Rechtliche Herausforderungen für Schweizer Online-Shops

Mittwoch, 6. November 2013 | Von: | Kategorie: E-Commerce | 0 Kommentare

Schweizer Konsumenten sind beim Online-Shopping gesetzlich weit weniger geschützt als die Nachbaren in den umliegenden EU-Ländern. Werden internationale Shops in der Schweiz aktiv, so sichern sie den hiesigen Käufern meist freiwillig die strengeren Konsumentenrechte zu. Am Markt etablieren sich somit höhere Standards. Yourposition hat den Rechtsanwalt Lukas Bühlmann zu einem Interview getroffen.

Welche rechtlichen Probleme identifizieren Sie häufig bei Schweizer Online-Shops?

Lukas BühlmannLukas Bühlmann: Häufige Fragestellungen tauchen im Zusammenhang mit der korrekten Preisangabe auf. Oft werden die Versandkosten zu wenig transparent ausgewiesen. Auch die Ausgestaltung der AGB und deren gültiger Einbezug ist regelmässig kein Selbstläufer. Damit der Vertrag unter den vom Shop-Betreiber gewünschten Bedingungen zustande kommt, ist ein gültiger Einbezug der AGB erforderlich. Voraussetzung hierfür ist beim Online-Vertragsschluss ein rechtzeitiger Hinweis auf die Geltung der AGB. Dieser Hinweis muss vor Abgabe der Bestellung erfolgen und der Kunde muss die Möglichkeiten haben, die AGB zu lesen. Eine grosse Herausforderung stellen zudem Bestellungen für nicht mehr lieferbare Artikel dar, denn es kann durchaus sein, dass mit der Bestellbestätigung bereits ein gültiger Vertrag mit einer Lieferpflicht zustande kommt.

Das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) und die Preisbekanntgabeverordnung (PBV) wurden im April 2012 angepasst. Wie tangiert dies Schweizer Shop-Betreiber?

Online-Shops sind seither unter anderem zur Angabe eines Impressums und zur unverzüglichen, elektronischen Bestätigung einer Bestellung verpflichtet. Bei der Umsetzung dieser Anforderungen muss sichergestellt werden, dass nur Bestellungen automatisiert bestätigt werden, nicht aber der Vertragsschluss. Es kommt also auf das richtige Wording an.

Im Online-Marketing sind Promotionen und Gewinnspiele beliebte Mittel, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Was gilt es hier zu beachten?

In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass sich die Veranstalter der mit einem Gewinnspiel verbundenen finanziellen und rechtlichen Risiken nicht bewusst sind. Beispielsweise kann das Anbieten von Gewinnspielen mit Busse bestraft werden, wenn die Teilnahme daran an einen Kauf gekoppelt ist. Dies hat zur Folge, dass die Veranstaltung eines Gewinnspiels nur zulässig ist, soweit die Teilnahme daran unentgeltlich ist, d.h. eine Teilnahme ohne den Abschluss eines Rechtsgeschäfts möglich ist. Dieser Umstand ist vielen Online-Händlern nicht bekannt.
Neben der Einhaltung dieser Vorschriften sind zudem die Anforderungen des Datenschutzgesetzes an die rechtmässige Bearbeitung von Kundendaten zu beachten. Die Erstellung einer Datenschutzerklärung ist oft schwieriger, als man zuerst denkt. Oft finden Datenbearbeitungen im Sinne des Gesetzes statt, ohne dass sich der Shopbetreiber dessen bewusst ist.

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Google Tag Manager – Digital Analytics ohne IT?

Montag, 21. Oktober 2013 | Von: | Kategorie: Tag Management, Web Analytics | 1 Kommentar

Ein gutes Jahr ist es her, seit Google den Google Tag Manager einem Markt präsentierte, in dem das Thema Tag Management Systems noch weitgehend unbekannt war. Wie der Name schon verrät, ist der GTM als „Tag-Container“ zu verstehen, aus welchem diverse Codes zentral ausgesteuert werden können. Dies soll die Übersicht der Codes auf der Webseite gewahren und IT-Aufwände minimieren.

“Mit dem Google Tag Manager können Sie ihre Website-Tags und mobilen Anwendungen hinzufügen und aktualisieren – einfach und kostenlos, wann immer Sie wollen, ohne die IT-Abteilung einzuschalten.”

Das hört sich doch an, wie das Paradies für Digital Marketers! Einfach publishen was das Zeug hält!

Letzten Monat kommentierte Google: “We’ve seen impressive growth since the beginning of the year, with nearly 300% growth in traffic and 120% growth in enterprise customers.” Tag-Management-Systeme sind heute im Umfeld des Digital Analytics kaum noch wegzudenken. Doch hält das Tool, was es verspricht? Ist es so einfach zu bedienen und ohne Risiken?

In den letzten Monaten konnte ich in diversen Projekten meine Erfahrungen und Erkenntnisse mit dem Google Tag Manager sammeln. Hier einige Learnings: weiterlesen

TV Tracking: Online-Wirkung von TV-Werbung

Montag, 30. September 2013 | Von: | Kategorie: Digital Marketing, Google AdWords, Web Analytics | 1 Kommentar

Wer TV Spots schaltet, verfügt idealerweise über eine mobile Website, eine AdWords-Kampagne, die die Spot-Inhalte aufgreift, und über eine solide Remarketing-Strategie. Sonst verpufft viel Wirkung. Dies das Ergebnis unserer Fallstudie zu TV-Werbung und ihrem Online-Effekt.

Bei TV-Werbung geht es um viel Geld: Laut Mediafocus wurden im ersten Halbjahr 2013 gut 1.2 Mia. Franken in TV-Einschaltungen investiert, dem ganzen Messdebakel zum Trotz.

Zugleich wird trotz dieser Investitionsgrösse und trotz markant verändertem Medienverhalten der Bevölkerung kaum gemessen, welchen Impact TV-Werbung auf den Website Traffic hat. Dabei geben heute bereits 59% aller Fernsehzuschauer an, mindestens gelegentlich TV und Internet parallel zu konsumieren. Diese Parallelnutzung lässt sich anhand zahlloser Beispiele aufzeigen: Wird in der Quizsendung «Wer wird Millionär?» gefragt, welcher Berufsstand einen «Râteau» verwende, schiesst die Suchhäufigkeit dieses Begriffs bei Google umgehend hoch.

Die Hypothese, derlei Effekte würden auch durch TV Spots erzielt, liegt nahe. Folglich könnten Traffic-Messungen sehr wohl dazu beitragen, die Wirksamkeit von TV-Einschaltungen zu bewerten. Tools etwa von intelliAd oder Refined Labs führen derlei Messungen schon heute nahezu vollautomatisch durch und kalkulieren den Traffic Lift, den TV-Kampagnen generieren. Dennoch ist TV Tracking hierzulande eine Seltenheit. Zu Unrecht, wie unsere Fallstudie zeigt.

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Yourposition am Nabel der digitalen Welt – dmexco 2013

Mittwoch, 25. September 2013 | Von: | Kategorie: Digital Marketing | 0 Kommentare

Die Welt des digitalen Marketings traf sich auch dieses Jahr am 18./19. September wieder in Köln. Das diesjährige Thema der dmexco “Turning Visions into Reality” zog uns fast magisch an. Jedoch nicht nur uns…

(Von Zsuzsanna Balazs und Simon Griesser)

Besucherrekord

Congress HallKostenlose Messe und Konferenz – grundsätzlich ja ein phantastisches Konzept. Allerdings scheint dieses etwas gar erfolgreich zu sein, die über 26‘000 Besucher aus 80 verschiedenen Ländern auf  über 57’000 m² Expofläche, stellen einen neuen  Rekord dar. Die damit einhergehenden Probleme waren vielfältig: Monate im Voraus ausgebuchte Kölner Hotels, Verkehrsstau vor dem Messegelände, überfüllte oder gar nicht mehr zugängliche Konferenzsäle (leider funktionierte auch die Liveübertragung der Congress Hall nicht immer – was bei einer Digital Messe etwas ironisch wirken könnte) sowie zusammengebrochenes WiFi und abstürzende dmexco-Apps. Wir scheiterten des öfteren an den “Türstehern” vor den Hallen und Seminarräumen.

Messe

Rot-Weisser Gemeinschaftsstand742 Aussteller aus 26 Ländern tummelten sich auf 57’000 m² Expofläche. Ja, alles neue Rekorde für die dmexco – obwohl nur 3 der insgesamt 11 Hallen der Koelnmesse genutzt wurden. Zum ersten Mal gab es sogar einen rot-weissen Gemeinschaftsstand von IAB Switzerland und IAB Austria. Unter den Schweizer Ausstellern waren adisfaction, admazing, adresult,  Goldbach Audience, NetProfit, NZZ-Netz Werbemarkt, Omnimedia, Ringier, Stailamedia, Swisscom und Zattoo Schweiz. Aber auch sonst waren unzählige internationale Aussteller vertreten, die den Beweis für das hohe Ansehen der dmexco weltweit lieferten. Besonders die Bereiche E-Commerce und Mobile verbuchten ein Wachstum an der Messe.

Konferenz

Die Pannel-Diskussionen in der Congress Hall waren zum Teil hochkarätig besetzt und die Titel (wie z.B. “Calling for a new age of imagination”) lockten unglaubliche Menschenmassen an. Es wurde viel diskutiert über Kreativität und Visionen in den Digitalen Medien sowie über die Nicht-Trennbarkeit von Off- und Onlinemedien. Aber es wurde auch viel reflektiert und über das eigene Selbstbild der gesamten Branche philosophiert.

In den Seminarräumen war die Qualität der Referate durchzogen. Sie reichte von simplen Firmen- und Software-Präsentationen bis hin zu wirklich hörenswerten Beiträgen und Diskussionsrunden. Als Trend konnte hier Big Data, Content Marketing und Social Media ausgemacht werden. Die Referate fielen nicht gerade durch knackige Bezeichnungen auf. Als Titel prangte im Programmheft jeweils der Firmenname, gefolgt von einer Beschreibung. So nannten sich zwei herausragende Veranstaltungen etwa „Suchmaschine oder Freund? Content Marketing im Kontext von Empfehlungen, Social Search und Storytelling“ oder „Quantcast will demonstrate why the industry hast to move away from last touch and strive for a more transparent attribution model“.
Einige Vorträge sind auf dem YouTube Channel der DMEXCO zu finden.

Standpartys

StrombergWas wir aus der Schweiz nicht so kennen (leider, muss man sagen), sind die Standpartys an Messen. Eine feine Sache: Um ca. 18 Uhr rüsteten viele Stände auf zu regelrechten Event Locations mit DJs, reichlich Alkohol und Snacks. So kann von Stand zu Stand gehend gefeiert und Networking betrieben werden. Es traten diverse Promis auf den Plan wie der Kaiser aka Franz Beckenbauer oder etwa der Musiker Gil Ofarim, das YouTube Sternchen MaximNoise oder Christoph Maria Herbst (besser bekannt als „Stromberg“), der eine launige Rede rund um das Internet hielt (Von dem er übrigens auf dieser Messe dermassen überzeugt wurde, dass er sich nun auch eins kaufen will!). Auch sonst boten die Standpartys einiges an Überraschungen, so waren etwa Wrestler und Bayern zugegen, und an einem Stand wurden wir gar mit einem Herz beehrt, aus Lebkuchen zwar, aber immerhin – es ist schliesslich Wiesn-Zeit.

Partys

Die in- und offiziellen DMEXCO-Partys sind, was man so liest, ziemlich legendär. Und früh ausgebucht. Uns verschlug es mit etwas Glück an die OVK-Party auf der „Ocean Diva“, einem Schiff auf dem Rhein. Ein Glücksgriff, wie sich herausstellte: Leckeres Essen, Drinks, fröhliche Leute und vor allem eine Band, die tüchtig einheizte. Bestimmt die beste DMEXCO-Party in dieser Nacht.

Nach der dmexco ist vor der dmexco

Die dmexco 2014 findet am 10. und 11. September in Köln statt – wir werden wieder dabei sein.

Kontextualisierung als Königsdisziplin des Marketers: über Korrelation, Kausalität und die suggestive Macht der Daten

Freitag, 30. August 2013 | Von: | Kategorie: Online Marketing, Web Analytics | 1 Kommentar

Online-Marketing-Experten sind der Meinung, dass bis zu 40 Prozent der Marketing-Budgets in Unternehmen nicht sinnvoll eingesetzt werden. Dies erstaunt sehr, reichen doch die Datenmengen zum Konsumverhalten, die tagtäglich generiert und gespeichert werden, längst bis ins Unermessliche.

Es gibt kaum eine Marketing-Fachveranstaltung, in denen Big Data und Data Mining nicht an vorderster Front proklamiert und diskutiert werden. Daten, da sind sich die Fachleute seit vielen Jahren einig, sind “das neue Öl”. Marketing wird immer messbarer, es gibt kaum einen Interaktionspunkt mit dem Kunden, dem Markt und den Produkten selbst, der nicht umfangreich gespeichert wird. Wie also ist dieser erschreckend hohe Anteil ineffizienter Marketing-Budgets zu erklären, wenn es doch keine grosse Herausforderung mehr darstellt, eine nie dagewesene Vielzahl an relevanten Datenpunkten zu generieren und zu sammeln?

Bereits vor gut einem Jahrhundert wurde evident, dass Marketing (i.e. Werbung) nicht immer zielgerichtet und effizient ist. “Half my advertising is wasted, I just don’t know which half.” (John Wanamaker, 1838-1922). Ich denke, damals war das Hauptproblem das Fehlen der Daten.

Das Problem heute ist ein Anderes: Daten sind bereits genug da, es mangelt aber an “Kontext” Um aus dem Rauschen des Datenbergs sinnvolle und aussagekräftige Analysen und Handlungsempfehlungen herauszuarbeiten, bedarf es der Einbettung der Daten in relevante Sinnzusammenhänge hinter diesen Informationen.

Korrelation ≠ Kausalität: Über Browser, Verbrechen, Störche und Babys

Kürzlich stolperte ich im Sozialen Netzwerk meiner Wahl über folgende Grafik:

IEvsMurderRate

Hier handelt es sich natürlich (zumindest für mich) um völligen Quatsch – aber es zeigt eigentlich ganz gut das zentrale Problem im Zeitalter von “Big Data” auf [abgesehen davon, dass wir es hier zusätzlich noch mit einer manipulativen Achsen-Festlegung zu tun haben, die eine parallele Korrelation suggeriert]:

Wenn man nur genug Daten hat, lassen sich immer Korrelationen finden, und damit auch Nebelbomben.

Nebenbemerkung: Um die Korrelation in diesem Falle zu überprüfen (und letztendlich entkräften), bedürfte es enorm viel Recherche – denn hier prallen Datenmengen aus komplett unabhängigen Sinnzusammenhängen und Bereichen aufeinander. Ohne diesen Kontext nun zu analysieren, wage ich die These, dass hier nicht nur keinerlei kausale Verbindung vorliegt, sondern auch dass die Korrelation rein zufällig und willkürlich ist. Eine über viele Ecken indirekte Verbindung mag durchaus vorliegen, z.B. in einer der Ursachen für beide Trends: zunehmende Technologisierung (sichtbar in bewusster Entscheidung der Nutzer für einen Browser ihrer Wahl) korreliert in aller Regel auch mit zunehmendem Wohlstand, was in aller Regel die Verbrechensrate sinken lässt.
Die Identifikation einer solchen indirekten Verbindung, wenn sie denn vorliegt, würde uns jedoch in der Praxis des Data Mining keinerlei Mehrwert generieren, und kann getrost auf wissenschaftlich-theoretischer Ebene weiterdiskutiert werden.

Es geht darum, den Daten “Kontext” zu geben

Eine vielleicht engere Verbindung von korrelierenden Daten kann man im folgenden Beispiel des durchaus wissenschaftlichen (!) Diskurses um die “Theory of the Stork” erkennen. Zwischen den Jahren 1965 und 1980 wurde eine beeindruckende Korrelation zwischen der Entwicklung der Geburtenrate und dem Vorkommen von Storchenpaaren in Niedersachsen (D) entdeckt, was für eine Reihe an folgenden Untersuchungen und Erklärungsversuchen sorgte.

StoercheBabys

Inhaltliche Quintessenz des Diskurses, und damit der “Kontext” scheint zu sein: beide Phänomene (Störche und Neugeborene) sind in gewisser Weise abhängig vom Grad der Urbanisierung. Auch hier haben wir es wie beim Browser/Mord-Beispiel also mit einem selbstverständlich nicht kausalen, im besten Falle aber indirekten Zusammenhang über gemeinsame Einflussfaktoren zu tun.

Aktuelle Kontroverse: Korrelation-vs-Kausalität in der Suchmaschinenoptimierung

Im Bereich Suchmaschinenoptimierung gibt es derzeit eine interessante Diskussion zu Korrelation vs. Kausalität. Hiessen die Untersuchungen der renommierten amerikanischen SEO-Plattform moz.com früher “Ranking Factors”, wurde der Korrelations-/Kausalitäts-Problematik Rechnung getragen, indem die Publikationen Anfang des Jahres in “Correlation Metrics” umbenannt und das Problem thematisiert wurde (ähnlich auch beim Technologieanbieter Searchmetrics).
Ironie an der Sache: aktuell ist moz.com jedoch selber vermutlich Opfer von falsch interpretierter Korrelation. Sie haben herausgefunden, dass es eine verblüffende Korrelation zwischen Google +1 Bewertungen und Rankings in Suchergebnissen gibt und legen daher nahe, dass hier auch eine Kausalität besteht: mehr +1 führe zu besseren Rankings.

Googles Chef-Webspam-Bekämpfer Matt Cutts hat darauf sofort reagiert, und einer Kausalität klar widersprochen. Es herrsche eine einfache Korrelation zwischen hohen Rankings und vielen +1: je besserer der Content, desto besser das Ranking und umso mehr +1.

Gefahr der Misinterpretation von Korrelationen beim Qualitätsfaktor (QS) im AdWords

Heute las ich einen Blogbeitrag, der sich der immer wieder aktuellen Debatte um den Qualitätsfaktor durchaus pragmatisch nähert; insgesamt schlüssig zeigt dieser wichtige Einflüsse beim Qualitätsfaktor auf. Aber an einer Stelle kommen wir zu einem in diesem Zusammenhang interessanten Punkt: “Not only is QS directly related to your actual costs per click, but also to your Cost-per-Order (CPO).” (Der Text bezieht sich an diesem Punkt auf eine Analyse zu Qualitätsfaktor und Keywords auf Searchengineland von Larry Kim, in der dieser “a very strong relationship between average cost per conversion and average Quality Score” findet).

Hier ist meiner Meinung nach aber Vorsicht geboten: die obige Aussage der direkten Relation zwischen CPO und QS steht als einer von “six facts” inmitten von kausalen Zusammenhängen bzw. Wirkungs-Mechanismen (CTR, Keyword-Text-Relationen, Positions-Normalisierung, Minimum Bids bei schlechter Qualität usw.). Hier suggerieren also zwei Faktoren eine kausale Verbindung von CPO und QS: erstens die Bezeichnung “directly related” und zweitens die Position der Aussage inmitten der Argumentationskette bzw. Aufzählung von “Fakten”.

Viel wichtiger als “Fact” wäre hingegen genau das, was weiter unten im Blog steht: “… conversion rate doesn’t factor into QS”. Die Relation zwischen CPO und QS ist beileibe keine direkte und kausale – sondern es herrscht eine reine Korrelation, welche auch in einem Nebensatz bei Searchengineland thematisiert wird: “I found that high Quality Score keywords converted only very slightly better than low Quality Score keywords, meaning that the huge reductions in CPA were being primarily driven by the CPC savings (or increased click costs) — which are a direct result of your Quality Score.”

Insofern (und da haben beide Blogs selbstverständlich absolut Recht): optimiert den Qualitätsfaktor, und dann bessert sich auch der CPO – aber nur, weil der CPC sinkt. Ein per se nicht konvertierendes Keyword (z.B. aufgrund des schlechten Angebots dahinter) wird hingegen nicht durch Erhöhung des Qualitätsfaktors (z.B. durch CTR-Erhöhung) zu einem besseren bzw. guten CPO führen. Es liegt also kein direktes Kausal-Verhältnis vor.

Kreative Königsdisziplin für Marketer: “Kontext” herstellen

Zum datengetriebenen Marketing gehört neben den allgemein banalen Grundlagen “richtiges Messen”, “Trends erkennen” und “Korrelationen aufzeigen” insbesondere also auch “Kontext herstellen” – denn sonst werden all die für sich genommen korrekten Daten schnell zum Holzweg.

Mit anderen Worten: Ein Marketer für regionales Bevölkerungswachstum sollte nicht versuchen, mehr Storchenpaare anzusiedeln, nur weil die Daten dies zunächst suggerieren. Er muss vielmehr die wahren Gründe für Geburtenrückgang im Kontext verstehen und mit entsprechenden Massnahmen die Attraktivität des Kinderbekommens erhöhen, um Wachstum zu erreichen.

Der Weg des datengetriebenen Marketings implizierte bislang vielfach auch eine sehr nüchterne, statistisch-mathematische, fast technokratische Sicht auf die Tätigkeit des Marketers. Die Aufgabe aber, “Kontext” in all die Daten zu bringen erscheint mir jedoch als eigentliche Königsdisziplin des datengetriebenen Marketings.

Dies sollte doch den Marketer freuen – erstens da er doch nicht nur eine Marionette der Daten ist sondern vielmehr kreativ kontextualisiert, und zweitens da er seine 40% Fehlinvestitionen reduzieren kann.

«Paid & organic»-Report: SEO-Daten im AdWords Account

Freitag, 23. August 2013 | Von: | Kategorie: Google AdWords, Suchmaschinenoptimierung | 1 Kommentar

Google hat in den AdWords Accounts einen neuen Report lanciert: Den «Paid & organic»-Report, im deutschen Interface als «Bezahlte und organische Suche» bezeichnet. Der Report zeigt pro Suchbegriff auf, wie oft ein Werbekunde nur mit einem AdWord, nur mit einem Organic Listing oder mit beidem präsent gewesen ist und wie sich die Klickraten je nach Fall verhalten.

Voraussetzung für diesen Report ist die Verknüpfung des AdWords Accounts mit den Google Webmaster Tools. Hat man die Verknüpfung vorgenommen, findet man die Daten unter Dimensionen»:

organic report in AdWords

Quelle: Inside AdWords; click to enlarge

Das kann enorm hilfreich sein: Mit diesen Daten lässt sich erstens die Keyword-Strategie sowohl in AdWords als auch im SEO-Projekt laufend verfeinern, da sich damit Chancen auf beiden Seiten aufspüren lassen. Und zweitens kann man dank diesem neuen Report endlich der alten – und weitgehend überflüssigen – Frage nach der Kannibalisierung zwischen AdWords und SEO zu Leibe rücken.

AdWords nehmen den Gratis-Listings nichts weg

Obwohl Google einigermassen überzeugend nachgewiesen hat, dass AdWords Traffic zu fast 90% inkrementeller Natur ist und den SEO Traffic kaum angreift, halten es viele Werbekunden immer noch für sinnvoll, für top gerankte Keywords keine AdWords zu schalten: «Warum Geld ausgeben für etwas, das man gratis kriegt?» Die Argumentation ist wenig logisch. Zwar mag es zutreffen, dass man bei Brand-Begriffen via AdWords Klicks einkauft, die man dank dem organischen Eintrag ohnehin gekriegt hätte.

Aber:

  1. Selbst bei Brand Keywords findet diese Kannibalisierung nicht zu 100% statt – mehr dazu weiter unten.
  2. Selbst wenn sie zu 100% stattfände, gäbe es noch immer genügend Argumente, weshalb der AdWords-Einsatz von Brand Keywords ein Muss ist.
  3. Bei generischen Keywords stimmt das Kannibalisierungsargument ohnehin nicht.

Die Logik hinter der Annahme, man könne ein generisches Keyword in AdWords pausieren, sobald man einen Topplatz in den Gratis-Listings ergattert habe, ist nämlich kurios. Denn ihr zufolge müssten meine AdWords-Klicks bei Absenz der entsprechenden Anzeige stracks und wundersamerweise nach unten wandern, in die Gratis-Listings. Warum aber sollte das geschehen? Viel plausibler ist doch die Annahme, dass diese Klicks dem Konkurrenten zu Gute kommen, der meinen geräumten Slot dankbar einnimmt.

Aufwändige Tests werden überflüssig

Mit ein paar einfachen Analytics-Übungen liess sich bisher beides – Brand- und generische Kannibalisierung – überprüfen. Stellt man AdWords-Kampagnen kurzerhand ab, sind die Ergebnisse eindeutig: Man büsst etliches an Brand-Traffic und massiv an generischem Traffic ein.

Bei den Brand Keywords wird klar ersichtlich, wie stark die organischen Zugriffe steigen, sobald man die AdWords pausiert; aber es wird auch ersichtlich, dass das Gesamtniveau tiefer liegt:

SEO vs. AdWords: Brand Keywords

Untersucht man den Traffic dank generischen Begriffen, bricht der AdWords Traffic weg, ohne auch nur annähernd von den Organic Listings kompensiert zu werden. Ausgewertet habe ich hier 3 generische Keywords, für die die untersuchte Domain im Messzeitraum gemäss Searchmetrics Rankings zwischen 1 und 3 aufwies:

SEO vs. AdWords: generische Keywords

Hält man den Kopf schief, sieht man einen zeitweiligen, geringfügigen Anstieg der organischen Zugriffe im Testzeitraum. Mehr aber auch nicht.

Eine Transparenz, die den AdWords-Budgets nützen wird

Gewiss: Das oben dargestellte beruht auf einem sehr kleinen Sample, das keine abschliessende Diagnose ermöglicht. Womöglich gibt es trotzdem Fälle, in denen AdWords den organischen Traffic kannibalisieren. Ich vermute allerdings, dass dies bloss sehr vereinzelt geschieht. Und genau das ist das Schöne am neuen «Paid & organic»-Report: dass er diese Fragen abschliessend zu beantworten hilft. Die Transparenz wird den AdWords-Budgets nicht schaden, sondern eher im Gegenteil.

Allerdings: Manche könnten das – wie im Fall von «not provided» – für eine neuerliche Bevorzugung der Werbekunden halten. Dem ist aber entgegenzuhalten, dass die Daten in den Google Webmaster Tools ohnehin allen zugänglich sind.

Einziger Wermutstropfen: Offenbar werden die Werte erst vom Augenblick an verglichen, in dem man AdWords- und Webmaster Tools Accounts verknüpft.

«In-depth articles», Themenseiten & SEO für Publisher

Montag, 12. August 2013 | Von: | Kategorie: Google allgemein, Suchmaschinenoptimierung | 0 Kommentare

Publisher tun sich beim Übergang ins «Neuland» Internet ja bekanntlich ein wenig schwer. Arg gebeutelt von kontinuierlichen Selbstfindungsprozessen, der Ernüchterung nach Inkrafttreten des Leistungsschutzrechts und dem «Totalausverkauf journalistischer Werte» herrscht ein Grundtenor der Ratlosigkeit. Erfolgsgeschichten sind rar und oft teuer erkauft. Da erscheint es wie ein kleines nächtliches Leuchtfeuer, dass Google journalistischen Qualitätsprodukten eine stärkere Präsenz in Suchergebnissen einräumen will.

Ungefähr jede zehnte Suchanfrage, so Google, habe einen thematisch ausgerichteten Fokus: Stammzellenforschung, nachhaltiges Wirtschaften, Abhörskandale, Arabischer Frühling – in allen Fällen richtet sich das User-Suchinteresse weniger auf kurzlebige Nachrichten als auf eine möglichst umfassende Gesamt-Berichterstattung. Um Usern einen schnellen aber fundierten Einstieg in die jeweiligen Themen zu bieten, setzt Google nun auf die Einblendung sogenannter «In-depth articles», die einen vertieften, längerfristig gültigen oder auch kontroversen Überblick über ein Thema bieten. Aussehen kann das dann zum Beispiel so:

Arabischer Frühling

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was Publisher tun können, um mit solchen «In-depth» Artikeln in Suchergebnissen zu erscheinen, beschreibt Google ziemlich konkret:

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AdWords: Sharing-Funktion und Infos zur Einblendung

Dienstag, 6. August 2013 | Von: | Kategorie: Google AdWords | 0 Kommentare

Seit einigen Wochen scheint Google den AdWords testweise eine neue Sharing-Funktion verpasst zu haben, kombiniert mit detaillierteren Infos, warum es zu einer Einblendung kommt:

Google AdWords: Teilen und Infos zum Einblendungsgrund abrufen

Während die Teilen-Funktion* (die nur im eingeloggten Zustand sichtbar wird) wie zu erwarten mit Google+ verknüpft ist, verbergen sich hinter der Frage «Warum sehe ich diese Anzeige?» spannende Infos. Wählt man den Link an, listet Google sämtliche in der aktuellen SERP ausgelieferten AdWords auf und benennt den Grund der Einblendung:

Google AdWords: Warum sehe ich diese Anzeige?

Das legt den Schluss nahe, dass cede.ch und exlibris.ch das Keyword «bücher bestellen online» eingebucht haben, während osiander.de nur dank Broad- oder Phrase-Match-Mechanismen sichtbar wird. Je nachdem wird auch angegeben, dass es sich um eine sitzungsbasierte Einblendung handle, also um eine, die in Abhängigkeit der verschiedenen Queries der letzten Minuten erfolgt.

Damit ist aber auf einmal eine erhöhte Transparenz gegeben, welche Keyword-Strategien die Konkurrenz fährt, wie sorgfältig sie ihr Inventar bearbeitet, und nicht zuletzt auch, ob sie Branded Terms Dritter verwendet. Beispiel «cashgate»:

Google-Suche nach "cashgate": Grund der verschiedenen Anzeigeneinblendungen

Offensichtlich herrscht da munteres Trittbrettfahren. Ob allerdings der Hinweis «Stimmt genau mit Ihrem Suchbegriff überein» tatsächlich den Schluss zulässt, ein Keyword sei exakt so (in welchem Match Type auch immer) gebucht worden, ist nicht restlos klar.

Übrigens hat die intensive Nutzung dieses Features eine unangenehme Folge: Bei mir verschwanden nach einem guten Dutzend derartiger Tests mehr oder weniger sämtliche AdWords, und zwar bei allen Begriffen. Ruft man diese Infos häufig auf, scheint das System also den Eindruck zu kriegen, man sei von den AdWords eher irritiert als entzückt, worauf Google die Einblendungen stoppt. Das ist – am Rande seis bemerkt – ein hübscher Anwendungsfall des ersten Google-Grundsatzes: «Der Nutzer steht an erster Stelle, alles Weitere folgt von selbst» – wer Ads nicht mag, kriegt sie nicht mehr zu sehen.

Nach einer guten halben Stunde kriegte ich die AdWords übrigens nach und nach wieder eingeblendet. Dass ich darob enorm erleichtert war, wäre mal eine systematischere Betrachtung wert: Google-Trefferlisten ohne AdWords brachten mich nämlich glatt ins Schleudern…

*Update: Teilt man ein Ad in Google+, wird dort die Headline des Ads mit der Unternehmenspage in Google+ verlinkt. Merkwürdig.

Facebook will eine Suchmaschine werden – Teil 2

Mittwoch, 17. Juli 2013 | Von: | Kategorie: Andere Suchmaschinen | 0 Kommentare

Mit der Einführung von Graph Search wächst die Bedeutung der Facebook-Präsenz von Unternehmen. In besonderem Masse trifft dies auf die Gastronomie, Hotellerie und auf Anbieter von Freizeitaktivitäten zu. Für alle Unternehmen gilt jedoch: Wer seine Präsenz nicht selber gestaltet, wird von Dritten dargestellt.

Wer kennt sie nicht, die unverwechselbaren Werbespots der Fischer Bettwarenfabrik aus Wädenswil? Auf Youtube wurden die Spots bereits über 80’000 Mal angeklickt und ziemlich aktiv kommentiert. Laut eigenen Angaben besuchen jährlich über 3’000 Personen die Bettwarenfabrik, um der Reinigung ihrer Duvets, Federn und Daunen beizuwohnen. Das ist ein riesiges Potenzial für virales Marketing auf sozialen Netzwerken. Nun, auf Facebook gibt es zwar eine offizielle Seite mit 38 Likes, doch parallel dazu gibt es auch eine inoffizielle Seite und einen separat geführten Ort (Place). Die wenigen sozialen Interaktionen werden nicht gebündelt und vermutlich hat die Firma auch nicht alle Kontaktpunkte im Blickfeld. Würde es der Bettwarenfabrik gelingen, auch nur zehn Prozent der Besucher zu einer sozialen Interaktion zu animieren, könnten sie nach der Einführung von Graph Search mit einer potenzialen Reichweite von rund 60‘000 Personen rechnen, nämlich 300 Besucher und deren je rund 200 Freunde. weiterlesen

Street View für drinnen: Google Business Photos

Dienstag, 9. Juli 2013 | Von: | Kategorie: Google Maps & Local, In eigener Sache | 2 Kommentare

Ende Mai hat Google Schweiz den Google-Maps-Dienst Business Photos auch in der Schweiz lanciert. Mit Business Photos wird die Möglichkeit, mit Street View Orte aus der Ferne zu erkunden, auf das Innere von Läden, Restaurants oder Büros erweitert.

Die 360°-Panoramen fügen sich nahtlos in Google Maps ein, sind auf den Google+ Local Firmenprofilen zu sehen und genrieren Aufmerksamkeit in Google Such-Resultaten. Und natürlich können sie auch auf Websites eingebettet werden:

Beim Rundgang durch unsere Büros kann man entdecken, dass wir eine Kununu Open Company sind, dass der Champagner noch nicht kühl gestellt wurde oder dass wir tatsächlich von morgens bis abends in AdWords Accounts herumturnen.

Gerne hätten wir natürlich auch ein 360°-Teambild gemacht, doch Gesichter müssen konsequent unkenntlich gemacht werden: Die bundesgerichtlich festgelegte 99%-Verpixelungspflicht gilt auch hier.

Die Panorama-Bilder werden nur von einer Reihe akkreditierter Fotografen und kostenpflichtig erstellt: In einem Shooting, das je nach Umfang 1 bis 2 Stunden dauert, werden die Lokalitäten mit einer handelsüblichen Spiegelreflexkamera mit Weitwinkelobjektiv aufgenommen und bereits nach 3 bis 5 Arbeitstagen sind die Google Business Photos live. Für den Eintrag auf Google Maps und das Google+ Local Profil fallen keine Kosten an.