AdWords und Organic Listings: Kein Zusammenhang

Mittwoch, 27. Mai 2009 | Von: | Kategorie: Google AdWords, Suchmaschinenoptimierung | 1 Kommentar

Das Gerücht lässt sich offenbar nicht ausrotten: Wer bei Google eine AdWords-Kampagne buche, beeinflusse damit auch seine Rankings in den Gratis-Listings. Dass sämtliche unter Eid abgegebenen Google-Statements und alle bekannten Messungen das Gegenteil zeigen, scheint irgendwie egal zu sein.

Von all den verschiedenen Varianten dieses Gerüchts ist die folgende am populärsten:

Google versenke Websites in den Trefferlisten, um deren Betreiber zum Buchen von AdWords zu zwingen.

Ihre Hausse erlebte diese Behauptung vor ziemlich genau zwei Jahren, als Google in manchen Trefferlisten dummerweise einen internen «GG-Score», Page-View-Werte und zusätzliche Klassifizierungen einblendete, was den Verdacht nahelegte, jedem Gratis-Listing werde intern ein monetärer, aus AdWords extrahierter Wert zugewiesen, was zeige, dass Google gute AdWords-Kunden bevorzugt behandle oder benachteilige oder was auch immer, auf jeden Fall: QED.

Matt Cutts dementierte damals umgehend, und angeblich (eine Originalquelle habe ich nicht entdecken können) hat Google auch vor der Federal Trade Commission unter Eid ausgesagt, AdWords und Organic Listings seien komplett voneinander getrennt.

Google wird genutzt, weil die Treffer gut sind

Gerade kürzlich kam die Behauptung anlässlich eines Internet-Briefing-Referats im Plenum auf, an vielen Tischen wurde genickt; und in meinem Google Reader sprang mich gestern ein Artikel an, in dem diese alte Ente wieder mal quakt.

Ich halte das alles für Quatsch.

Was ist Googles Kerngeschäft? Die kostenlos zu benutzende, organische Suche. Die User besuchen Google nicht deshalb in Massen, weil AdWords hübsch anzuschauen sind, sondern weil man bei Google innerhalb nützlicher Frist relevante Informationen zu so ziemlich allem finden kann. Das funktioniert deshalb so gut, weil Googles Index riesig und der Ranking-Algorithmus, allen Unkenrufen und allem Spam-Treiben zum Trotz, ziemlich robust ist. Die User nutzen Google, weil die Gratis-Treffer gut sind, was letztlich den einen oder anderen AdWords-Klick abwirft, womit Google sehr viel Geld verdient.

Würde Google seinen Ranking-Algorithmus nun mit AdWords-Parametern ausstatten – also z. B. mit einem Mechanismus, der Websites im Ranking bestraft, sofern sie keine AdWords gebucht haben – so würde die Qualität der Gratis-Listings, also das Kerngeschäft selber beschädigt, und zwar massiv: Denn bis so etwas tatsächlich auf die Bilanz durchschlägt, müsste es im ganz grossen Stil betrieben werden.

«Umsatzverdreifachung dank Manipulation»

Der oben schon mal verlinkte Andrew Lehman beispielsweise macht folgenden argumentativen Dreh:

«Google decided to go public in 2004. On November 15, 2004, they enacted the first of several major algorithm changes, pushing many of the optimized sites from top positions (…). The result was an overnight tripling of Google revenues

Eine völlig unzulässige Kausalbildung: Google steigert seinen AdWords-Umsatz deshalb ständig, weil AdWords funktionieren. Und AdWords funktionieren unter anderem deshalb, weil die organische Suche tipptopp klappt.

Würde Google die Gratis-Listings auf AdWords-Umsätze drillen, wie Lehmann behauptet, wäre die Service-Qualität kompromittiert und Google würde zwingend schlechter. Würde Google aber schlechter, blieben die User aus, was weniger Klicks auf AdWords nach sich zöge und den Umsatz zurückgehen liesse: ein klassischer Beinschuss.

Was aber indirekt stimmt: AdWords können Links generieren

Umgekehrt – so wird jedenfalls da und dort berichtet – würden manche Suchmaschinenmarketer AdWords-Kampagnen mit dem Argument zu verkaufen versuchen, man booste damit seine Gratis-Listings.

Das ist natürlich unseriös und genauso Blödsinn – und hat dann via Hintertür doch etwas Wahres: Google sortiert Websites nach deren Popularität, gemessen am Grad und an der Qualität der externen Verlinkung. Und ein grosszügiges Marketing-Budget kann die Popularität befördern: Wer intensives Online Marketing mit allen Facetten – also gerade auch mit AdWords – betreibt und einen unübersehbaren Digital Footprint hinterlässt, der steigert gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit, wahrgenommen, rezipiert und womöglich verlinkt zu werden. Und das verbessert bekanntlich die Rankings.

Dass aber das Buchen einer AdWords-Kampagne die Ursache steigender oder fallender Rankings sein soll, glaube ich keine Sekunde.

Ein Kommentar auf «AdWords und Organic Listings: Kein Zusammenhang»

Eigenen Kommentar schreiben

  • [...] Die Logik ist betörend: Wer AdWords bucht, manipuliert Google, das von AdWords lebt. Und wie verhält sich das mit jenen Firmen, die auf Spiegel Online werben? Manipulieren die den Spiegel? Die Frage meine ich ernst: Unabhängigkeit von den Inserenten ist eine der Grundbedingungen journalistischer Arbeit. Es ist zufälligerweise auch eine Grundbedingung des Google-Erfolgs. [...]

Schreiben Sie einen Kommentar





 
Google Adwords Certified Partner