Ich kann mich noch gut an die Wochen nach der Gründung unserer Firma erinnern: Stapelweise schleppte der Pöstler Einzahlungsscheine von Verzeichnisschwindlern an, die mit handelsregisterartigem Anstrich von unserem jungunternehmerischen Drive zu profitieren trachteten.
Im Internet gibts das natürlich auch. Hier wollen die Schelme allerdings nicht mit dem Handelsregister verwechselt werden. Sondern mit Google. Besonders hartnäckig: Die Yellow Publishing Ltd. Eine Website führen die Leute nicht, aber sie schicken uns – und nicht nur uns – mit schöner Regelmässigkeit ein Fax mit einem tollen Angebot:
«Datenmeldung an www.google.ch». Beizeile: «Ohne zusätzliche Kosten für registrierte Unternehmen.»

Nun gut, ein Eintrag bei Google kostet zwar sowieso nix, aber dafür beschert mir das Fax auch kaum Arbeit: Ich muss bloss meine Unternehmensdaten sowie die Suchbegriffe eintragen, mit denen ich gefunden werden will. Nur: Mit jenen Suchbegriffen werde ich anschliessend nicht unbedingt bei Google gefunden, aber dafür im bekannten und beliebten Verzeichnis namens made-in.cc. Und das kostet im Unterschied zum Google-Eintrag happig Geld: CHF 2’136.-, mindestens.
Zwar suggerieren sowohl die oben zitierte Beizeile als auch ein fettgedrucktes «kostenfreie Zusatzleistung» im kleingedruckten Lead (wo keineswegs fett auch steht: «Diese Anmeldung ist kein Angebot der Google Inc.»), die Dienstleistung sei gratis. Doch ganz unten, in einem grossen Textblock mit vielen kleinen Buchstaben, verbirgt sich folgende Information:

«[Das Unternehmen] (…) erteilt hiermit den Auftrag zur Weitergabe der relevanten Informationen an Google und zur Eintragung dieser Daten in das Online-Branchenverzeichnis www.made-in.cc.» Und weiter: «[Die Eintragung] erfolgt für eine fest vereinbarte Vertragslaufzeit von 2 Jahren zu einer Gebühr von SFR 89.- per Monat. (…)».
Vielen Dank auch. Die beiden Tausender bezahle ich also für den Eintrag in made-in.cc. Dessen Claim lautet «for transparency», und die potemkin’sche Website macht sogar was her. Der Google-Eintrag hingegen, der ist tatsächlich gratis. Also ganz so wie versprochen. Man muss bloss richtig lesen.
Wie justiziabel sowas ist, weiss ich nicht, aber immerhin verurteilte das Bundesgericht letzten Oktober eine geistige Schwester der Yellow Publishing Ltd.
Directories übrigens hat dankenswerterweise eine Liste von bekannten Adressbuchschwindlern publiziert, Yellow Publishing Ltd. inklusive – und in deren Fall prüfe Google, gab Sprecher Matthias Graf vergangenen Januar zu Protokoll, rechtliche Schritte.

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