Über 50 Links pro Suchabfrage – Google übertreibt

Dienstag, 15. Dezember 2009 | Von: | Kategorie: Google allgemein | 1 Kommentar

In der Einleitung zum letzten Blog Post («Personalisierte Suche») tönte ich es verzweifelt an: Google lanciert derzeit so viele Neuerungen, dass man schon nur als Experte kaum mehr mitkommt. Die Frage ist: Wie kommen die User damit zurecht?

Wie eine Google-Trefferliste, im Fachjargon SERP genannt, zu lesen ist, habe ich mir über die Jahre hinweg angeeignet. Ich bin einigermassen in der Lage, anhand von Trefferüberschrift, -beschreibung und -URL zu entscheiden, wie relevant ein Resultat für meine Suchabfrage ist, und ob ich den Treffer anklicken will. Daran änderte auch der «Universal» oder «Blended Search» nichts, der im Mai 2007 eingeführt wurde – im Gegenteil: Bilder, Videos, Blogs u.v.m. wurden souverän eingebaut und bereicherten die Trefferlisten enorm.

Jetzt aber hat mir Google meine SERP binnen Wochen fast ein bisschen weggenommen. Wurden Trefferlisten früher als «10 blue links» apostrophiert, packt Google heute pro Suchabfrage mehr als 50 Links auf eine einzige Page, die Google-eigenen Service Links nicht einmal mit eingerechnet. Und das ist zu viel: Google liefert heute keine Trefferlisten mehr, sondern fast schon Portale.

Wohlgemerkt: Fast alle der Neuerungen begrüsse ich und finde sie sinnvoll. Ich würde sie umso freudiger begrüssen, wenn sie optional wären, und nicht integraler Bestandteil. Ich stelle nämlich fest, dass ich die Google-SERPs derzeit misstrauisch betrachte und nicht mehr sicher bin, ob meine längst ins Rückenmark gewanderten Entscheidungskriterien pro oder contra Klick noch etwas taugen. Ich bin quasi daran, Google neu zu erlernen, und zwar murrend, womit ich offenbar nicht allein bin.

Hier deshalb mal ein kleiner Überblick inklusive Datumsangaben – verglichen mit dem gemächlichen Tempo von einst ging das alles nämlich Schlag auf Schlag. Das Neuste zuerst, Änderungen mit Bart zuletzt.

Latest Results / Echtzeitsuche (lanciert am 07.12.2009)

Auf Google wars bisher ruhig. Nichts blinkte, nichts segelte vorüber, nichts lenkte mich von der Tätigkeit ab, um derentwillen ich Google benutze: Die Suche.

Jetzt aber scrollen Tweets, Facebook-Inhalte, News-Meldungen und noch so allerlei anderes vor dem Auge des Betrachters vorüber, in der Absicht, eine Echtzeit-Aufnahme bestimmter Themen zu liefern:

Latest Results: Echtzeitsuche in Google

Ein unglaublicher Wechsel. Ich kann mich noch daran erinnern, wie Altavista mal 6 Monate brauchte, um seinen Index zu erneuern. Diese Latest Results werden Folgen haben, kein Zweifel. Noch aber ist das ein unausgereiftes, Spam-anfälliges und wenig aufschlussreiches Muskelspiel. Beeindruckend ist vor allem die Technologie.

(Übrigens wird im obigen Screenshot eine Momentaufnahme zu goo.gl gezeigt, dem heute, am 15.12. lancierten URL Shortener von Google. Den erwähne ich hier nicht gesondert, ebensowenig wie die Fade In Homepage, die am 02.12.2009 offiziell live ging.)

Personalisierte Suche (lanciert am 04.12.2009)

Im Augenblick für mich die verwirrendste Neuerung. Auch wenn ich finde, der Trefferqualität werde das über kurz oder lang gut tun, blicke ich derzeit nach jeder Suche misstrauisch oben rechts auf den Bildschirm, ob dort der Link «Anpassungen anzeigen» eingeblendet werde, der mir die Personalisierung signalisiert:

Personalisierte Suche: Anpassungen anzeigen

Das Seltsame daran: Ich ertappe mich beim Gefühl, das «Big Picture» zu verpassen. Offenbar habe ich Googles Trefferlisten über die Jahre hinweg unreflektiert eine Art Objektivität zuzuschreiben begonnen, die ich jetzt ebenso unreflektiert vermisse. Ich klicke dieses «Anpassungen anzeigen» relativ oft an, um die «richtigen» Treffer zu sehen. Die personalisierten empfinde ich demnach – vorerst zumindest – als «falsch». Komischerweise stört mich der gleiche Effekt überhaupt nicht, wenn ich eingeloggt suche.

Länder-Zuordnung der Treffer (lanciert am 01.12.2009)

Vereinfacht gesagt: Bei Top Level Domains, die nicht länderspezifisch sind (zum Beispiel .com, .info, .org) zeigt Google so genannte «Region Tags» an:

Länderzuordnung einzelner Treffer

Über die Google Webmaster Tools können Site-Betreiber die Sache steuern. Gute Sache? Das Internet funktioniert bekanntlich ein bisschen grenzüberschreitend, und dass das Unternehmen, das hinter der Website zum Thema «Apple – Suisse/Schweiz» steht, in den Vereinigten Staaten daheim ist, stellt in diesem Zusammenhang keine sinnvolle Information dar.

URLs mit Pfadangaben (lanciert am 17.11.2009)

Fallweise zeigt Google nicht mehr die komplette oder mittels Auslassungen verkürzte URL eines Treffers an, sondern stellt eine Krümelnavigation dar:

Krümelnavigation / Pfadnavigation in Google-Trefferlisten

Auf den ersten Blick mag man zustimmend nicken: Treffer 1 sieht ansprechender aus, der Navigationshinweis bestätigt mir, auf der richtigen Spur zu sein, während die URL des zweiten Treffers direkt schmuddelig aussieht.

Nur: Die vollständige URL des ersten Treffers lautet in voller Pracht http://lastminute.travel.ch/lastminute_nurflug/korsika, und je nach Interessenslage ist dieses «lastminute_nurflug» eine wertvolle Zusatzinformation. Die Krümelnavigation unterschlägt das. Dazu kommt, dass jenes «Lastminute» zwar verlinkt ist, aber anders als die Trefferüberschrift. Mich verwirrt das.

Links zu Anchors in der Treffer-Page (lanciert am 25.09.2009)

Vom Erscheinungsbild her den etwas älteren One-line Sitelinks zum Verwechseln ähnlich (s. unten), strukturell ganz anders gelagert:

Named Anchor Tags: Verlinkung zu einzelnen Paragraphen innerhalb einer Treffer-Page

Hier hat Google Anchor Links identifiziert, die den User einen bestimmten Absatz direkt auf der Page ansteuern lassen, und verlinkt sie gleich in der Trefferliste. Potenziell hilfreich, aber ein arges Gedränge; und ich frage mich, wie der User darauf reagiert, wenn er klickt und mitten in der Page landet. Wird das verstanden? Google testet ja jede Neuerung ausgiebig anhand einer Portion seiner User, also kann man davon ausgehen, dass dieses Feature als nützlich empfunden wird.

One-line Sitelinks (lanciert am 16.04.2009)

Zusätzlich zu den normalen Sitelinks, die vor allem bei Brand-Suchen eingeblendet werden, kriegt man heute auch bei generischen Suchabfragen manchmal die «One-line Sitelinks» zu sehen:

One-line Sitelinks

Das kann nützlich sein (allerdings nur in dem Mass, in dem ein Website-Betreiber seine Sitelinks auch pflegt). Aber es ist ein Gedränge – meine Klickentscheidung muss sich da zwischen sehr eng gesetzten Buchstaben und Zeilen durchwinden. Subjektiver Eindruck: Ich klicke fast nie auf One-line Sitelinks (zugegeben: Das sagen die meisten Leute auch über AdWords…)

«Focus on the User»

Wie weiter oben erwähnt: Das mag alles wechselweise hilfreich, beeindruckend, zukunftsträchtig, nett oder alles zusammen sein – aber es ist zu viel aufs Mal! Google stand (und steht) unter anderem für einfache Bedienbarkeit. Mir will fast scheinen, es ertrage jetzt nicht mehr viel, und mit ebenjener Einfachheit sei es vorbei. Mehr Links, mehr Features sind nicht zwingend gleichbedeutend mit mehr Optionen. Das wären sie bloss dann, wenn sie tatsächlich optional wären.

«Focus on the user and all else will follow», lautet das erste der 10 Google-Gebote. Ich wollts bloss erwähnt haben.

Ein Kommentar auf «Über 50 Links pro Suchabfrage – Google übertreibt»

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  • Fort Bob

    28. Dezember 2009, 11:27

    I’m not sure if someone who reads so many results pages (including myself) is the best person to give an opinion about what the average user thinks. Personally, I don’t think these new features reduce the readability of the results page – it’s still easy to skim through results without distraction from extra bits of information.

    I do find it distracting when features are not triggered consistently (we’ve seen this in the case of Regional Tags) – I find site hierarchies / breadcrumbs http://googleblog.blogspot.com/2009/11/new-site-hierarchies-display-in-search.html
    can also be distracting – why are they triggered for some sites and not for other? If they are only shown for such a small percentage of results, do they add something to the experience as a whole?

    Additionally, and unlike Regional Tags, I don’t see how webmasters are able to influence whether their site shows site hierarchies or not – surely there should be some documentation for this – this would help increase the percentage of results showing site hierarchies.

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