Kaum ein Web-Projekt erzeugte in letzter Zeit so viel Spannung wie Wolfram Alpha, das neuste Baby des Mathematica-Schöpfers Stephen Wolfram. Und Heute Nacht, von Freitag auf Samstag, solls also losgehen.
Die Medien sprachen dabei stets von einer Suchmaschine und einem – ja, genau – Google-Killer, obwohl Wolfram selber stets betonte, es werde sich nicht um eine Such-, sondern um eine Antwort-Maschine handeln.
Und beschaut man sich den Screencast (im Augenblick [15.05.09, 15:22] nicht erreichbar – da scheinen kurz nach der Launch-Ankündigung schon die Server zusammenzukrachen…), wird klar, wie Wolfram das meint: Wolfram Alpha liefert bloss in siebter oder achter Linie Verweise auf Drittinhalte. In erster Linie hingegen werden Daten und Antworten zu Fragen der verschiedensten Art geliefert: Bruttoinlandprodukt in Frankreich, das Wetter in Boston am 1. Januar 2008, alles Relevante zur Temperatur von 6’000 Grad Celsius, Börsendaten, Hypothekenrechnungen, Tonarten… im Screencast tauchen dazu Statistiken, Charts, Diagramme, Tabellen auf – was das Herz begehrt, und der Mund bleibt dabei offen.
…so, inzwischen läuft auch die Website wieder, deshalb hier ein Beispiel – das Wolfram Alpha-Resultat auf die Query «internet users in europe»:

Zahlen, Grafiken, nach Land gesplittete Daten – schon ziemlich eindrücklich [EDIT: Erst jetzt im Screenshot entdeckt - die 93 User des Vatikans wären fast eine eigene Story wert], und im Screencasts gibts derlei (und weit Komplexeres) eine Viertelstunde lang im Sekundentakt zu bewundern. Die Daten der Resultateseiten scheint man sich als PDF runterladen zu können. Irgendwelche Mitmach-Funktionen à la SearchWiki habe ich hingegen nicht entdecken können.
Auch wenn die Plattform schon rein von der Anlage her kein Google-Killer ist, so gibts da selbstverständlich zahlreiche Anwendungsbereiche, für die ich in Zukunft vielleicht lieber Wolfram Alpha (so es sich denn bewährt – ein Screencast allein macht noch kein Wunder) benützen könnte, nicht mehr Google.
Zum Beispiel hat mich die Zahl der Internet User in Europa auch schon interessiert, und via Google kriegt man da auch rasch Resultate – aber bei weitem nicht so umstandslos wie offenbar mit Wolfram Alpha. Und bei anderen Beispielen im Screencast (googlen Sie mal nach «weather springfield when david ortiz was born»…) wird noch viel deutlicher, wie sich Wolfram|Alpha von Google unterscheidet. Kein Google-Killer, aber wenn das Projekt hält, was Buzz und Screencast versprechen, könnte Google das im Bereich der reinen Informationssuche relativ rasch zu spüren kriegen.
Wenig verwunderlich also, dass die Präsentation von Google Squared vielenorts als eine Art Präventivschlag gegen Wolfram Alpha gedeutet wurde. Aber angesichts des Previews nehmen sich die von Google gezeigten «small dogs» denn doch eher putzig aus:

Heute Nacht um 2 Uhr* solls nun also mit Wolfram Alpha losgehen. Man möchte glatt wachbleiben.
* «Friday, May 15, beginning at 7pm CST» heisst es auf der Wolfram-Site. Nach etlichen Minuten des Rumgooglens fand ich heraus, dass dies hierzulande 2 Uhr nachts bedeutet. Mit Wolfram Alpha hätte ichs wohl schneller herausgefunden.

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