Link Building: Bündner, Google und Rassismus
Von Lukas Stuber Mittwoch, 10. Juni 2009 Google allgemein, Suchmaschinenoptimierung 3 Kommentare »Link Building ist ein Saukrampf. Und ein vollkommen unverzichtbarer Teil der Suchmaschinenoptimierung: Schliesslich landet - stark abgekürzt ausgedrückt - jener weiter oben bei Google, der über die robustere externe Verlinkung verfügt. Was erlaubt ist und was nicht, ist hingegen unklar: Google selber praktiziert mitunter Methoden, für die es andere bestraft.
Kaum hatte Google eine kritische Grösse erreicht, wurden Links zur Handelsware, und mit immer wieder neuen, mehr oder minder kreativen Methoden versuchen Suchmaschinenoptimierer und Website-Betreiber Links zu generieren.

«Link Building 101» (RedAlkemi).
Hierzulande gibt etwa das Bündner Modell derzeit viel zu reden, auf dessen Erfinder begeistert eingedroschen wird - zu begeistert, wie manche finden. Aber wer Links mit irreführenden Behauptungen sammeln will, darf sich über die Haue wohl kaum beklagen.
Android.com: 50′000 zusätzliche Links binnen Stunden
In den USA sind aktuell die Link-Building-Methoden von jemand ganz anderem in der Kritik: Google.
Google?
Google. Denn anlässlich seiner I/O Conference in San Francisco verschenkte Google 500 Android-getriebene HTC Magic an die anwesende Entwicklerschar. Nebst anderen drolligen Folgen führte das (laut Michael Gray von ViralConversations) zu rund 50′000 zusätzlichen Links zu Googles Android-Website, was im hochkompetitiven Telco-Umfeld keine Kleinigkeit ist.
Das Problem dabei: Plattformen, über die Unternehmen Sampling betreiben können, mit deren Hilfe man also nichts anderes machen kann, als Google an seiner I/O Conference getan hat - solche Plattformen also betrachtet Google mit Stirnrunzeln.
Der Service ViralConversations beispielsweise wurde von Google aufgefordert, bei ihren Reviewers nur noch nofollow-Links zuzulassen; das Schweizer Unternehmen Trigami nahm zum selben Thema 2007 proaktiv Stellung, verteidigte zunächst seine Policy, Links ohne nofollow zu tolerieren, rückte aber später davon ab.
Das könnte man dann wohl als Doppelmoral seitens Google bezeichnen: Wenn Google Handys verschenkt, sind die kollateral zustandekommenden Links legitim; wenn andere Unternehmen für derlei eine Agentur bemühen, setzts eine PageRank-Strafe.
Link Building wäre in dieser Sichtweise also dann böse, wenn es von einem Suchmaschinenoptimierer betrieben wird, nicht aber, wenn sich ein Unternehmen selber darum bemüht. Die ansonsten äusserst lesenswerte Lisa Barone verglich diese Haltung in ihrem Zorneseifer gar mit Rassismus.
Widget Baiting: Darf man das jetzt oder nicht?
Weiter zurück liegt der Fall des Mathew Inman: Der Betreiber einer Dating-Plattform schuf kleine, lustige Widgets, die von buchstäblich hunderttausenden Webmastern auf deren eigenen Sites eingebaut wurden und gut sichtbar auf Inmans Dating-Plattform verlinkten. Ein schon etwas kreativerer Ansatz, doch Google schoss Inman ab, wie sich bei SEOmoz nachlesen lässt.
Das ist insofern etwas ironisch, als etwa Google Gadgets genau den gleichen Effekt haben:

Diese Gadget-Links sind keineswegs auf nofollow gesetzt, und bei einer Suche nach [gadgets] nimmt Google unter der Kleinigkeit von 247′000′000 Treffern den - wen wunderts - ersten Platz ein.
Auch hier also scheint nicht mit dem gleichen Massstab gemessen zu werden.
«Google doesn’t think about getting links.»
Gleichzeitig finde ich vollkommen glaubhaft, was Googles Chef-Spam-Jäger Matt Cutts im Zusammenhang mit der Android-Geschichte äusserte:
«The reason people got the free Android phones was because they had paid 2-3k to attend the event and they were the perfect demographic to be developing Android applications. Google wanted the applications developed, not links. Google doesn’t think about getting links.» [via Outspoken media]
Das glaube ich sofort. Und nur nebenbei: Als Google Japan schlankweg Links einkaufte, wurde dessen PageRank manuell herabgestuft. Google muss sich nämlich gar nicht um Links kümmern - die kommen ganz von allein, nämlich immer dann, wenn Google «piep» sagt. Und genau das ist eben nicht so lustig: Googles Services greifen immer weiter aus, geraten in Konkurrenz mit immer mehr Branchen und Unternehmen, und dank seiner Suchmaschine und dessen linkbasiertem Algorithmus hat Google stets von Anfang an einen Wettbewerbsvorteil.
Überspitzt gesagt: Würde Google morgen einen Online-Schuhladen starten, wäre der unter anderem dank unweigerlich starker Verlinkung schnell die Nummer 1. Und das dürfte ein viel grundsätzlicheres Problem darstellen als Googles (angebliche?) Feindseligkeit den SEOs gegenüber.
Wir müssen nicht mal über den grossen Teich schauen; jeder der eine Karte von map.search.ch einbaut - und das sind heute ja nicht wenige - bedient damit die Neo-Tamedia-Tochter mit einem Backlink. Notabene meist im Zusammenhang mit einer Adresse, Karte, Anfahrtsweg oder einem Situationsplan.
3.7 Mio Links zu map.search.ch sind denn auch nicht schlecht - oder? (http://www.google.ch/search?q=links%3Amap.search.ch)
Dagegen ist auch nichts zu sagen, finde ich. Ich habe auch nichts dagegen, wenn Google seine Gadget-Site mit [gadgets] verlinkt. Merkwürdig finde ich dann nur, wenn andere die an sich genau gleiche Link-Building-Methode nicht verwenden dürfen.
[...] die das Thema aufgegriffen haben: blog.fihlon.ch, leumund.ch, yourposition.ch, seocrack.de, theofel.de, internetmarketing-news.de, internet4you.ch, internetagentur-overberg.de, [...]