Ticket to Cannibalisation: Oder wie Sie Ihren Konkurrenten durch falsches Online Marketing schwächen

Mittwoch, 28. Dezember 2011 | Von: | Kategorie: Ad of the Moment, Google AdWords | 0 Kommentare

Tickets kaufen ist in der Schweiz eine simple Sache. Auf den Websites von Starticket oder Ticketcorner den Event suchen, einen Formular-Prozess abschliessen, zahlen, Ticket ausdrucken und die Vorfreude bahnt sich ihren Lauf. In diesem ECommerce-lastigen Umfeld ist ein umfassendes und integriertes Online-Marketing natürlich Pflicht. Doch die beiden Schweizer Ticketverkäufer berücksichtigen die elementaren AdWords-Leitlinien nicht und stapfen stattdessen prompt und mit Wonne in die bereits beschriebene AdWords-Affiliate-Falle.

Bei einer Google-Suche nach dem Ticket-Vermarkter Starticket, bin ich vor kurzem auf folgendes Ad gestossen:

Google-Ergebnis bei der Suche nach "starticket.ch"

Google-Ergebnis bei der Suche nach "starticket.ch"

Wir sehen: Bei der Suche nach „starticket.ch“ erscheint ein Ad von Ticketcorner, das mittels Sub-Domain und Textanzeige vortäuscht, dass es sich hier um die Starticket-Website handelt. Dies ist sowohl für den User als auch für Starticket ärgerlich, denn:

  • Viele User finden nicht die erwartete Website bei einem Klick auf das Ad (die gute Position ist ein Hinweis darauf, dass die Klickrate hoch ist).
  • Starticket verliert User, die sich sehr für ihr Angebot interessieren, an den Konkurrenten.

Doch ist dieser Fall noch brisanter, als es im ersten Moment scheint (ganz abgesehen vom Orthografie-Fehler im Text). Klickt man nämlich auf die Anzeige wird mittels Ziel-URL sichtbar, dass dieses Ad von einem Affiliate-Betreiber geschaltet wurde.

Nun zeigt sich, dass der Fall nicht nur für Starticket und den User sehr unangenehm ist, sondern auch für Ticketcorner. Sucht man nämlich nach „ticketcorner“ findet man dasselbe Ad wie oben:

Google-Ergebnis bei der Suche nach "ticketcorner"

Google-Ergebnis bei der Suche nach "ticketcorner"

Natürlich kann es nicht im Sinne von Ticketcorner sein, mit einer Starticket-Domain und diesem optimierungswürdigen Text für die eigenen Produkte zu werben.

Wie konnte das geschehen? Offensichtlich beauftragte Ticketcorner einen Affiliate-Anbieter Ticketverkäufe zu generieren – mit grosser Wahrscheinlichkeit zum Kommissionspreis. Da AdWords-Werbung im Deal offensichtlich nicht ausgeschlossen wurde, dürfte Ticketcorner nun hohe Kommissionen für diese Ads zahlen, die nicht im Verhältnis stehen zur Qualität und zum Aufwand der erstellten AdWords-Kampagne.

Der Schaden betrifft somit alle Parteien:

  • Starticket verliert Umsätze direkt an die Konkurrenz.
  • Ticketcorner zahlt viel zu hohe Konditionen und ist mit Ads auf Ihrem Brand präsent, die nicht im Ticketcorner-Interesse sein können. Gleichzeitig ist Ticketcorner wahrscheinlich der Überzeugung im Moment tolle Affiliate-Deals zu machen.
  • Beide Unternehmen verlieren Umsatz durch fehlende umfassende AdWords-Kampagnen.
  • Die User werden getäuscht durch missverständliche Anzeige-URLs, Konkurrenten-Ads bei Brand-Abfragen auf Top-Positionen und unpassende Texte.

Der grosse Nutzniesser ist der Affiliate-Anbieter, der nur durch das Einbuchen einiger Brand-Begriffe und eines schlampigen Textes hohe Kommissionen abgreifen kann. Wohlverstanden zu völlig legalen Konditionen. Denn die Statements von Catrin Rubenson, Geschäftsführerin von TradeDoubler AG Schweiz und Urs Bühler von zanox Schweiz AG in unserem letzten Blog-Beitrag sind klar: Auch wenn dies nicht im Sinne der Affiliate-Netzwerke ist, sind die Kunden selber verantwortlich, solche Aktionen zu verhindern.

Wahlkampf-Suchmaschinerie: die verpasste Chance

Der Wahlkampf um die Sitze im Schweizer Bundesparlament geht in die heisse Phase. Es ist kaum mehr möglich, den Plakaten, Inseraten und Wahlkampf-Parolen der Parteien zu entkommen. Doch im Bereich des Suchmaschinen Marketings weht statt eines Wahlkampf-Orkans ein laues Lüftchen.

In der «Zeit» vom 22. September 2011 setzte sich der ehemalige Zürcher Regierungsrat Markus Notter mit der Frage auseinander, was geschehen würde, wenn alle Parteien auf Wahlkampagnen verzichten würden. Seiner Meinung nach würden die Stimmanteile der Parteien vermutlich gleich bleiben – jedoch würde sich die Wahlbeteiligung vermindern. Wahlkämpfe sind demnach in erster Linie auf Mobilisierung ausgerichtet und werden deshalb auch zumeist emotional geführt.

Diese Argumentationslinie scheint durchaus sinnvoll. Sind die Stiefeltreter-Plakate der SVP für linke Wähler nicht genau so mobilisierend wie für die SVP-Anhänger? Und ist es für eine Partei nicht geradezu unmöglich, über Werbung ihr umfassendes Programm zu kommunizieren? Vielmehr steht doch das Schüren von Emotionen zur Mobilisierung des eigenen Wahlvolkes im Vordergrund der Kampagnen.

Werbemittel wie Plakate, Inserate usw. sind also in erster Linie Push-Werbemittel, die die bereits entschiedenen Wähler mobilisieren. Doch gibt es genug Wähler, die noch nicht entschieden haben, wo sie Ihr Kreuz machen. Diese unentschiedenen Wähler informieren sich in diesen Tagen über die Parteiprogramme – und dies in grosser Zahl übers Internet und über Suchmaschinen. Man kann beispielsweise nach einer kurzen Auswertung davon ausgehen, dass in diesem Monat rund 120‘000 Personen in der Schweiz nach dem Keyword „nationalratswahlen“ suchen. Von weiteren interessanten Keywords bis hin zum Long Tail gar nicht zu sprechen – Potenziale von bis zu einer halben Million Impressions sind durchaus realistisch.

Regelmässige starke Steigerung der Suchhäufigkeit des Keywords "nationalratswahlen"

Regelmässige starke Steigerung der Suchhäufigkeit des Keywords "nationalratswahlen"

120‘000 interessierte potenzielle Wähler auf der Suche nach Informationen über die Nationalratswahlen? Das klingt nach einer interessanten Zielgruppe für jede Partei, könnte man meinen. Doch weit gefehlt: Folgendermassen stellen sich die Suchresultate für das Keyword „nationalratswahlen“ auf der ersten Ergebnisseite von Google dar:

Erste Ergebnisseite bei der Google-Suche nach "nationalratswahlen"

Erste Ergebnisseite bei der Google-Suche nach "nationalratswahlen"

Folgende Rückschlüsse kann man daraus ziehen:

AdWords-Präsenz

  • Wahlhelfer-Plattformen und allgemeine Informations-Websites sind sehr präsent.
  • Dazu gesellen sich einige versprengte Kandidaten mit personen-bezogenen Anzeigen. Das Schlimme daran: Meistens sind diese Kampagnen Schweiz-weit präsent, obwohl die Kandidaten nur in Ihrem Heimatkanton gewählt werden können. Die Targeting-Funktionen von Google werden viel zu wenig genutzt und die Kampagne wird dadurch ineffizient.
  • Keine einzige Partei ist mit einem Gesamtkonzept präsent.

Präsenz in den organischen Listings

  • Auch bei den unbezahlten Resultaten sind auf der ersten Seite keine Parteien präsent – dafür eine Menge unabhängiger Informationsportale.
  • Auf Platz 11 folgt als erste Partei die SVP mit einer Microsite zu den Wahlen, auf Platz 13 parteifrei.ch
  • Auf den Plätzen 22 und 23 folgen dann die EVP und die FDP des Kantons Zürich.

Fazit: Es gibt keine Partei, die ein stimmiges Suchmaschinenmarketing-Konzept hat und in den einzelnen Kantonen für Ihre Kandidaten mittels Google-AdWords-Targeting wirbt. Auch im Bereich SEO sieht‘s nicht besser aus: Die kaum vernetzten Parteifreien schaffen es mit einem soliden Web-Auftritt immerhin auf Platz 13 der organischen Suchmaschinenresultate – das zeigt, dass das Potenzial für gute Gratis-Listings vorhanden wäre.

Im Vergleich dazu ein Blick über die Landesgrenze: In Berlin erreicht die Piratenpartei fast 9% der Wählerstimmen. Hauptthema und Kommunikationsmedium zugleich: die digitale Welt und das Internet. Obamas Wahlkampf 2008 galt als erster Wahlkampf 2.0. Vier Jahre später war nicht zu erwarten, dass die Schweizer Parteien eine ähnlich ausgefeilte Web-Strategie entwickeln. Doch sogar User, die sich mittels Keywords zu ihrem Informationsbedürfnis bekennen, werden von den Parteien nicht bedient. Mobilisierung ist in diesem Wahlkampf alles – das Informieren interessierter Wähler nur sekundär. Es bleibt zu hoffen, dass der Wahlkampf nicht die Legislatur prägt.

Wer hat Angst vor dem Internet? – Blacksocks Abonnement gewinnen!

Donnerstag, 24. März 2011 | Von: | Kategorie: Off Topic | 9 Kommentare

Das Internet und die digitale Welt bieten uns viele Chancen – schüren jedoch auch Ängste. Der Schweizer Datenschützer Hanspeter Thür führt einen engagierten Feldzug gegen Google Streetview. Interaktive Videospiele werden für die Verdummung der Jugend und noch viel Schlimmeres verantwortlich gemacht. Und ständig werden wir ermahnt, die virtuelle Cloud über unseren Köpfen zur Sicherheit möglichst klein zu halten. Facebook und Twitter lösen Revolutionen mit aus, und doch verweisen wichtige öffentliche Meinungsbildner unserer Gesellschaft stolz auf ihre fehlende Social Media-Präsenz. Dass dieser Abwehrreflex gegenüber neuen Medien völlig menschlich ist, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Finden Sie den besten, kreativsten Grund, wieso wir uns vor dem Internet fürchten müssen und gewinnen Sie ein Blacksocks Socken-Abonnement.

Die Angst vor neuen Medien wurde bereits 370 v. Chr. ein erstes Mal zum Ausdruck gebracht. Die aufkommende Schrift liess den grossen Philosophen Sokrates befürchten, „diese Erfindung wird der Lernenden Seelen vielmehr Vergessenheit einflössen aus Vernachlässigung des Gedächtnisses.“

Die Schrift setzte sich trotzdem durch, wurde jedoch bald in grauenhafter Manier in Medien wie der Zeitung verwurstet. Ashasverus Fritschi befand 1676 über die unsäglichen Zeitungsleser: „Sie lechzen danach, täglich nach Neuem zu fragen, Neues zu hören, Neues zu erzählen. [...].“

Doch nicht nur Zeitungsleser, sondern auch Bücherwürmer bekommen im Laufe der Geschichte ihr Fett weg. 1821 befand der Schriftsteller Heinrich Zschokke über den süchtig-machenden Roman: „Die Lesesucht ist eine unmässige Begierde, seinen eigenen, untätigen Geist mit den Einbildungen und Vorstellungen Anderer aus deren Schriften vorübergehend zu vergnügen. Man liest, nicht um sich mit Kenntnissen zu bereichern, sondern um zu lesen.“

Sie lesen keine Bücher, sondern mögen lieber Filme? Auch dann sollten Sie sich in Acht nehmen, denn Herrmann Schachenmann brachte 1909 seine Überzeugung zum Besten, dass uns das Kino unglücklich mache. Denn „durch die geschminkte parfümierte Welt ihrer Gedanken verekeln und verleiden sie sich diese Welt und gehen schliesslich als unverstandene, unglückliche Menschen durchs Leben. Wer sich an all’ dies Zeugs gewöhnt hat, findet sich in dieser Welt überhaupt nicht mehr zurecht oder erst nach langen Umwegen, nachdem er schweres Lehrgeld hat zahlen müssen.“

Aber auch die Gefahrenpotenziale anderer Medien wurden jeweils schnell erkannt: Leopold von Wiese war 1930 überzeugt, dass das Radio zu „grösster Denkfaulheit und Phantasiearmut“ führt. Willhelm Hoppe kritisierte 1956 insbesondere Eltern, die nicht wissen, „was sie ihren Kindern antun“ beim Kauf von Comics. Denn Comics „töten die Phantasie“. Und auch das Fernsehen ist kein harmloser Zeitvertreib, sondern eignet sich gemäss Jerry Mander hervorragend „zur Gehirnwäsche“.

Neue Medien machen uns offensichtlich vergesslich, dumm, unglücklich – und natürlich süchtig danach. Wie sieht es mit dem Internet aus? Der beste Kommentar (als Text, Link, Zitat, Bild usw.) auf diesen Post, der erklärt, wieso wir uns vor dem neuen Medium Internet fürchten müssen, gewinnt ein Blacksocks-Abonnement im Wert von CHF 98.

„Einsendeschluss“ ist der 8. April 2011. Vergessen Sie nicht, eine E-Mail-Adresse anzugeben, damit der Gutschein dem Gewinner zugesandt werden kann.

Zitate aus der sehr empfehlenswerten Ausstellung HOME – Willkommen im Digitalen Leben im Stapferhaus Lenzburg.

Das neue Keyword Tool

Donnerstag, 29. April 2010 | Von: | Kategorie: Google AdWords | 8 Kommentare

Das neue AdWords Keyword Tool kann seit einigen Tagen in einer Beta-Version genutzt werden. Das heisst: schnelleres Handling und v.a. das Einbinden einiger alter Bekannter aus der AdWords-Feature-Familie in das prominente Keyword Tool. Doch einige Familienmitglieder bleiben leider auch weiterhin aussen vor.

Im Folgenden sind Screenshots des neuen und alten Keyword Tools zu sehen:

Die neue Beta-Version vom Keywordtool | Angelink yourposition | Suchmaschinenmarketing
Neues Keyword Tool

altes Keywordtool von Adwords | Angelink yourposition | Suchmaschinenmarketing
Altes Keyword Tool

Änderungen wurden v.a. in zwei Bereichen vorgenommen:

1. Grundsätzlich verbindet das neue Keyword Tool das bisherige Keyword Tool und das Keyword Tool auf Basis von Suchanfragen. Dadurch kann nun kombiniert über Keywords und Websites gesucht werden. Dies ist im Handling durchaus nützlich, weil nicht zwei Tools genützt werden müssen. Neue Funktionen, durch die neue Keywords gefunden werden können, entstehen dadurch jedoch nicht.

Interessant für die künftige Entwicklung wäre eine Zusammenlegung mit dem Placement Tool, damit innerhalb eines einzelnen Tools Keywords und Placements bestimmt werden können – dies im Sinne eines noch schneller Handlings beim Kampagnen-Aufbau.

2. Ein zweiter Aspekt des neuen Keyword Tools ist das Einbauen von Funktionen des Traffic Estimators (ist neu auch auf der alten Version verfügbar). Dadurch können nun die Anzahl Klicks und die potenziellen Anzeigenpositionen bei festgelegten Klickpreisen im Vornherein bestimmt werden.

Dies ist ein nützliches Feature. Denn in Zukunft kann schon beim Aufbau einer Kampagne bestimmt werden, wie hoch die Budgets für gewisse Keywords und Anzeigengruppen sein werden. Dadurch wird die budgetäre Feinabstimmung verkürzt und vereinfacht. Und es entsteht die Möglichkeit von Anfang an zu bestimmen, welche Positionen man ungefähr im Ranking der AdWords-Anzeigen einnehmen möchte.

Ausserdem ergibt sich aus der Verbindung von Keyword Tool und Traffic Estimator eine erste Möglichkeit zur Voraussage der Budget-Maximalabschöpfung. Dazu werden die Klicks der Keywords eines Brands generiert und mit den jeweiligen durchschnittlichen CPCs multipliziert. Dies wird keine exakte Voraussage ermöglichen – jedoch werden Voraussagen über die maximale Abschöpfung des Budgets im Vornherein möglich; eine Schätzung, die bisher ausschliesslich auf Erfahrungswerten basiert hat.

Was leider immer noch nicht angezeigt wird, sind die indexierten Dokumente für ein Keyword. Dies wäre dann interessant, wenn das Keyword Tool zur Keyword-Analyse für Suchmaschinen-Optimierung gebraucht wird (Stichwort Mitbewerberdichte). Das angezeigte Bälkchen „Mitbewerberdichte“ im Keyword Tool ist für eine Keyword-Analyse auch weiterhin nicht zu gebrauchen.

Ebenso nützlich wäre natürlich das Einbauen der Traffic Estimator-Daten ins Kampagnen-Optimierungstool – geschweige denn der grosse Nutzen, wenn Conversion-Schätzungen dort künftig angezeigt werden könnten. Verbesserungen der AdWords-Navigation sind also weiterhin zu erhoffen und zu erwarten.

Nützlich sind auch folgende neuen Features im Keyword Tool:

  • Keywords können in allen Match-Types angezeigt werden. Dies kann in Verbindung mit den Traffic Estimator-Daten dazu genutzt werden, zu generische Keywords von Vornherein als „Wortgruppe“ oder „genau passend“ einzubuchen.
  • Keywords im Keyword Tool können nun nach Traffic Estimator Daten gefiltert werden (so dass man sich nur mit den individuell relevanten Keywords herumschlagen muss)
  • Es wurde eine Funktion für die Suche in Mobile-Handys integriert (wird zukünftig sicher an Bedeutung gewinnen).
  • Es gibt nun einen direkten Link vom einzelnen Keyword zu Google Insights for Search, um aktuelle Trends zu betrachten.
 
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