledge computable». Das erinnert stark an Googles Mission «to organize the world’s information and make it universally accessible and useful» - und ist gleichzeitig eine total andere Aussage: Wissen und Information sind überhaupt nicht dasselbe, und zwischen accessible und computable klaffen gleich dutzendfach Welten. Die Mission Statements sind vollkommen anders – und doch verwechselbar.

Genau so also, wie man Wolfram Alpha, obwohl es etwas vollkommen anderes ist, mit einer Suchmaschine verwechseln und mit Google vergleichen könnte. Und in einem problemlos vergleichbaren Punkt schneidet Wolfram Alpha katastrophal ab:

User Experience.

Ob Treffer oder Nuller: Man steckt in der Sackgasse

Wie übersichtlich und knackig Wolfram Alpha die verschiedensten Informationen zusammenzuziehen und darzustellen versteht, das ist immer wieder begeisternd und Googles zehn blauen Links hoch überlegen.

Gleichzeitig aber ignoriert Wolfram Alpha komplett, was Google in seinem Dekalog unter Punkt 7 völllig richtig festhält: «There’s always more information out there». Wolfram Alpha hingegen ist jedesmal eine Sackgasse.

Nuller: Um Wolfram Alpha wirklich nutzen zu können, muss ich auf Anhieb die richtige Frage stellen. Finde ich sie nicht, muss ich von vorn beginnen. Nicht so bei Google: Dort kriege ich praktisch immer Treffer geliefert; oft irrelevante, aber die Art der Irrelevanz liefert mir immerhin Hinweise darauf, wie ich die Suche verfeinern müsste. Wolfram Alpha ermöglicht diesen Lernprozess gar nicht erst. Zudem wird mit den Links zur passenden Web-Suche sowie zur Community nur gerade das absolute Minimum an Handlungsoptionen angeboten. Inwiefern die Input-Möglichkeit genutzt wird, kann ich allerdings schlecht beurteilen. Die zahlreichen Nuller haben grosses Frustpotenzial, das ein verbessertes Query Processing nach und nach sicher mindern wird. Secondary Results aus dem Web wären aber in jedem Fall sinnvoll.

Treffer: Die Ergebnisse bilden einen in sich abgeschlossenen Korpus von Information. Weder ist ein Drill Down möglich – Treffer-Details sind nicht intern verlinkt, so dass ich keine vertiefende Suche auslösen kann – und externe Inhalte sind erneut nur über den Link zur Web-Suche zu kriegen. Fallweise sind zusätzlich Wikipedia, mehr oder weniger passende Websites sowie Werbung zusätzlich verlinkt. Auch hier liegt erst ein Minimum vor. Und statt die Datenquellen, die Wolfram Alpha verwendet hat, im Inhalt offenzulegen und zu verlinken, werden sie in einem Pop Up platziert («Source Information»). Dort aber steht oft genug nur: Wolfram|Alpha curated Data, 2009.

Ob ich also Treffer kriege oder nicht: In jedem Fall ist bei Wolfram Alpha mehr oder weniger Endstation, die Plattform schert sich noch nicht darum, dass sie Teil dieses gewaltigen Ökosystems namens WWW ist. Und damit ist Wolfram Alpha vorerst bloss ein brillant gepimpter Brockhaus.

Allerdings: Wer all das da hingekriegt hat, sollte die Anbindung ans Web eigentlich auch noch bewerkstelligen können.

Wolfram Alpha: Es geht endlich los

Freitag, 15. Mai 2009 | Von: | Kategorie: Andere Suchmaschinen | 0 Kommentare

Kaum ein Web-Projekt erzeugte in letzter Zeit so viel Spannung wie Wolfram Alpha, das neuste Baby des Mathematica-Schöpfers Stephen Wolfram. Und Heute Nacht, von Freitag auf Samstag, solls also losgehen.

Die Medien sprachen dabei stets von einer Suchmaschine und einem – ja, genau – Google-Killer, obwohl Wolfram selber stets betonte, es werde sich nicht um eine Such-, sondern um eine Antwort-Maschine handeln.

Und beschaut man sich den Screencast (im Augenblick [15.05.09, 15:22] nicht erreichbar – da scheinen kurz nach der Launch-Ankündigung schon die Server zusammenzukrachen…), wird klar, wie Wolfram das meint: Wolfram Alpha liefert bloss in siebter oder achter Linie Verweise auf Drittinhalte. In erster Linie hingegen werden Daten und Antworten zu Fragen der verschiedensten Art geliefert: Bruttoinlandprodukt in Frankreich, das Wetter in Boston am 1. Januar 2008, alles Relevante zur Temperatur von 6’000 Grad Celsius, Börsendaten, Hypothekenrechnungen, Tonarten… im Screencast tauchen dazu Statistiken, Charts, Diagramme, Tabellen auf – was das Herz begehrt, und der Mund bleibt dabei offen.

…so, inzwischen läuft auch die Website wieder, deshalb hier ein Beispiel – das Wolfram Alpha-Resultat auf die Query «internet users in europe»:

wolfram-internet-users

Zahlen, Grafiken, nach Land gesplittete Daten – schon ziemlich eindrücklich [EDIT: Erst jetzt im Screenshot entdeckt - die 93 User des Vatikans wären fast eine eigene Story wert], und im Screencasts gibts derlei (und weit Komplexeres) eine Viertelstunde lang im Sekundentakt zu bewundern. Die Daten der Resultateseiten scheint man sich als PDF runterladen zu können. Irgendwelche Mitmach-Funktionen à la SearchWiki habe ich hingegen nicht entdecken können.

Auch wenn die Plattform schon rein von der Anlage her kein Google-Killer ist, so gibts da selbstverständlich zahlreiche Anwendungsbereiche, für die ich in Zukunft vielleicht lieber Wolfram Alpha (so es sich denn bewährt – ein Screencast allein macht noch kein Wunder) benützen könnte, nicht mehr Google.

Zum Beispiel hat mich die Zahl der Internet User in Europa auch schon interessiert, und via Google kriegt man da auch rasch Resultate – aber bei weitem nicht so umstandslos wie offenbar mit Wolfram Alpha. Und bei anderen Beispielen im Screencast (googlen Sie mal nach «weather springfield when david ortiz was born»…) wird noch viel deutlicher, wie sich Wolfram|Alpha von Google unterscheidet. Kein Google-Killer, aber wenn das Projekt hält, was Buzz und Screencast versprechen, könnte Google das im Bereich der reinen Informationssuche relativ rasch zu spüren kriegen.

Wenig verwunderlich also, dass die Präsentation von Google Squared vielenorts als eine Art Präventivschlag gegen Wolfram Alpha gedeutet wurde. Aber angesichts des Previews nehmen sich die von Google gezeigten «small dogs» denn doch eher putzig aus:

google-squared

Heute Nacht um 2 Uhr* solls nun also mit Wolfram Alpha losgehen. Man möchte glatt wachbleiben.

* «Friday, May 15, beginning at 7pm CST» heisst es auf der Wolfram-Site. Nach etlichen Minuten des Rumgooglens fand ich heraus, dass dies hierzulande 2 Uhr nachts bedeutet. Mit Wolfram Alpha hätte ichs wohl schneller herausgefunden.

Google muss Twitter kaufen

Mittwoch, 25. März 2009 | Von: | Kategorie: Andere Suchmaschinen, Google AdWords, Online Marketing | 11 Kommentare

Twitter, dieses komische und schwer erklärbare Internet-Microblogging-Plauderdings, hat mit Suche auf den ersten Blick wenig zu tun. Dennoch wird Twitter immer öfter als Google-Übernahmekandidat gehandelt. Kein Wunder: In manchen Suchbelangen ist Twitter schlicht besser als Google.

Wann immer eine neue Suchmaschine am Horizont auftaucht, schalten viele Medienschaffende auf Autopilot und texten Headlines, in denen unweigerlich «Google-Killer» steht. Dass sich dahinter dann entweder gar keine Suchmaschine (Wolfram Alpha), keine gute Suchmaschine (Cuil) oder eine Suchmaschine mit strukturell bedingt langer Anlaufzeit verbirgt (Wikia Search), scheint jeweils keine Rolle zu spielen.

Medial derzeit ein Liebling, aber kaum je als Google-Killer apostrophiert:

Twitter.

Ich behaupte mal: Twitter – oder das Twitter-Konzept – ist die ernsthafteste Google-Konkurrenz seit Jahren.

twitter

Das folgende Beispiel mag anekdotisch sein und als Grundierung meiner These wenig taugen. Aber erstens scheint es mir ein paar fundamentale Punkte bezüglich Web Search zu berühren, und zweitens bin ich keineswegs der erste, der Twitter und Google in Beziehung setzt: Battelle und TechCrunch haben dazu mehr und Theoretischeres zu bieten als ich.

Twitter kann schneller Antworten liefern

Und aber es begab sich, dass ich kürzlich ein blödes Anfänger-Problem mit iTunes hatte, routiniert zu googeln begann – und nicht weiterkam: Die auf den ersten Blick allesamt relevant scheinenden Treffer schrammten haarscharf an meinem Problemchen vorbei.

Ganz anders bei Twitter: Dort setzte ich einen Tweet ab, der mein Problem beschrieb, kurz darauf rasselten mehrere Antworten rein, und in Facebook, wo meine Tweets ebenfalls aufscheinen, nahmen sich weitere hilfsbereite Seelen meiner an. Problem gelöst, ganz ohne Google – für mich ein ziemliches Novum. Zugegeben: Bis die Antwort-Tweets eintrafen, dauerte es länger, als ich für die Google-Suche aufgewendet hatte. Aber der eigentliche Zeitaufwand selber war für mich viel geringer.

Aus lauter Neugierde versuchte ich dann noch, ob ich allein mittels Twitter-Suche zum Ziel gekommen wäre, also ohne meine Twitter-Freunde. Ergebnis: Ja, geht, und zwar im ersten Anlauf, was bei Google nicht geklappt hatte. Bemerkenswert, finde ich.

Aber letztlich wenig erstaunlich: Denn Twitter, dieses endlose Gezwitscher von Nichtig- und Befindlichkeiten, Bonmots und Kalauern, Tech Slang und Ohmigods entwickelt sich allein dank schierer Masse zu einem riesigen Informationsbehälter, in dem dereinst alle erdenklichen Fragen schon einmal beantwortet sein werden. Und während Google die Weisheit der Massen über Verlinkungsstrukturen, Nutzungsdaten und semantische Analysen zu operationalisieren versucht, platzieren jene Massen ihre Weisheit munter in Twitter, und zwar 1:1. Operationalisierung überflüssig. Es reicht, eine simple Frage ins Twitterversum rauszuschleudern.

Der Vollständigkeit halber: Ja, in Facebook und anderen Social-Media-Plattformen geschieht das auch. Aber keine Plattform ist derart schlackenlos auf Informationsaustausch ausgelegt wie Twitter: Facebook kann viel zu viel, um ein Twitter-Ersatz zu sein, twitterisierte neue Facebook-Homepage hin oder her.

Conversational vs. Algorithmical Search

Das passende Buzzword dazu gibts natürlich auch schon: «Conversational Search» nennt sich das. Und einer algorithmischen Suche gegenüber hat jener Conversational Search einen massiven Vorteil: Ich kriege es mit Menschen zu tun. Die verzapfen manchmal zwar auch Mist, aber nicht systematisch-algorithmisch bedingt: Irgendeiner wirds dann schon wissen, während ich das Google-System der Relevanzbestimmung bloss nachvollziehen, aber nicht aufbrechen kann.

Ask, als es noch AskJeeves hiess, versuchte jahrelang, mit seinem Natural Search zu punkten: Statt abstrahierende Keyword-Ketten in den Suchschlitz füttern zu müssen, sollte man angeblich ganze Fragesätze formulieren können. Klappte nie so richtig. Bei Twitter schon. Und zwar deshalb, weil man keine Algorithmen rattern, sondern Menschen umstandslos miteinander kommunizieren lässt.

Sowas stellt für Google aller Wahrscheinlichkeit nach die viel grössere Konkurrenz dar als eine andere algorithmische Suchmaschine. Denn bezüglich algorithmischer Suche würde ich Google für mittelfristig unangreifbar halten: Google hat uns in Sachen Web Search alphabetisiert, und die an sich weit simpleren Trefferlisten etwa von Live Search kapiere ich längst nicht mehr auf Anhieb. Der Preis, mich an andere Darstellungsarten und Eigenheiten einer Suchmaschine zu gewöhnen, wäre mir persönlich zu hoch. Eine Suchmaschine, die ein bisschen besser wäre als Google, würde ich nicht verwenden. Sie müsste schon einen Quantensprung hinkriegen, und danach siehts derzeit nicht aus. Gut möglich, dass Google dank Erfahrung, User Base, Rechen- und Manpower die Grenzen des derzeit Machbaren in der algorithmischen (horizontalen) Suche bereits auslotet.

Ein Conversational Search hingegen stellt möglicherweise für viele Bereiche der Suche genau jenen Quantensprung dar. Und er ist algorithmisch nicht zu kontern.

Twitter Search: Wie lange geht das gut?

Dennoch wird Twitter früher oder später an seine Grenzen stossen, was den Search-Wert angeht: Freunde zu fragen – sowas skaliert problemlos; aber all die Tweets auch algorithmisch durchsuchbar zu halten, stellt ein ganz anderes Problem dar: jenes Problem nämlich, das Google seit langem so erfolgreich zu lösen versteht.

Die weiter oben verlinkte Suche via Twitter Search funktionierte unter anderem deshalb so reibungslos, weil die Datenmengen immer noch relativ überschaubar sind. Google jongliert mit einer ungleich höheren Menge von Daten, und das erst noch schneller: Twitter Search, den sich Twitter übrigens hinzukaufen musste, kann heute schon peinvoll langsam sein. Und ohne robuste Infrastruktur und Algorithmen hintendran könnte es bald einmal schwierig werden, im explodierenden Twitter-Fundus überhaupt noch etwas zu entdecken.

Google hingegen kann das leisten. Mit AdWords stünde zudem ein erprobtes Refinanzierungsmodell schon bereit. Umgekehrt aber fehlt Google bisher eine Plattform für Conversational Search: Orkut läuft eigentlich nur in Brasilien richtig gut, und Jaiku hat man unlängst abgeschossen.

Google müsste also, kurzum, Twitter kaufen.

Ad of the Moment: «Beton»

Mittwoch, 11. Februar 2009 | Von: | Kategorie: Ad of the Moment, Andere Suchmaschinen, Google AdWords | 0 Kommentare

Bei Ask.com – jener Suchmaschine, deren Neupositionierung weiter auf sich warten lässt – scheint die pure Verzweiflung zu herrschen. Anders lässt sich nicht erklären, wie man dort Arbitrage der allerbilligsten Sorte betreibt. So fördert beispielsweise die Google-Suche nach «Beton» folgendes AdWord zu Tage:

ask-beton

Super. Infos über Beton Beton. Auch die Zielseite hats in sich: Man landet auf der – genau – Ask-Resultateseite für «Beton», die zugepflastert ist mit… Google Ads:

ask-beton-serp

Die Nummer 4 unter den Suchmaschinen kauft sich also Traffic bei der Nummer 1 ein, den sie mit Ads ebenjener Nummer 1 zu refinanzieren hofft. Wie gesagt: verzweifelt…

Bestens ins Bild passt, dass der dritte organische Treffer mit Beton nicht das Geringste zu tun hat, sondern zu einer Wett-Page namens «BetOnSports» führt. Und da wundert man sich noch über Googles Marktanteile.

Obama erbt Bushs “miserable failure”

Freitag, 23. Januar 2009 | Von: | Kategorie: Andere Suchmaschinen | 0 Kommentare

Oh weh – dabei hatte Danny Sullivan noch verzweifelt versucht, die Obama-Administration zu warnen:

yahoo-bomb-bush-obama

Hier die Suche. Mal schauen, wie lange sich das hält. Obamas Team ist ja in Sachen Suchmaschinen nicht ganz doof – die werden das schon hinkriegen.

[via search engine land]

Auf Bluewin und search.ch bringen AdWords weniger

Freitag, 17. Oktober 2008 | Von: | Kategorie: Andere Suchmaschinen, Google AdWords | 1 Kommentar

Google AdWords werden bekanntlich per Default nicht nur bei Google selber sowie im Content-Netzwerk, sondern auch bei Suchpartnern wie Bluewin oder [search.ch] eingeblendet. In welchem Ausmass, war bisher nicht bekannt.

Seit gestern aber legt Google diese Zahlen offen – nicht auf einzelne Suchpartner heruntergebrochen zwar, aber immerhin aggregiert. Was die Schweiz betrifft, sind Bluewin und [search.ch] sicherlich die weitaus grössten Suchpartner.

Wir haben mal die Eckwerte von 4 Online Shops für den Monat September untersucht und geprüft, wie sich die Werte von Google selber zu jenen von [search.ch], Bluewin und weiteren Suchplattformen verhalten, auf denen AdWords eingeblendet werden. Fazit: AdWords erzielen auf den Partner-Suchmaschinen durchwegs schlechtere Werte.

google-vs-suchpartner

Zwar vermögen die Partnersuchmaschinen die Reichweite offensichtlich signifikant zu steigern, aber bezüglich Klick- und Konversionsraten sind die Werte, die man auf Google selber erzielt, ganz eindeutig besser (der CPC ist fallweise sehr verschieden, aber insgesamt praktisch gleich).

Was mag der Grund für diese schlechtere Performance sein? Mit der Ad-Darstellung wirds kaum zusammenhängen:

AdWords-at-Google AdWords-at-search AdWords-at-Bluewin
Google [search.ch] Bluewin

 
Google liefert die Ads im bekannten Winkeleisen, [search.ch] blendet weitere Ads am Seitenende ein (was Google bald ebenfalls einführen wird), und Bluewin blendet gleich 5 Stück ein, bevor es dort mit den organischen Treffern losgeht, und legt am Seitenende nochmals nach.

An der Darstellungsprominenz kanns also nicht liegen, dass AdWords bei Partner-Suchmaschinen schlechter performen. Eher schon an der unterschiedlichen User-Struktur: Könnte sein, dass vor allem generische Keywords bei den Partnersuchmaschinen überproportionale Einblendzahlen generieren. Nachweisen lässt sich das nicht, da Google die Werte nur bis auf Anzeigengruppenebene, nicht aber für einzelne Keywords ausweist.

Leider lassen sich diese Erkenntnisse noch nicht wirklich nutzen: Zwar kann man die Einblendung bei den Suchpartnern unterbinden, aber das ist vorerst die einzige Möglichkeit der Einflussnahme. Separate Kampagnen mit Budgets und Klickgeboten, die sich an diesen stark abweichenden Metrics orientieren könnten (so wie das fürs Content-Netzwerk seit langem möglich ist), sind derzeit schlicht nicht vorgesehen.

Wäre aber keine schlechte Idee.

SearchPerks: Microsoft Live kämpft um Marktanteile

Donnerstag, 2. Oktober 2008 | Von: | Kategorie: Andere Suchmaschinen | 0 Kommentare

Der Marktanteil der Microsoft-Suchmaschine namens Live (oder Live Search, oder vielleicht auch Microsoft Live, so genau weiss das niemand) ist bekanntlich nicht besonders hoch. In den USA liegt er bei 6.6%, hierzulande zwischen 1% und 2%. Dabei wäre Live (wie hier auch schon mal erwähnt) tatsächlich eine ziemlich gute Suchmaschine.

Verständlich, dass Microsoft etwelche Anstrengungen unternimmt, den Marktanteil zu steigern. Beispielsweise mit bezahlter Suche: Live Search Cashback bezahlt jedem User, der als Folge einer Live-Suche einkauft, einen Rabatt zurück. Das führte zu leicht höheren Marktanteilen im Juli, dann war aber schon wieder Ende Feuer.

Jetzt aber kommt SearchPerks (sorry, nur mit IE zugänglich…). Der Claim bringt die Idee ganz gut auf den Punkt: «Search a lot, earn a lot». Und das geht so:

Wer Live Search verwendet, kriegt «Tickets» gutgeschrieben, pro Suche 1 Ticket (glaube ich, genau geprüft hab ichs nicht), maximal 25 Tickets pro Tag. Und wer genügend Tickets gesammelt hat, darf sich was Hübsches aussuchen:

SearchPerks: Search a lot, earn a lot

Toll – so ein bisschen wie Cumulus. Am billigsten ist übrigens 1 Klingelton – der kostet bloss 105 Tickets oder 5 Tage Suche. Aber Achtung: SearchPerks läuft nur mit IE, Windows Live ID und dem zu installierenden «Perk Counter».

Keine Frage: Googles Tage sind gezählt…

[via Search Engine Land]

 
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