Das Internet und die digitale Welt bieten uns viele Chancen – schüren jedoch auch Ängste. Der Schweizer Datenschützer Hanspeter Thür führt einen engagierten Feldzug gegen Google Streetview. Interaktive Videospiele werden für die Verdummung der Jugend und noch viel Schlimmeres verantwortlich gemacht. Und ständig werden wir ermahnt, die virtuelle Cloud über unseren Köpfen zur Sicherheit möglichst klein zu halten. Facebook und Twitter lösen Revolutionen mit aus, und doch verweisen wichtige öffentliche Meinungsbildner unserer Gesellschaft stolz auf ihre fehlende Social Media-Präsenz. Dass dieser Abwehrreflex gegenüber neuen Medien völlig menschlich ist, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Finden Sie den besten, kreativsten Grund, wieso wir uns vor dem Internet fürchten müssen und gewinnen Sie ein Blacksocks Socken-Abonnement.
Die Angst vor neuen Medien wurde bereits 370 v. Chr. ein erstes Mal zum Ausdruck gebracht. Die aufkommende Schrift liess den grossen Philosophen Sokrates befürchten, „diese Erfindung wird der Lernenden Seelen vielmehr Vergessenheit einflössen aus Vernachlässigung des Gedächtnisses.“
Die Schrift setzte sich trotzdem durch, wurde jedoch bald in grauenhafter Manier in Medien wie der Zeitung verwurstet. Ashasverus Fritschi befand 1676 über die unsäglichen Zeitungsleser: „Sie lechzen danach, täglich nach Neuem zu fragen, Neues zu hören, Neues zu erzählen. [...].“
Doch nicht nur Zeitungsleser, sondern auch Bücherwürmer bekommen im Laufe der Geschichte ihr Fett weg. 1821 befand der Schriftsteller Heinrich Zschokke über den süchtig-machenden Roman: „Die Lesesucht ist eine unmässige Begierde, seinen eigenen, untätigen Geist mit den Einbildungen und Vorstellungen Anderer aus deren Schriften vorübergehend zu vergnügen. Man liest, nicht um sich mit Kenntnissen zu bereichern, sondern um zu lesen.“
Sie lesen keine Bücher, sondern mögen lieber Filme? Auch dann sollten Sie sich in Acht nehmen, denn Herrmann Schachenmann brachte 1909 seine Überzeugung zum Besten, dass uns das Kino unglücklich mache. Denn „durch die geschminkte parfümierte Welt ihrer Gedanken verekeln und verleiden sie sich diese Welt und gehen schliesslich als unverstandene, unglückliche Menschen durchs Leben. Wer sich an all’ dies Zeugs gewöhnt hat, findet sich in dieser Welt überhaupt nicht mehr zurecht oder erst nach langen Umwegen, nachdem er schweres Lehrgeld hat zahlen müssen.“
Aber auch die Gefahrenpotenziale anderer Medien wurden jeweils schnell erkannt: Leopold von Wiese war 1930 überzeugt, dass das Radio zu „grösster Denkfaulheit und Phantasiearmut“ führt. Willhelm Hoppe kritisierte 1956 insbesondere Eltern, die nicht wissen, „was sie ihren Kindern antun“ beim Kauf von Comics. Denn Comics „töten die Phantasie“. Und auch das Fernsehen ist kein harmloser Zeitvertreib, sondern eignet sich gemäss Jerry Mander hervorragend „zur Gehirnwäsche“.
Neue Medien machen uns offensichtlich vergesslich, dumm, unglücklich – und natürlich süchtig danach. Wie sieht es mit dem Internet aus? Der beste Kommentar (als Text, Link, Zitat, Bild usw.) auf diesen Post, der erklärt, wieso wir uns vor dem neuen Medium Internet fürchten müssen, gewinnt ein Blacksocks-Abonnement im Wert von CHF 98.
„Einsendeschluss“ ist der 8. April 2011. Vergessen Sie nicht, eine E-Mail-Adresse anzugeben, damit der Gutschein dem Gewinner zugesandt werden kann.
Zitate aus der sehr empfehlenswerten Ausstellung HOME – Willkommen im Digitalen Leben im Stapferhaus Lenzburg.