Die eingesessenen Medien habens nicht immer leicht: Kaum passiert was, flitzts durch die Blogospäre, und sitzt man abends vor der Tagesschau, teilen einem die Ankerfrauen und -mannen längst Bekanntes mit.
Eine löbliche Ausnahme bildete die gestrige Tagesschau-Hauptausgabe: Im Rahmen der Kurznachrichten wurde Jerry Yangs E-Mail an seine «yahoos» erwähnt, 24 Stunden nach Bekanntwerden zwar, aber immerhin mit einer wahrlich unerhörten Neuigkeit verziert:
Das Internetportal Yahoo! will eine Übernahme durch den Softwarekonzern Microsoft unbedingt verhindern. Dies geht aus einer E-Mail hervor, die der Yahoo-Chef an die Mitarbeitenden gesandt hat.
Also eigentlich stand das da drin:
as we’ve said [schreibt Jerry Yang unter konsequenter Missachtung seiner Shift-Taste], no decisions have been made about microsoft’s proposal.
Dass eine Übernahme unbedingt verhindert werden soll, steht allenfalls zwischen den Zeilen:
your hard work and strong commitment are more important now than ever before. [...] we’ve seen a strong show of support from our users, advertisers, and publishers, reminding us how much they love our products and services.
Zugegeben: Das tönt nicht danach, als werfe man sich Microsoft übermorgen aufseufzend in die Arme. Aber bis zur Tagesschau-Interpretation hat der Text denn doch ein beträchtliches Wegstück zurückgelegt.
Yahoo-PR über die Bande
Interessant ist an Jerry Yangs E-Mails ja vor allem, dass er sie jeweils bei der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC einreicht (im ersten Fall amüsanterweise noch als «confidential» gekennzeichnet), womit sie flugs öffentlich sind und damit zum Communiqué mutieren. Ein PR-Spiel über die Bande: Yahoo! kommuniziert zwar nach aussen, vermeidet aber die Verbindlichkeit von Pressemitteilungen. (Die jüngsten tatsächlichen Press Releases hatten Hosting und E-Mail-Lösungen zum Thema.)
Dabei wüsste man ja zu gerne Genaueres. Nachdem Googles Chefjurist, David Drummond, Microsoft mit vielen juristisch korrekten Fragesätzen frontal anging («Could Microsoft now attempt to exert the same sort of inappropriate and illegal influence over the Internet that it did with the PC?»), wurde reihum folgendes Szenario entwickelt: Yahoo! widersteht dem Microsoft-Übernahmeangebot und lagert stattdessen das ganze Suchgeschäft an Google aus – so wie das zwischen 2000 und 2004 schon einmal weitgehend der Fall war.
Google mit 87% Marktanteil?
So würde ironischerweise Microsofts grösster Angriff auf Google seit Jahren ausgerechnet Google stärken – und wie: Nach jüngsten Hitwise-Zahlen stiege Googles US-Marktanteil damit auf rund 87%. Schweizer Verhältnisse also. Doch in den USA riefe das ohne jeden Zweifel die Behörden auf den Plan.
Für die Werbekunden wiederum wäre – wie etwa Time bemerkt – ein Microsoft-Yahoo!-Deal vorteilhafter als ein Zusammenspannen mit Google:
The deal [wird Google-Grosskunde WPP zitiert] won’t give you leverage against Google, but it could give you choice, and more choice is always positive.
Nur eben: no decisions have been made. Aber vielleicht weiss da die Tagesschau-Redaktion mehr.

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