Google Trends hat am vergangenen Wochenende eine hochinteressante Erweiterung erfahren: Mit «Google Trends for Websites» liefert das Tool neu auch Angaben zu Traffic-Zahlen. Spannend und problematisch zugleich.
Mit Google Trends for Websites liegt der erste Service vor, der Traffic-Zahlen auch für Websites in unseren Breitengraden liefert.
Amazons Alexa-Daten waren seit jeher mit Vorsicht zu geniessen, bei anderen Anbietern wie Quantcast rutschten selbst grössere Schweizer Sites unter die Wahrnehmungsschwelle.
Nicht so bei «Google Trends for Websites» – dort werden scheinbar Daily- Unique-Visitors-Werte ab 1’000 ausgewiesen (Hinweis: Eine beschriftete Achse sieht man erst nach Einloggen in den Google Account).
Das Tool liefert folgende Infos:

Woher die Daten stammen und weitere Informationen finden sich auf der entsprechenden Help Page.
Stimmen die Zahlen?
Die Werte zu plausibilisieren ist einigermassen schwierig. Der Vergleich mit den NET-Metrix-Zahlen der WEMF etwa ist problematisch:

«Unique Clients» und «Daily Unique Visitors» sind nicht ganz dasselbe – und prompt verschieben sich die Werte massiv. Verglichen mit Werten von Google Analytics (man verzeihe, wenn ich hier auf konkrete Beispiele verzichte) liegen die Trends-Werte in der Regel zu tief, und zwar um bis zu 50%.
Transparenz und ihr Fun-Faktor
Dennoch: «It’s a lot of fun», wie Googles Matt Cutts bemerkt. Für den einzelnen Anwender stimmt das vollkommen, für Agenturen nicht minder, und beim Schneuggen in Daten der Konkurrenz dürfte so mancher einen Lustgewinn verspüren.
Die Kehrseite ist natürlich, dass eigene Daten, die man der Konkurrenz gerne vorenthielte, genauso umstandslos sichtbar sind. Zum Beispiel sehen plötzlich alle, ob ein Relaunch Erfolg hat, oder ob man es – anderes Beispiel – beim Euro-Sponsoring möglicherweise versäumt hat, die Sache online abzuschöpfen.
Und auch Werbeplattformen könnten plötzlich Erklärungsnotstände ausrufen: Wie viele Visitors einer Plattform, deren Views ich bezahle, stammen tatsächlich aus meinem Zielmarkt? Beim Blick zum Beispiel sinds – jedenfalls laut Google Trends – deutlich weniger als die Hälfte:

Blick.ch, Google Trends for Websites (All Regions): gegen 140’000 Daily Unique Visitors.

Blick.ch, Google Trends for Websites (Switzerland): Aus der Schweiz stammen davon ca. 40’000.
Beim Festsetzen eines TKP, den ein Werbekunde zu bezahlen gewillt ist, ist das möglicherweise nicht unwichtig. In den Traffic-Infos des Blick steht jedenfalls nichts dergleichen, bloss eine Stadt-Land-Unterscheidung wird gemacht. Und NET-Metrix gibt den Blick-Anteil «Provider User in CH/FL» mit 85%-89% an. Und? Was stimmt jetzt?
Auch ein Vergleich zwischen klassischen Werbeausgaben und Online-Besuchen liegt plötzlich drin:

Die Migros, nach allgemeiner Erkenntnislage der grösste Werbeauftraggeber der Schweiz, scheint also in der Rechnung «Marketing-Franken pro Online-Besucher» ziemlich arg hinter Coop herzuhinken.
Fun, indeed. Ob das Blick, Sunrise, Migros, Coop und deren Media-Leute auch so sehen, darf bezweifelt werden.
Kommt man da raus?
Nicht wirklich: Ein Opt-Out wird derzeit nicht angeboten, und einzig das Aussperren sämtlicher Bots mittels robots.txt würde die Daten unsichtbar werden lassen. Das aber wäre mit der lästigen Nebenwirkung behaftet, dass man auch in der Google-Suche unsichtbar würde. Da wird Google wohl noch nachlegen müssen.
Und irritierenderweise zeigt just ein Unternehmen seine Traffic-Daten (derzeit jedenfalls) nicht an:


© 2010
24. Juni 2008, 21:12
Das ist in der Tat sehr interessant.
Siehe dazu auch meine Gedanken bezüglich der Richtigkeit dieser neuen Funktion im Vergleich mit drei Websites:
http://www.onlinemarketingreport.ch/google-trends-for-websites.html
25. Juni 2008, 8:01
[...] so interessant ist, dass ich mir auch meine eigenen Gedanken erlaube. Google Trends for Websites (Post von Lukas Stuber) zeigt Websites mit täglich über 1000 Unique Visitors an. Das Ranking von Alexa hat mich nie ganz [...]